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Digitale Revolution

Mobilität Die EU greift ab 2021 auf Autodaten zu – Doch viele Fragen sind ungeklärt

Ab kommendem Jahr sollen alle neuen Autos Nutzdaten an die EU-Kommission liefern. Allerdings ist noch nicht klar, wie das funktionieren soll.
27.09.2020 - 09:47 Uhr 1 Kommentar
Jeder gefahrene Kilometer und jeder verbrauchte Liter Sprit wird erfasst. Quelle: dpa
Autobahn in Niedersachsen

Jeder gefahrene Kilometer und jeder verbrauchte Liter Sprit wird erfasst.

(Foto: dpa)

Berlin, Brüssel In gut drei Monaten ist es so weit: Autos sollen nicht mehr nur Daten sammeln – das tun sie heute schon in vielfacher Weise. Die Daten sollen dann auch an eine Behörde weitergeleitet und ausgewertet werden.

Jeder Neuwagen, der nach dem Jahreswechsel verkauft wird, soll speichern, wie weit er fährt und wie viel Sprit oder Strom er verbraucht. 2022 kommen leichte Nutzfahrzeuge hinzu. Das sieht eine EU-Verordnung vor.

Das neue Überwachungssystem soll einen neuen Abgasskandal vermeiden, heißt es in Brüsseler Kommissionskreisen. 2015 war bekannt geworden, dass die Fahrzeugverbräuche im realen Betrieb von den Laborwerten enorm abweichen. Zwar gibt es jetzt eine neue Prüfung bei der Zulassung von neuen Fahrzeugen. Doch das reicht der Kommission nicht aus.

Sie will die Verbräuche pro Sekunde, pro Stunde und über den ganzen Lebenszyklus eines Wagens erfahren. Bei Hybridfahrzeugen soll sich zeigen, ob kurze Strecken wirklich elektrisch gefahren werden und somit der Umweltbonus gerechtfertigt ist. „Die Verfügbarkeit der aufgezeichneten Daten, nach Aggregation und Anonymisierung, wird auch das Verständnis des tatsächlichen Betriebs und des Kraftstoffverbrauchs von Plug-in-Hybridfahrzeugen verbessern“, hieß es in EU-Kreisen.

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    Allerdings steht bis heute nicht fest, in welcher Art und Weise die Daten erhoben und übermittelt werden, obwohl die Verordnung schon im April 2019 beschlossen wurde.

    Wer darf auf Daten zugreifen?

    Denkbar wäre, dass die Daten bei jeder Inspektion ausgelesen werden oder bei der Hauptuntersuchung. Theoretisch wäre es auch möglich, dass die Autos ihre Daten in Echtzeit an einen Server senden.

    Ungeklärt ist auch, wer auf die Daten zugreifen darf. Gehören dazu etwa auch interessierte Gruppen wie die Deutsche Umwelthilfe, die den Autobauern nur zu gerne nachweisen würde, dass diese die angegebenen Verbrauchswerte nicht einhalten?

    Um diese Fragen zu klären, hat die EU-Kommission eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Dort sollen die Mitgliedstaaten eine Lösung finden, die alle Bedenken ausräumt, vor allem beim Datenschutz. „Die Übertragung von Informationen zu Verbrauch und Laufleistung von Fahrzeugen muss grundsätzlich im Einklang mit datenschutzrechtlichen Bestimmungen stehen“, heißt es mahnend beim Verband der Automobilindustrie VDA.

    Der Plan der EU-Kommission „wirft in der Tat bestimmte Datenschutzfragen auf“, sagte ein Sprecher des Europäischen Datenschutzbeauftragten (EDSB) in Brüssel, ohne auf Details einzugehen.


    Grafik

    Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar nannte die zentrale Überwachung der Verbrauchsangaben „durchaus brisant“: „Es werden detaillierte Überwachungsdaten für das jeweilige Fahrzeug erhoben, die bis hinab auf die Fahrzeug-Identifizierungsnummer reichen und damit grundsätzlich eine Identifizierung des Halters ermöglichen“, sagte er dem Handelsblatt.

    Caspar fordert, dass die betreffenden Daten ausschließlich zu den gesetzlich geregelten Zwecken verarbeitet werden dürfen. „Anderenfalls wird kaum zu verhindern sein, dass eine Nutzung der Daten zu anderen Zwecken, etwa durch die Strafverfolgungsbehörden, erfolgt.“

    Zufriedenes Umweltministerium

    Zufrieden mit den Plänen zeigt indes das Umweltministerium. Von einer strengen Überwachung der Autofahrer könne „keine Rede“ sein. Die Daten würden gebraucht, um zu erkennen, wenn Laborwerte und Realverbräuche voneinander abweichen, erklärte ein Sprecher: „Andere Ziele werden nicht verfolgt; auch gäbe es hierfür keine Rechtsgrundlage.“

    Auch Datenschützer Caspar gesteht zu, dass der moderne Vorsorgestaat im Bereich des Klimaschutzes auf zahlreiche Daten angewiesen sei.

    Für die EU-Kommission gibt es keine Zweifel, dass das anonymisierte Datensammeln richtig ist. Schließlich müssen die Autohersteller in Zukunft Flottengrenzwerte einhalten, die überwacht und bei Verstößen auch mit hohen Strafen für jedes Gramm Kohlendioxid zu viel geahndet werden. Offiziell wollte sich die EU-Kommission nicht äußern.

    Riesiges Interesse an Mobilitätsdaten

    Die Datenbank, die nun entstehen wird, könnte auch nur ein Anfang sein. Das Interesse an Mobilitätsdaten ist riesig, weil diese zum Beispiel helfen können, autonomes Fahren zu ermöglichen.

    Die Bundesregierung arbeitet außerdem an einem „Datenraum Mobilität“, in den nicht nur Autohersteller, sondern auch Nahverkehrsunternehmen, die Bahn und private Mobilitätsanbieter wie Flixbus, Freenow oder die Lufthansa ihre unzähligen Daten einspeisen sollen.

    Damit sollen neue Geschäftsmodelle möglich werden, der Verkehr soll sicherer und effizienter werden, Staus und Emissionen will man vermeiden. Dazu müssten die Unternehmen allerdings viel mehr Daten freigeben als nur den Verbrauch.

    Ob das Radio läuft, der Außenspiegel verstellt wird, der Blinker gesetzt ist oder sich Mitfahrer im Auto befinden, ob der Fahrer müde oder abgelenkt ist, wie seine Fahrweise ist und wie sehr die Bremsen verschleißen: All das können moderne Bordcomputer aufzeichnen.

    Schon jetzt lesen Werkstätten solche Daten bei der Inspektion aus und übermitteln sie an den Hersteller. Die Autobauer haben damit große Pläne. Sie wollen Dienste entwickeln, die bisher Apple, Google oder TomTom anbieten. An einem Zugriff öffentlicher Stellen auf die Fahrdaten haben sie kein Interesse.

    Mehr: EU-Kommission will mit Milliarden-Investitionen die Digitalisierung vorantreiben.

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    1 Kommentar zu "Mobilität: Die EU greift ab 2021 auf Autodaten zu – Doch viele Fragen sind ungeklärt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der aufs Fahrzeug bezogene Zahlenfetischismus, zukünftig auf die Kommastelle genau, ist absurd. Warum ist es schlimm wenn ein Auto 15 Liter/100 km braucht, aber nur 5.000 km im Jahr gefahren wird (sagen wir mal ein Lamborghini)? Versus einem Auto was nur 5 Liter /100 km braucht, aber 30.000 km im Jahr gefahren wird? Beim Elektroauto wird es noch seltsamer: die Lade-Entladeverluste werden im Auto gar nicht erfasst und der indirekte CO2-Effekt des Ladeleistungsbezugs aus dem Netz auch nicht.

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