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Digitale Revolution
Gaming

Nvidia will mit einer neuen Technologie Konkurrent Google verdrängen.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Spielebranche Nvidia will Google bei Android-Gaming an die Wand spielen

Googles Spieleservice aus der Cloud bekommt einen gefährlichen Konkurrenten, bevor er gestartet ist: Nvidias neuer Cloud-Dienst will Milliarden Android-Smartphones erreichen.
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San Francisco Google hatte auf ein leichtes Spiel gehofft: Statt auf einer eigenen Pressekonferenz seine Neuigkeiten rund um die kommende Cloud-Spieleplattform „Stadia“ zu verkünden und sich den Fragen der Journalisten zu stellen, gab es nur einen Videostream am Vorabend der Gamescom in Köln.

Dabei wurde den Interessenten geraten, ein Starterset für 129 Euro zu kaufen. Denn nur wer dieses Set habe, könne „im November“ loslegen und Stadia in höchster Bildauflösung auf dem großen Flachbildschirm im Wohnzimmer nutzen. Genauer will man in Mountain View noch immer nicht werden, denn der Dienst befindet sich noch immer in der Testphase. Bislang können nur eingeladene Spieler Stadia nutzen. Google verfolgt dabei das Geschehen auf seinen Cloud-Servern, um letzte Verbesserungen vorzunehmen und Fehler auszumerzen.

Neben dem Fernsehbildschirm wird der Dienst zudem bei Verwendung des Browsers Chrome auf Laptops und Tablets, sowie auf zwei Google-Smartphones der Pixel-Serie funktionieren. Einige neue Spiele wurden für die Cloud-Plattform auch angekündigt, durchaus mit beeindruckender Grafik und mehr oder weniger bekannten Spielideen.

Doch mit seiner Einschätzung lag Google daneben: Denn zeitgleich kündigte Nvidia ebenfalls weitreichende strategische Fortschritte für seinen Cloud-Spieledienst „GeForceNow“ (GFN) an. Der Chipriese will zuerst auf den Cloud-Rechenzentren in Frankfurt brandneue RTX-Server installieren, mit denen die Testspieler in den Genuss der höchsten Bildqualität kommen.

Die RTX-Technologie ermöglicht eine wesentlich realistischere Bilddarstellung und Lichtführung in Echtzeit. Das bedeutet einen naturgetreuen Lichteinfall und exakten harten oder weichen Schattenwurf auf allen Objekten. Bislang mussten solche Effekte, wie zum Beispiel auch indirekte Beleuchtung, aufwändig gesondert ausgerechnet werden. Das kostet Zeit und Leistung. Auch das Microsoft-Spiel „Minecraft“, das mit über 176 Millionen Exemplaren das meistverkaufte Spiel der Welt ist, will Nvidia aus seiner „Klötzchenwelt“ befreien und naturgetreuere Spielelandschaften, Licht und Schatten einbauen.

Doch damit nicht genug: Die Cloud-Plattform wird eine eigene App für Android-Smartphones bekommen und damit direkt Googles Smartphone-Welt angreifen. GFN Mobile, so der Name der App, wird dabei nicht nur auf Google-Smartphones funktionieren, die nur einen marginalen Weltmarktanteil besitzen, sondern direkt ab Systemstart auf vielen verschiedenen Geräten verfügbar sein – unter anderem von LG und Weltmarktführer Samsung.

Cloud-Angebote gewinnen an Bedeutung

Zudem werden die Mobilfunkgiganten Softbank und LG die Plattform auf zwei der wichtigsten Gaming-Märkten der Welt ausrollen: Japan und Südkorea. GFN für PCs, Mac und Nvidias Spielekonsole „Shield“ soll „in wenigen Monaten“ aus der geschlossenen Testphase in den offenen Testbetrieb wechseln. Das könnte noch vor November passieren – und damit vor Googles Starttermin für Stadia. Für die Android-App gibt es noch keinen festen Termin.

Mit der Einführung der Android-App werden „zwei Milliarden Bildschirme mehr zum Spielen bereit sein“, verspricht Nvidia vollmundig. Der Trick besteht, wie in fast allen Cloud-Angeboten darin, so viel Arbeit wie möglich aus dem Gerät in Kundenhand in die Cloud zu verlagern. Die Berechnungen müssen dabei in Millisekunden erfolgen. Nvidia hat hier als Marktführer für Grafiklösungen im digitalen Bereich technologisch die Nase vorn.

Noch läuft GFN weltweit im Testbetrieb. Nach eigenen Angaben haben zehntausende Spieler insgesamt schon 30 Millionen Stunden in fast 1000 Spielen gespielt. Über eine Millionen Gamer sollen sich auf die Wartelisten eingetragen haben, um direkt zum Start dabei zu sein.

Die Nvidia-Technologie, wenn sie denn in der Praxis wirklich hält, was sie den Gamern verspricht, könnte die Gewichte im Cloud-Gaming schon zu Beginn verschieben. Denn Google hat sich gerade erst dazu bekannt, in seinen Servern Chips von AMD zu verbauen, darunter auch die Grafikchips, die nicht mit Nvidias Technik umgehen können. Microsoft hat in seinen Xbox-One-Systemen ebenfalls AMD-Chips verbaut.

Es wird sich zeigen, ob beide Gaming-Riesen eine Lösung für das RTX-Problem finden können. Für Windows 10 jedenfalls ist Minecraft mit RTX-Ratracing angekündigt. Aber hier sind im PC-Bereich viele Geräte mit Intel- und Nvidia-Grafiksystemen ausgestattet. Sowohl Googles Stadia als auch Nvidias GFN – einschließlich der Android App – sollen für Besucher der Gamescom an den Messeständen spielbar sein.

Mehr: Show statt Messe: Wie die Veranstalter die Gamescom immer mehr zum Event machen.

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