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Digitale Revolution

Start-up „Quadriga“ Chef tot, Coins weg? Bitcoin-Bank verliert 145 Millionen Dollar

Der Chef der größten kanadischen Krypto-Börse ist offenbar verstorben. Nun kommen 115.000 Kunden nicht mehr an ihre Konten. Experten wittern Betrug.
Update: 05.02.2019 - 15:58 Uhr Kommentieren
Bitcoin-Bank Quadriga verliert 145 Millionen Dollar Quelle: The Washington Post/Getty Images
Mining-Halle in Sichuan

China treibt die technologische Entwicklung in der Kryptowelt besonders voran.

(Foto: The Washington Post/Getty Images)

FrankfurtEr wollte auf Nummer sicher gehen. Der Chef der größten kanadischen Kryptobörse Quadriga CX, Gerald Cotton, hatte die elektronischen Geldbörsen („Wallets“) seiner Kunden auf besondere Art und Weise geschützt – nur er kannte die Zugangsschlüssel. Das einzige Problem: Cotton ist vor Kurzem verstorben, weshalb 115.000 Kunden nun nicht mehr an ihre virtuellen Einlagen kommen. Das berichtet zumindest die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Infrage steht eine Summe von 190 Millionen kanadischen Dollar (145 Millionen US-Dollar), die bei Quadriga in verschiedenen Kryptowährungen geparkt waren, darunter Bitcoin, Litecoin und Ethereum. Hinzu kommt ein Betrag von 70 Millionen kanadischen Dollar in Bar.

Wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht, die das in Vancouver registrierte Start-up am 31. Januar eingereicht hat, hat Quadriga laut eigenen Angaben keinen Zugriff mehr auf das Millionenvermögen, seit Firmenchef Gerald Cotton am 9. Dezember in Indien an den Folgen einer Morbus-Crohn-Erkrankung verstorben ist. Cotton wurde demnach nur 30 Jahre alt.

Sein vor fünf Jahren gegründetes Unternehmen führte Cotton als Alleinherrscher, glaubt man seiner Witwe Jennifer Robertson. Der Laptop, die E-Mail-Adressen und das Nachrichtensystem von Quadriga waren verschlüsselt; Cotton habe die alleinige Verantwortung für den Umgang mit den Dollar- und Coin-Vermögen der Kunden übernommen. Um sicher vor Hackern zu sein, habe er die Mehrheit der digitalen Münzen in einen sogenannten „Cold Wallet“-Speicher transferiert, also eine digitale Geldbörse, die nicht mit dem Internet verbunden ist.

Auf den ersten Blick wirken diese Sicherungsmaßnahmen verständlich. In der Vergangenheit haben zahlreiche Hackerangriffe auf Kryptobörsen die Anleger verunsichert. 2018 wurden mindestens fünf Großangriffe bekannt. Beim japanischen Anbieter Coincheck wurden im Januar 2018 fast 500 Millionen Dollar an Coins entwendet.

Die Website von Quadriga besteht nur noch aus einer dürren Mitteilung, laut der die Firma um Gläubigerschutz ersucht hat. Die in Kanada lebende Witwe des Firmengründer sagte aus, dass sie weder Passwörter noch Geschäftsunterlagen finden könne. Versuche, die Computer und Mobiltelefone ihres Mannes zu hacken, hätten nur „begrenzten Erfolg“ gehabt. Für Aufklärung muss nun das Gericht in Halifax sorgen.

Innerhalb der Kryptowelt blühen bereits die Spekulationen. Auf der Plattform „Reddit“ fragen Nutzer, ob es sich bei dem Vorgang nicht um einen gigantischen Betrugsfall handeln könnte. Einige vermuten, der Gründer könnte noch am Leben sein. Andere bezweifeln, dass nicht doch weitere Firmenmitarbeiter Zugriff auf die Konten haben.

Kryptoexperte Christoph Bergmann, Autor von „Bitcoin – Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes“, kennt den kanadischen Fall. Für eine abschließende Bewertung sei es noch zu früh, aber die Geschichte weise einige Ungereimtheiten auf, sagt er. „Blockchain-Analysten haben bei Durchsicht der Quadriga-Konten keine Hinweise auf das Vorhandensein eines Cold Wallet entdeckt. Und einige Coins wurden nach dem angeblichen Tod des Gründers offenbar noch bewegt.“

Dass die Gelder nun unbemerkt verschoben werden können, glaubt Bergmann nicht. „Die Blockchain ist transparent. Ab einer gewissen Größe kann Vermögen nicht einfach verschwinden.“ Klar sei aber: „Wenn die Schlüssel zu den Konten nicht wiedergefunden werden, kann es tatsächlich sein, dass das Kundenvermögen verloren ist.“

„Wer seine Coins auf einer Börse herumliegen lässt, muss dem Anbieter absolut vertrauen. Ist das Vermögen nicht versichert, bleibt immer ein Risikofaktor“, mahnt Bergmann. Nur wenige Börsen, darunter Bitcoin.de, beauftragen Wirtschaftsprüfer mit der externen Verifizierung der Wallets.

Vorsichtige Anleger sollten sich daher gut informieren – und selbst aktiv werden: „Am sichersten ist es immer noch, den Schlüssel zur Wallet auszudrucken und in einem Tresor aufzubewahren.“ Für die Generierung empfehle sich ein nur selten mit dem Internet verbundener Computer, um so vor Hackern gefeit zu sein.

Außerhalb Kanadas lässt der Fall Quadriga die Krypto-Anleger kalt. Die bekannteste Währung Bitcoin notiert derzeit bei über 3.460 Dollar und damit ein halbes Prozent im Plus. Die anderen großen Währungen bewegen sich nur geringfügig. „In der aktuell herrschenden Krypto-Eiszeit können vereinzelte negative als auch positive Nachrichten für kein Tauwetter sorgen“, kommentiert Marktanalyst Timo Emden von Emden Research.

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