Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Digitale Revolution

Trends des MWC Wie die Smartphone-Hersteller wieder überraschen wollen

Weg von der Rechteck-Form: Auf der Mobilfunkmesse MWC wollen sich die Smartphone-Hersteller mit faltbaren Displays und Mehrfachkameras vom Einerlei abheben.
Kommentieren
Das Smartphone Sony Xperia 1 hat eine Dreifachkamera mit verschiedenen Brennweiten, zwischen denen Nutzer hin- und herschalten können. Quelle: AP
Sony

Das Smartphone Sony Xperia 1 hat eine Dreifachkamera mit verschiedenen Brennweiten, zwischen denen Nutzer hin- und herschalten können.

(Foto: AP)

Barcelona Für Richard Yu ist es ein dankbares Thema. Als er das Smartphone auffaltet und hochhält, hallt ein beeindrucktes Raunen durch das Publikum im abgedunkelten Saal. Der Chef der Verbrauchersparte von Huawei kann sich auf die Technik konzentrieren und muss sich nicht zu den leidigen Spionagevorwürfen äußern. Das ist für das chinesische Unternehmen in der derzeitigen politischen Situation eine seltene Gelegenheit.

Yu zeigt auf dem Mobile World Congress in Barcelona ein Gerät, das in der Tat aufsehenerregend ist: Aus einem Smartphone wird mit einem Handgriff ein Tablet mit quadratischem Bildschirm. Nutzer sollen auf dem größeren Bildschirm besser Videos ansehen oder mehrere Apps gleichzeitig laufen lassen können. Ähnlich, wie es Samsung einige Tage vor der Leitmesse der Mobilfunkbranche bereits beim Galaxy Fold vorgestellt hat.

Dabei handelt es sich nicht nur um ein Gimmick. Smartphones sehen sich heutzutage sehr ähnlich – sie alle sind mehr oder weniger handliche Rechtecke mit einem Touchscreen an der Vorder- und einer Kamera an der Rückseite. Die Hersteller können sich mit Ausstattungsdetails wie Rechenleistung, Speicherkapazität und Bildschirmauflösung inzwischen kaum noch unterscheiden.

Daher arbeiten sie an Funktionen, die einen sichtbaren Unterschied machen. Mit flexiblen Bildschirmen lassen sich Smartphones beispielsweise auf das Format eines Tablets vergrößern, wie derzeit auf dem MWC zu beobachten ist. Auch Kameras mit mehreren Linsen und der neue Übertragungsstandard 5G sollen dafür sorgen, dass sich die Geräte bei der Benutzung spürbar anders anfühlen. Die wichtigsten Trends der Messe im Überblick.

Flexible Displays: Neuer Dreh fürs Design

Samsung und Huawei setzen mit den faltbaren Smartphones, die in diesem Jahr auf den Markt kommen sollen, einen Trend. Auch Unternehmen wie TCL und Oppo zeigen auf der Messe Prototypen mit flexiblen Displays. Das Bestreben ist verständlich: Mit neuen Konzepten können sich die Hersteller vom Design-Einerlei abheben, das ein Grund für die Stagnation des Smartphone-Marktes ist.

Die neuen Modelle sind auf dem Mobile World Congress Publikumsmagneten – Kassenschlager dürften sie angesichts der hohen Preise indes so schnell nicht werden. Als Huawei erklärte, dass das Mate X rund 2200 US-Dollar kosten soll, atmeten viele im Publikum erschrocken aus. Damit kostet das Modell doppelt so viel wie viele Spitzen-Smartphones, es ist sogar noch teurer als das Galaxy Fold von Samsung.

„2019 ist nicht das Jahr, in dem faltbare Smartphones zum Mainstream werden“, urteilt daher das Marktforschungsunternehmen Canalys, „sie bleiben exklusive Luxusgeräte“. Der Absatz werde bei weniger als zwei Millionen Stück liegen. Der Analyst Ben Stanton erwartet erst für die nächsten Jahre sinkende Preise, wenn die Stückzahlen steigen.

Ein Erfolg sei nicht garantiert. „Die Hersteller müssen sicherstellen, dass die Geräte eine exzellente Qualität und Haltbarkeit haben“, betont Stanton. Komme es zu Problemen – etwa am anspruchsvollen Klappmechanismus – könne das den Käufer die Lust auf solche Geräte gleich verderben.

5G: Überall schnell

Ordnungsliebende Nutzer können mit dem Notebook jederzeit und überall auf ihre Fotos und Dokumente zugreifen. Enthusiastische Eltern übertragen das Fußballspiel der Tochter mit dem Smartphone live ins Wohnzimmer der Großeltern. Und mit einer Virtual-Reality-Brille versetzen sich Computerspieler auch unterwegs in virtuelle Welten.

Geht es nach Enrico Salvatori, dem Europachef des Chipherstellers Qualcomm, sind solche Szenarien bald Alltag. Der neue Mobilfunkstandard 5G soll es ermöglichen, unterwegs große Datenmengen zu übertragen, schnell und ohne Verzögerung. Für Salvatori ist das ein wichtiges Geschäft: Sein Unternehmen verkauft die Komponenten, um Elektronikgeräte mit den Netzwerken der neuen Generation zu verbinden.

Auf dem Mobile World Congress stellen praktisch alle Smartphone-Hersteller neue Geräte mit 5G-Funktion vor – wenn keine Serienmodelle, dann zumindest Prototypen. In den nächsten Monaten werden viele Modelle in den Geschäften und Online-Shops in den Verkauf gehen. Auch andere Gerätegattungen sollen vom Datenturbo profitieren: HTC bringt zum Beispiel einen Hotspot auf den Markt, der mehrere Geräte mit zuverlässigen Verbindungen versorgt, Lenovo ein Notebook, das damit stets online ist.

Die genauen Verkaufsdaten sind noch nicht bekannt. Das hat einen guten Grund: Die Mobilfunkbranche ist gerade erst dabei, die Technik zu installieren. Die kommerzielle Einführung beginnt zwar in diesem Jahr, der Aufbau der Infrastruktur ist allerdings aufwendig und dürfte sich über viele Jahre hinziehen: Die Netzbetreiber müssen tausende Basisstationen bauen oder aufrüsten. In Deutschland hat die Bundesnetzagentur noch nicht einmal die nötigen Frequenzen versteigert.

Für die Branche ist trotzdem wichtig, dass es die Geräte gibt. Das zeigt die Erfahrung mit der vierten Mobilfunkgeneration LTE: „Als LTE in Europa 2010 eingeführt wurde, konnte man keine Smartphones kaufen“, erinnert sich John Delaney, Analyst beim Marktforscher IDC. Die seien erst zwei Jahre später auf den Markt gekommen – und führten dazu, dass die teuren Netze endlich genutzt wurden.

Dieses Mal sei die Mobilfunkbranche besser gerüstet, sagt Salvatori: „In der Industrie sind sehr viele Akteure aktiv, das ist eine Voraussetzung für eine schnelle Verbreitung.“ Sie stellen Smartphones her, rüsten die Netze aus – oder arbeiten an neuen Anwendungen, für die die Nutzer gerne Geld ausgeben.

Allerdings müssen die Unternehmen noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Zahlungsbereitschaft ist bislang überschaubar: Einer Studie des IT-Verbands Bitkom zufolge würden Smartphone-Nutzer für die neue Technologie nur im Schnitt fünf Euro zusätzlich zahlen. So lange 5G so wirkt wie schnelleres 4G wird sich das auch kaum ändern. Einen Schub erwartet IDC-Analyst Delaney jedoch erst ab 2021: Die Entwicklung dauert eben.

Kameras: Mehr ist besser

Ein Schritt zur Seite, zwei zurück: Es ist gar nicht so einfach, mit dem Smartphone eine Gruppe zu fotografieren. Geht es nach Xiaomi, soll es künftig einfacher werden, einen Schnappschuss zu machen. Der chinesische Hersteller stattet sein Modell Mi 9 mit drei Kameras aus – auch ein Weitwinkelobjektiv und ein Telezoom sind darunter.

Das Prinzip: Die Kameras lösen mit unterschiedlichen Einstellungen gleichzeitig aus, etwa Brennweiten und Blenden. Die Software fügt diese Daten zu einem Bild zusammen. Dieses Verfahren ermöglicht es, mehr Details aufzunehmen, mehr Kontraste darzustellen oder die Qualität bei schlechten Lichtverhältnissen zu verbessern.

Xiaomi ist nicht der einzige Hersteller, der auf dieses Prinzip setzt: Zahlreiche Smartphone-Hersteller statten ihre Spitzenmodelle inzwischen mit mehreren Kameras aus. Das Huawei P20 Pro verfügt beispielsweise über drei Linsen, ebenso das neue Galaxy S10 von Samsung, das iPhone XS Max hat zwei. Und HMD Global hat mit dem Nokia Pureview 9 ein Gerät angekündigt, das gar fünf Linsen hat.

„Durch die schmale Bauweise gibt es bei Smartphones Limitierungen“, sagt Damjan Stamcar, Produktmanager bei Sony Mobile. So bietet das Gehäuse weniger Platz für die Optik. Die Kombination aus Hardware und Software könne viele Nachteile ausgleichen, sagt der Fotoexperte.

Der japanische Konzern, der bei Fotochips führend ist, baut in das neue Xperia 1 selbst eine Dreifachkamera mit verschiedenen Brennweiten ein, zwischen denen Nutzer hin- und herschalten können. Und der Bokeh-Modus lässt den Hintergrund von Porträts verschwimmen.

Die intelligente Nachbearbeitung wird als „Computational Photography“ bezeichnet. Das Konzept ist nicht neu. Wegen der hohen Anforderungen an den Prozessor und des hohen Stromverbrauchs eignete es sich aber zunächst nicht für Smartphones – das ist heute anders.

Dank dieses Trends wird das Start-up Light zu einem heimlichen Star der Messe. Es hat ein Gerät mit 16 Linsen herausgebracht, das unter anderem einen fünffachen optischen Zoom ermöglicht – trotz eines kompakten Gehäuses. Mit einem Preis von rund 2000 Euro eignet es sich allerdings nicht für den Massenmarkt.

Über Partnerschaften mit Smartphone-Herstellern soll die Technologie allerdings in günstigeren Geräten zum Einsatz kommen. In Barcelona kündigten HMD Global, Sony und Xiaomi an, mit dem Unternehmen aus Kalifornien zusammenzuarbeiten.

So will die Telekom 5G etablieren

Startseite

Mehr zu: Trends des MWC - Wie die Smartphone-Hersteller wieder überraschen wollen

0 Kommentare zu "Trends des MWC: Wie die Smartphone-Hersteller wieder überraschen wollen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote