Abholzung und illegale Fischerei Steueroasen begünstigen Ausbeutung der Natur

Die Panama Papers haben Schlupflöcher und brisante Geschäfte in Steuerparadiesen aufgedeckt. Doch die Oasen bergen nicht nur wirtschaftliche Gefahren.
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Steuerparadiese im Ausland fördern die Ausbeutung der Natur. Quelle: dpa
Abholzung im Regenwald

Steuerparadiese im Ausland fördern die Ausbeutung der Natur.

(Foto: dpa)

StockholmSteuerparadiese im Ausland erleichtern die Ausbeutung der Natur. Laut einer aktuellen Untersuchung fahren 70 Prozent aller bekannten Schiffe, die in illegale und unregulierte Fischerei verstrickt sind, unter der Flagge einer Steueroase. Auch die Abholzung des brasilianischen Regenwalds werde allem Anschein nach durch Geld aus Steuerparadiesen begünstigt, schreiben schwedische Forscher im Magazin Nature Ecology and Evolution.

Die sogenannten Steuerparadiese sind Staaten oder Gebiete, die keine oder besonders niedrige Steuern auf Einkommen und Vermögen erheben und dabei hohe Diskretion versprechen. Das macht sie nicht nur als Unternehmenssitze attraktiv, sondern auch für Geldwäsche und Steuervermeidung interessant. Nach den Enthüllungen der sogenannten Panama Papers über umstrittene Geschäfte mit Briefkastenfirmen haben die führenden Wirtschaftsnationen (G20) ihre Bemühungen verstärkt, Steueroasen weltweit trockenzulegen.

„Unsere Analyse zeigt, dass die Nutzung von Steueroasen nicht nur ein gesellschaftspolitisches und wirtschaftliches, sondern auch ein umweltpolitisches Problem ist“, erläutert Victor Galaz von der Universität Stockholm, Erstautor der jetzt erschienen Studie. Die Existenz von Steueroasen beeinträchtige eine nachhaltige Bewirtschaftung der Ozeane und des Amazonas-Regenwaldes.

Diese Politiker stehen auf der Bahamas-Liste
Bahamas
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Die Bahamas gelten seit Jahrzehnten als Steuerparadies und sind bekannt für ihre Banken, die Geldwäsche betreiben. Denn auf den Inseln im Atlantik gibt es weder eine Kapitalertrags- noch eine Vermögenssteuer. Erst im Frühjahr hat die "Süddeutsche Zeitung" die Panama Papers veröffentlicht. Aus den Dokumenten geht hervor, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen hielten. Der Betrieb einer Briefkastenfirma ist nicht illegal, sie kann aber für Steuerflucht missbraucht werden. Nun hat das Blatt erneut vertrauliche Dokumente erhalten. Ein Überblick über internationale Politiker, die in der Bahamas-Liste auftauchen.

Neelie Kroes
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Den Bahamas-Leaks zufolge soll die frühere EU-Kommissarin Neelie Kroes von 2000 bis 2009 die Direktorin einer Briefkastenfirma namens Mint Holdings Limited gewesen sein. Die 75-Jährige war von 2004 bis 2010 EU-Kommissarin für Wettbewerb, anschließend vier Jahr lang Kommissarin für die Digitale Agenda. Kroes habe gegen den Verhaltenskodex der EU-Kommission verstoßen, weil deren Mitgliedern jegliche Nebentätigkeit verboten sei, schreibt die Zeitung. Kroes habe auf Anfrage von einem „Versehen“ gesprochen, sie übernehme die „volle Verantwortung“.

Amber Rudd
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De britische Innenministerin Amber Rudd - sie ist seit Juli dieses Jahres im Amt - soll zwischen 1998 und 2000 Direktorin von zwei Briefkastenfirmen gewesen sein: der Advanced Asset Allocation Fund Limited und der Advanced Asset Allocation Management Ltd. Ihr Sprecher sagte dem Guardian: „Es ist öffentlich bekannt, dass Amber in der Wirtschaft tätig war, bevor sie in die Politik ging.“

William Francis Morneau
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Nach den Panama Papers hat der kanadische Finanzminister angekündigt, dass Kanada gegen internationale Steueroasen kämpfen werde: William Francis „Bill“ Morneau. Der Minister taucht nun in den Dokumenten der Bahamas-Leaks als Direktor einer Filiale seines Unternehmens Morneau Shepell auf. Der Politiker sagte aus, dass die Firma tatsächliche Beratungsleistungen erbringe und er seinen Direktorenposten vor seinem Amt aufgegeben habe – das Geschäft sei dort „komplett legitim“.

Batbold Sukhbaatar
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Den Dokumenten der Bahamas-Leaks zufolge war der ehemalige mongolische Premierminister Batbold Sukhbaatar von 1997 bis 2000 Direktor einer Firma namens Boroo Mongolia Mining Corporation Limited. Diese Briefkastenfirma sei nach seinen Aussagen „total transparent“ gewesen und nach mongolischem Recht gegründet worden.

Manuel Domingos Vicente
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Der Name des angolanischen Vizepräsidenten Manuel Domingos Vicente wird in den Dokumenten mit 15 Offshore-Firmen auf den Bahamas in Verbindung gebracht. Bisher hat er sich zu den Bahamas-Leaks nicht geäußert.

Hamad bin Jassim bin Jaber Al-Thani
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In den Bahamas-Leaks erscheint er als Direktor einer Firma namens Trick One Management Limited: Der katarische Ex-Premier und ehemalige Außenminister Hamad bin Jassim bin Jaber Al-Thani. Die Firma ist bereits aus den Panama Papers bekannt – dazu geäußert hat sich der ehemalige Politiker bisher aber noch nicht.

Nach Ansicht der Wissenschaftler werden Steuerparadiese wie Belize und Panama unter anderem genutzt, um illegale oder unregulierte Fischerei zu verschleiern. In vielen Ländern würden Schiffe nicht gemeldet, die internationale Gesetze brächen. So könnten sie unter doppelter Identität fahren: Mit einer werde legal gefischt, mit der anderen illegal. Während 70 Prozent der in illegale und unregulierte Fischerei verstrickten Schiffe unter der Flagge von Steueroasen fahren, sind es der Studie zufolge nur 4 Prozent aller registrierten Fischereischiffe.

In einer weiteren Untersuchung deckten die Wissenschaftler auf, dass die neun größten Unternehmen in der brasilianischen Soja- und Fleischindustrie zwischen den Jahren 2000 und 2011 im Schnitt mehr als zwei Drittel ihrer ausländischen Direktinvestitionen über Steueroasen bekamen. Unter anderem mit Daten der brasilianischen Zentralbank verfolgten sie, dass von dort 18,4 Milliarden US-Dollar an die Firmen flossen, zu großen Teilen über die Kaimaninseln und die Bahamas.

Die Empfängerunternehmen seien maßgeblich verantwortlich für die Abholzung des Regenwalds, der das Klimasystem der Erde stabilisiere. Die Unternehmen gingen dabei unterschiedlich vor: Sie schichteten Gewinne über Tochtergesellschaften in Ländern mit geringem Steuersatz um oder finanzierten Tätigkeiten in Ländern mit hohen Steuern durch Kredite der Tochtergesellschaft im Steuerparadies.

  • dpa
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