Arktischer Rat wird 20 Jahre alt Ein zahnloser Tiger mit guten Absichten

Klimawandel, Bodenschätze, Tourismus – die Arktis ist weit mehr als eine riesige Eiswüste. Zum Schutz vor Umwelteinflüssen gründeten Anrainerstaaten vor 20 Jahren den Arktischen Rat. Der hat viel zu tun.
Erst vor wenigen Tagen ist in Grönland eine 95 Quadratmeter große Eisscholle vom Gletscher gebrochen. Quelle: picture-alliance/ dpa
Grönland

Erst vor wenigen Tagen ist in Grönland eine 95 Quadratmeter große Eisscholle vom Gletscher gebrochen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

TromsøDie Nachricht ist erst ein paar Tage alt: In Grönland ist eine 95 Quadratkilometer große Eisscholle vom Gletscher gebrochen – das entspricht der Größe von Manhattan. Schuld daran ist die Wärme. Noch nie wurden auf Grönland so hohe Durchschnittstemperaturen gemessen wie in diesem Sommer.

Im norwegischen Tromsø, dem Sitz des Arktischen Rates, graben solche Nachrichten nur noch größere Sorgenfalten in die Gesichter der Mitarbeiter. Als die acht Anrainerstaaten Dänemark, Finnland, Island, Kanada, Norwegen, Russland, Schweden und die USA gemeinsam mit Vertretern der indigenen Völker den Rat am Montag (19. September) vor 20 Jahren im kanadischen Ottawa gründeten, waren der Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Arktis die wichtigsten Ziele. Heute muss man einsehen: Wir schaffen das nicht allein.

Denn die Liste der Erfolge aus den vergangenen 20 Jahren liest sich eher nüchtern: „Der Arktische Rat hat dazu beigetragen, die Arktis als eine Zone von Frieden und Stabilität zu erhalten“, heißt es auf seiner Internetseite. In Arbeitsgruppen wurden jede Menge Studien zu Arktis-Themen ausgearbeitet: Klimawandel, Schifffahrt, Tourismus, Seerettung, Ölverschmutzung, Flora und Fauna. Zu verbindlichen Vereinbarungen kam es aber nur in den Bereichen Suche und Rettung in der Arktis (2011) sowie Vorbereitung auf Fälle von Ölverschmutzung (2013).

Experten erwarten Rekord-Eisschwund in der Arktis
Arktisches Meereis
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Wissenschaftler befürchten in diesem Sommer eine neue Rekordschmelze des Meereises in der Arktis. Die Auswertung von Satellitendaten habe gezeigt, dass das Eis schon im Sommer 2015 ausgesprochen dünn gewesen sei, teilten Meereisphysiker vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) am Donnerstag mit. Im letzten Winter habe sich zudem besonders wenig neues Eis gebildet.

Arktisches Meereis
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Wie viel Meereis in den Sommermonaten in der Arktis schmilzt, hängt von den Windverhältnissen sowie den Luft- und Wassertemperaturen ab. Die Grundlagen werden aber im Winter davor gelegt.

Arktisches Eisfeld
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Der besonders warme Winter in der Arktis hat dazu geführt, dass sich in vielen Gebieten nur sehr langsam neues Meereis gebildet hat. Das Eis ist in diesem Frühjahr so dünn wie im Negativrekordjahr 2012.

AWI-Forscher bei der Probennahme
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Für die Prognose hatten die AWI-Wissenschaftler um den Meereisforscher Marcel Nicolaus die Satellitendaten zur Meereisdecke aus den vergangenen fünf Wintern ausgewertet.

Schneeboje auf dem arktischen Meereis
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Wichtige Informationen lieferten auch sieben Schneebojen auf Eisschollen, die die Höhe der Schneedecke, die Lufttemperatur und den Luftdruck aufzeichnen.

Wichtiger Klimafaktor
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Das Arktis-Eis beeinflusst das Klima der Erde, weil es Sonnenlicht und Hitze reflektiert, die ansonsten das Wasser aufnehmen würde. So bleibt die Nordhalbkugel kühler.

Zusammenhang mit dem Klimawandel
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Forschern zufolge schrumpft das Eis seit Jahrzehnten. „Das hängt ganz klar mit dem Klimawandel zusammen“, so Nicolaus im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Diese Abkommen hätten den Rat „institutionell wie substanziell aufgewertet“, sagt die Wissenschaftlerin Kathrin Keil, die die Arktis-Forschung am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam leitet. „Der Arktische Rat hat sich mittlerweile von einem Diskussionsforum zu einem Politikgestalter in der Arktis entwickelt.“

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Rat hat viel zu tun – aber keine Druckmittel
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