Artenschutz Hawaii streitet über tödlichen Katzenkot

Auf den Hawaii-Inseln gibt es Hunderttausende streunende Katzen. Forscher sagen, dass ihr Kot den stark bedrohten Hawaii-Mönchsrobben den Tod bringen kann. Darf man eine Tierart verfolgen, um eine andere zu retten?
Streuende Katzen haben auf Hawaii keine natürlichen Feinde und konnten sich so massenhaft im gesamten Staat ausbreiten. Quelle: AP
Hawaii hat ein Katzenproblem

Streuende Katzen haben auf Hawaii keine natürlichen Feinde und konnten sich so massenhaft im gesamten Staat ausbreiten.

(Foto: AP)

HonoluluTierschützer im US-Staat Hawaii liegen sich in den Haaren – weil sie verschieden Tierarten schützen wollen. Den Streitpunkt bildet potenziell tödlicher Katzenkot, der von streunenden Miezen produziert wird. Wissenschaftler glauben, dass die Hinterlassenschaften der Heerscharen wildlebender Katzen auf der pazifischen Inselgruppe eine Krankheit verbreiten, die für Hawaii-Mönchsrobben tödlich verlaufen kann. Die Robben zählen zu den am stärksten bedrohten Säugetierarten auf der Welt.

Daher sind manche Tierschützer dafür, die Katzen, die keiner will, zu vernichten – was nun wiederum Katzenliebhaber auf die Barrikaden bringt. „Es ist eine sehr schwierige emotionale Frage“, sagt Staatssenator Mike Gabbard. Er leitet einen Ausschuss, der sich dieses Jahr mit einem Gesetzesvorstoß befasst hat, mit dem das Füttern streunender Katzen auf Land in staatlichem Besitz verboten werden sollte. Nach einem Aufschrei der Empörung wurde die Vorlage fallengelassen.

Mit Gift-Hunden gegen Eindringlinge
Salzwasserkrokodil in Australien
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Eigentlich ist Australien ein Paradies für alle möglichen Wildtierarten, vom Krokodil bis zum Koala. Probleme bereiten allerdings jene Arten, die nicht natürlich auf dem fünften Kontinent vorkommen, sondern von Siedlern eingeschleppt oder bewusst eingeführt wurden. Solche Arten zerstören oftmals die Natur oder bringen sie aus dem Gleichgewicht, weil sie keine natürlichen Feinde haben. Das Land greift deshalb zu drastischen Maßnahmen, um die Eindringlinge zu bekämpfen.

Gifthunde gegen Ziegen
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Australien hetzt mit Giftkapseln präparierte Wildhunde auf wilde Ziegen, die eine kleine Insel am Great Barrier Reef zertrampeln und kahl fressen. Die kastrierten Dingos sollen die rund 300 vermehrungsfreudigen Ziegen jagen. Sie selbst sterben nach etwa zwei Jahren, wenn das Gift aus den implantierten Kapseln freigesetzt wird.

Kugeln gegen Katzen
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Katzen gelten in Australien nur als süß, wenn sie im Haus gehalten werden. Wildkatzen werden dagegen für eine ökologische Katastrophe verantwortlich gemacht. Sie töten pro Nacht 75 Millionen Tiere, sagt die Tierschutzorganisation Australien Wildlife Conservancy. Die Katzen haben nach Angaben des Umweltministeriums schon 100 nur in Australien vorkommende Arten gefährlich dezimiert, darunter Vögel, Frösche, Grashüpfer, Schildkröten, Käfer und Krustentiere. Zwei Millionen Katzen sollen bis 2020 getötet werden - durch Giftköder, aber vor allem durch Gewehrkugeln.

Viren gegen Karpfen
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Die Fressgewohnheiten der von Europäern eingeschleppten und sich rasant vermehrenden Karpfen bedrohen Australiens Gewässer. Die Fische wirbeln Sedimente am Boden auf und verhindern so, das Licht für die Pflanzen bis zum Flussboden durchdringt. Die Sedimente begraben Fischeier und verstopfen die Kiemen anderer Fische. Jetzt soll ein Herpes-Virus die Zahl der Karpfen dezimieren. Das Virus, das keine anderen Fischarten angreift, soll in den Flüssen Murray und Darling in den nächsten 30 Jahren 95 Prozent der Karpfen tötem.

(Foto: dpa)

Bulldozer gegen Kaninchen
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Die Langohren zerstören Weiden, verursachen Erosion und fressen einheimischen Arten das Futter weg. Das Agrarministerium in Victoria empfiehlt Bauern, Kaninchen in ihrem Bau einfach platt zu machen. Die Tiere müssten zunächst mit viel Krach erst verängstigt in ihren Bau getrieben werden. Dann müsse großes Gerät aufgefahren werden: Bulldozer, Schaufelbagger oder Erntemaschinen.

Käfer gegen Mimosen
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Auch Pflanzen stehen auf der Abschussliste. Für Biologen ist Mimosa pigra Unkraut. Die Mimosenart wächst in Windeseile zu dickem dornenreichen Gestrüpp. Winzige Flohkäfer, nach ihrem lateinischen Namen Nesaecrepida infuscata zärtlich Nessie genannt, sollen es nun richten. Sie fressen die Mimosen, verhindern die rasante Verbreitung, schwächen die Pflanzen und machen sie anfällig für Krankheiten. (Foto: Wie146/CC BY-SA 3.0)

Kröten gegen Käfer
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Das ist vor 80 Jahren gründlich schiefgegangen. Bauern holten Aga-Kröten ins Land, um gefräßige Stockkäfer in Zuckerrohrfeldern einzudämmen. Die Riesenkröten mit den Giftdrüsen haben sich aber auf verheerende Art breitgemacht und dezimieren Vögel, Eidechsen, Schlangen und selbst Beutelmarder und Warane. (Foto: dpa)

Das Problem ist ein Parasit, der in Katzen vorkommt und Toxoplasmose auslösen kann – eine Krankheit, die nach Angaben der für die Ozeane zuständigen Behörde NOAA seit 2001 mindestens fünf weibliche und drei männliche Hawaii-Mönchsrobben getötet hat.

„Acht Robben – das klingt vielleicht nicht nach viel“, sagt Michelle Barbieri, die an einem NOAA-Forschungsprogramm über diese bedrohte Tierart beteiligt ist. „Aber die Auswirkungen sind ziemlich groß, wenn man bedenkt, dass es derzeit nur 1300 solcher Robben gibt.“

Katzen haben auf Hawaii keine Fressfeinde

Wissenschaftler glauben, dass die Tiere durch das Trinken von verseuchtem Wasser oder das Fressen von infizierter Beute erkranken. Streuende Katzen haben auf Hawaii keine natürlichen Feinde und konnten sich so massenhaft im gesamten Staat ausbreiten. Allein auf Oahu leben nach Schätzungen aus dem Jahr 2015 etwa 300.000 in freier Wildbahn.

Katzen sind die einzigen Tiere, die Eier mit dem Parasiten Toxoplasma gondii ausscheiden können. Die Schädlinge gelangen durch infizierte Beute in ihren Verdauungstrakt, vermehren sich im Dünndarm und produzieren Eier. Diese werden im Kot ausgeschieden, der dann in den Ozean gespült wird und sich dort in wirbellosen Tieren ansammelt, wie Wissenschaftler berichten. Die Eier können in Frisch- und Salzwasser sowie im Boden bis zu zwei Jahre lang überleben und jedes warmblütige Tier infizieren.

So sind auch kalifornische Seeottern durch Toxoplasmose gestorben, und der Parasit ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Hawaiikrähe, in der einheimischen Sprache Alala genannt, in der freien Natur ausgestorben ist. Für Menschen mit gesundem Immunsystem ist Toxoplasmose selten problematisch, aber Ärzte warnen schwangere Frauen vor dem Umgang mit Katzenstreu.

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Hawaiis sensibles Ökosystem ist besonders gefährdet
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