Artenschutz in El Salvador Sicherer Hafen für die Gärtner der Meere

El Salvador bietet an seinen Küsten bedrohten Meeresschildkörten eine sichere Zuflucht. Das fördert nicht nur den Artenschutz, sondern auch die Wirtschaft des mittelamerikanischen Landes.
Meeresschildkröten helfen dabei, das ökologische Gleichgewicht unter Wasser aufrechtzuerhalten. Quelle: dpa
Nützliche Meeresbewohner

Meeresschildkröten helfen dabei, das ökologische Gleichgewicht unter Wasser aufrechtzuerhalten.

(Foto: dpa)

San SalvadorFür Meeresschildkröten scheint die 330 Kilometer lange Küste von El Salvador heute das Paradies auf Erden zu sein. Immerhin vier der sieben bekannten Arten nisten in der Region. Der mittelamerikanische Staat ist damit eines der wichtigsten Länder weltweit, wenn es um den Schutz der bedrohten Reptilien geht.

Das war nicht immer so: Lange Zeit jagten Wilderer die Panzertiere. Sie hatten es vor allem auf die Eier und das Fleisch abgesehen, beides gilt bei vielen Menschen als Delikatesse. Auch die Panzer selbst sind beliebt und werden zu Schmuck und anderen Accessoires weiterverarbeitet.

Höllische Hühner und Kornkreise im Meer
Kornkreise im Meer: Torquigener albomaculosus (Japan)
1 von 10

Auch der Meeresboden hat seine Kornkreise. Runde Formen, etwa zwei Meter breit, haben Wissenschaftler bislang vor ein Rätsel gestellt. Jetzt kennen sie den Verursacher: Ein bislang unbekannter Fisch namens ...

Kornkreise im Meer: Torquigener albomaculosus (Japan)
2 von 10

... Torquigener albomaculosus. Die Männchen dieser Art graben die kornkreisförmigen Nester, um Weibchen zu beeindrucken. Die hohen Ränder sollen die Eier schützen.

Koralle am Berghang: Balanophora coralliformis (Philippinen)
3 von 10

Auch wenn ihr Aussehen an eine Koralle erinnert, Balanophora coralliformis ist kein Nesseltier, sondern eine Pflanze. Und sie lebt auch nicht unter Wasser. Trotzdem war sie lange dem Blick der Forscher verborgen. Denn es gibt nur wenige (gezählt wurden etwa 50) und die nur in Höhen zwischen 1500 und 1700 Metern an einem Berghang auf der philippinischen Insel Luzon.

Mysteriöser Tiefseebewohner: Dendrogramma enigmatica (Australien)
4 von 10

Das Tier ist gerade einmal einen Zentimeter groß und lebt in 1000 Meter Tiefe vor der Küste Australiens. Der Winzling, der wie ein Pilz aussieht, stellt die Wissenschaft vor ein Rätsel. Ist Dendrogramma enigmatica verwandt mit Quallen oder Korallen? Oder gehört der geheimnisvolle Tiefseebewohner gar einem neuen Stamm an? Wenige Lebewesen lassen so viele Fragen offen wie dieses. (Foto: Wikipedia CC BY 4.0)

Unbekannte Schöne: Phyllodesmium acanthorhinum (Japan)
5 von 10

Vielleicht die schönste der neuen Arten lebt im Meer vor Japan und ist gerade 17 bis 28 Millimeter groß: Phyllodesmium acanthorhinum, eine aufregend gefärbte Schnecke in Rot, Blau, Weiß oder sogar Gold. Die neue Art erlaubt auch einen Einblick in die Lebensweise der Seeschnecken - inklusive ihres komplizierten Verdauungssystems.

Tierischer Zweig: Phryganistria tamdaoensis (Vietnam)
6 von 10

Bei diesem Aussehen ist es kein Wunder, dass Forscher Phryganistria tamdaoensis trotz der Größe von 25 Zentimetern bisher übersehen haben. Das Tier erinnert eher an einen Zweig und ist perfekt getarnt. So gut, dass es unentdeckt blieb, obwohl es im Tam-Dao-Nationalpark in Nordvietnam lebt, einem Lieblingsziel von Naturforschern.

Lebendgebärender Frosch: Limnonectes larvaepartus (Indonesien)
7 von 10

Froschweibchen legen Laich ab, die vom Männchen danach befruchtet werden. Nicht so aber bei Limnonectes larvaepartus. Die Befruchtung findet im Körper statt und das Weibchen bringt Kaulquappen zur Welt. In einem Fall fand eine Geburt sogar in der Hand eines Forschers statt. Die Tiere sind gerade vier Zentimeter groß und leben auf der indonesischen Insel Sulawesi.

Erst 2009 wurde der Handel mit Schildkrötenprodukten in El Salvador strengstens verboten. Das habe nicht nur dazu beigetragen, die Tiere selbst zu retten, sondern auch den Ozean, sagt Jorge Oviedo, Direktor des Fonds für die Initiative der Amerikas (FIAES), der sich auch um Umweltschutzprojekte kümmert.

Meeresschildkröten hielten unter anderem das ökologische Gleichgewicht aufrecht. Sie fressen etwa Algen und Seegras und ermöglichen so kleinen tropischen Fischen, sich in dem sauberen Wasser vermehrt fortzupflanzen, wie Oviedo erklärt.

Auch Quallen stehen bei manchen Arten auf dem Speiseplan, was wiederum die Zahl der gefährlichen Nesseltiere eindämmt. Viele bunte Fische und wenig Quallen: Das lockt Schnorchler und Taucher an, die die Tourismusindustrie ankurbeln. Seit einiger Zeit haben zudem Surfer El Salvador für sich entdeckt. Einen Boom erlebt das für seine hohen Wellen bekannte Gebiet El Tunco.

Das natürliche Gleichgewicht der Meere ist aber auch für die Fischerei im kleinsten Land Zentralamerikas von größter Wichtigkeit. „Es geht ja nicht nur darum, dass Schildkröten nette Tiere sind. Tatsache ist, dass wir durch die Rettung der Schildkröten auch die Fischereiindustrie in unserem Land retten“, erklärt Oviedo. Denn die Reptilien trügen durch ihre eigenen Essgewohnheiten auch zum Überleben vieler Speisefischarten bei.

„Sie halten das Meer sauber und machen damit das Wasser klar“, sagt Oviedo. Liebevoll bezeichnet er die gepanzerten Reptilien als „Gärtner der Meere“. Die Tiere bevölkern seit über 250 Millionen Jahren die Ozeane und legen dabei den Strömungen folgend weite Strecken zurück.

Aus Wilderern werden Tierschützer und Touristenführer
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%