Artenschutz Wenn der Tiger ins Dorf kommt

In den dichter besiedelten Regionen Südasiens kommt es immer wieder zu gefährlichen Begegnungen zwischen Mensch und Wildtier. Regierungen und Aktivisten wollen die potenziell tödlichen Konflikte nun entschärfen.
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Immer wieder stoßen in Südasien Menschen und Wildtiere aufeinander - auch mit tödlichen Folgen. Quelle: dpa
Tiger im indischen Van Vihar National Park

Immer wieder stoßen in Südasien Menschen und Wildtiere aufeinander - auch mit tödlichen Folgen.

(Foto: dpa)

Neu Delhi/KathmanduAls sie den Tiger in ihrem Dorf sahen, griffen die Anwohner zu allem, was sie finden konnten. Mit Stöcken, Kricket-Schlägern und Steinen gingen sie auf die Raubkatze los. Die Situation eskalierte schnell. Das wilde Tier verletzte fünf Anwohner und vier Polizisten, bis die Beamten das Tier schließlich erschossen.

Die Schilderungen der Polizei im südnepalesischen Distrikt Parsa klingen wie eine Szene aus einem indischen Bollywood-Film. Doch zuletzt häuften sich Zusammenstöße zwischen Menschen und wildlebenden Tieren – vor allem in Nepal, aber auch im Nachbarland Indien. Regierungen und Aktivisten wollen nun den Konflikt zwischen Tieren und Menschen entschärfen.

Die Giraffe steht jetzt auf der Roten Liste
Bedrohte Art
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Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat die Giraffe auf ihre Rote Liste der vom Aussterben gefährdeten Arten gesetzt. Ihre Population sei in den vergangenen 30 Jahren um bis zu 40 Prozent gesunken, teilten die Umweltschützer am Donnerstag (8.12.) mit.

Immer weniger Lebensraum
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Wurden 1985 noch rund 163.000 Exemplare gezählt worden, so waren es 2015 nur noch rund 97.000. Das liege vor allem daran, dass die Tiere immer weniger Lebensraum hätten und sie illegal gejagt würden, so die IUCN. Zudem trügen politische Unruhen in den Hauptverbreitungsgebieten der Tiere im Süden und Osten Afrikas zum Schwund der Bestände bei.

Nashorn
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Auch andere Großtiere des afrikanischen Kontinents stehen auf der Roten Liste. So etwa das Nashorn, das auf der Abschussliste von Wilderen weit oben steht, weil seinem Horn fälschlicherweise heilende Wirkung zugeschrieben wird. Sowohl die afrikanischen Breitmaul- und Spitzmaul-Nashörner, als auch die in Asien beheimateten Java-, Panzer- und Sumatra-Nashörner sind akut vom Aussterben bedroht.

Elefant
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Auch für Elefanten stellen Wilderer eine große Gefahr dar. Wegen der hohen Nachfrage nach Elfenbein werden die riesigen Tieren sogar in Nationalparks bejagt. In Afrika gibt es laut einer aktuellen Studie noch etwa 350.000 Tiere, jedes Jahr werden es etwa acht Prozent weniger. Noch dramatischer sieht die Lage für den Asiatischen Elefanten aus, laut der Naturschutzorganisation WWF leben in Asien nur noch zwischen 25.600 und 32.750 Tiere.

Menschenaffen
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Auch die Menschenaffen – Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans – stehen auf der Liste der bedrohten Arten. Weltweit gibt es noch rund 6000 Gorillas. Neben Wilderern bedrohen Infrastrukturprojekte und damit einhergehende Rodungen den Bestand der Tiere. Nach Schätzungen des WWF werden bis zum Jahr 2030 über 90 Prozent des heute noch vorhandenen Gorilla-Lebensraums zerstört sein.

Tiger
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Doch nicht nur Afrika steht im Fokus der Artenschützer. In Indien lebt mehr als die Hälfte der weltweit noch rund 3000 Tiger. Trotz Dutzender Schutzgebiete schwand ihre Zahl von etwa 5000 bis 7000 in den 90er Jahren, als ihr Lebensraum noch mehr als doppelt so groß war. Die Wilderei, getrieben von der Nachfrage nach Tigerteilen in der traditionellen chinesischen Medizin, stellt eine große Gefahr dar, ebenso wie die Abholzung von Wäldern und das Wachstum von Städten. Dadurch kommen die Großkatzen menschlichen Siedlungen immer näher und geraten in Konflikt mit Dorfbewohnern, die Angriffe auf sich selbst oder ihr Vieh fürchten.

Tiger
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Gründe für das Verschwinden des Tigers sind neben Trophäenjagd und organisierter Wilderei der Raubbau am Lebensraum der Tiere: Ihr einstiges Verbreitungsgebiet erstreckte sich vom Kaukasus über Indien und China bis nach Sibirien. Um 1900 gab es schätzungsweise noch 100.000 Tiger in ganz Asien. Mittlerweile haben die freilebenden Tiger noch rund 100.000 Quadratkilometer Lebensraum, wenn man alle Gebiete zusammenrechnet. Das entspricht der Fläche der Insel Neufundland vor der kanadischen Nordküste.

Für besonders große Aufregung sorgten im vergangenen Jahr mehrere Vorfälle, bei denen sich jeweils ein Leopard bis in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu verirrt hatte. Die Polizei jagte die Tiere, stoppte sie mit Hilfe von Betäubungspfeilen und brachte sie anschließend wieder in einen nahe gelegenen Nationalpark.

Weniger glimpflich gingen andere Vorfälle aus. Ob Elefanten, Panzernashörner, Leoparden, Löwen oder eben Tiger – all diesen Tieren fielen im vergangenen Jahr auch Menschen zum Opfer.

Kampf um Flächen

Das Problem für Behörden und Tierschützer: Einerseits gelten all diese Tierarten als teilweise stark gefährdet und sollen möglichst frei umherstreifen und sich vermehren können. Andererseits gibt es immer wieder Vorfälle, in denen sie mit Menschen zusammenstoßen.

Im besten Fall verwüsten sie dann Felder oder reißen Nutztiere. Im schlimmsten Fall sterben dabei auch Menschen.

Michael Zika, Betreuer des Tigerprogramms bei der Naturschutzorganisation WWF, kennt das Problem: „Viele der gefährdeten Wildtiere leben in Südasien. Und dort gibt es auch ein großes Bevölkerungswachstum. Wenn man nicht aufpasst, entsteht daraus ein Kampf um Flächen.“

Oft sind besonders arme Siedler betroffen, die in den Randgebieten der für die Tiere bestimmten Parks und Reservate leben. Oft ohne sich dessen bewusst zu sein, dringen sie zum Beispiel auf der Suche nach Feuerholz in das Revier der Tiere ein. Auf der anderen Seite gibt es nicht überall ausreichende Absperrungen und Warnsysteme, die verhindern, dass die Tiere ihr Revier verlassen.

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Immer mehr Siedlungen im Tigerland
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1 Kommentar zu "Artenschutz: Wenn der Tiger ins Dorf kommt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Herr Alfred E. Neumann - 09.03.2017, 12:35 Uhr

    Liebe Kommentatoren, leider werden wir noch viereinhalb Jahre mit der psychopatologischen Zonenpfaffentochter oder dem Kriminellen Alkoholiker leben müssen.
    Handlungsunfähig werden wir gezwungen zuzuschauen wie dieses großartige Land zugrunde gerichtet wird!"

    @HBO
    das ist sogar unter meinem Niveau.
    Ich bin zwar ein glühender Anhänger von Trump und Putin, und sehe für unser Reich nur die AFD als Rettung, aber das geht wirklich zu weit.
    Bitte Neumann entfernen, der ist ja wohl MAD! Danke

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