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Ausgezeichnete Geschäftsideen Aus Abfallwärme Geld machen

Heinz-Werner Etzkorn und Kai Petersen wollen mit der Abwärme aus chemischen und industriellen Prozessen Gebäude wie Schulen oder Schwimmbäder heizen. Die ungewöhnliche Idee feierte in Dortmund Premiere - und die Gründer von LaTherm konnten zeigen, dass ihre Technik funktioniert.
  • Hans Schürmann
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Mit Hilfe der Wärmespeichern von LaTherm kann die Abwärme von Fabriken gesammelt und transportiert werden. Quelle: dpa

Mit Hilfe der Wärmespeichern von LaTherm kann die Abwärme von Fabriken gesammelt und transportiert werden.

(Foto: dpa)

Auf den Tag genau zwei Jahre haben sich Heinz-Werner Etzkorn und Kai Petersen geduldet. Am Montag war es für die Gründer von LaTherm in Dortmund endlich so weit. Ihre Idee, die Abfallwärme aus der Industrie zu nutzen, wurde Realität. Erstmals brachte einer ihrer Container die Energie, die die Deponiegasanlage in Dortmund-Nordost freigesetzt und damit übrig hat, zum Schwimmbad in Dortmund-Brackel. Dort wurde der Container an das Heizungssystem angeschlossen und versorgt dieses nun mit Wärme.

"Bislang konnten wir für unsere Idee immer nur mit Broschüren und Präsentationen auf dem Computer werben", sagt Etzkorn, der das Geschäftskonzept entwickelt hat. "Jetzt haben wir ein erstes handfestes Projekt, mit dem wir zeigen können, dass unsere Idee funktioniert", sagt der 61-jährige Physiker.

Etzkorn hat es damit geschafft, eine Speichertechnik zu vermarkten, die beim Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) entwickelt wurde. Im Jahr 2006 war sein ehemaliger Kollege vom Battelle-Institut, Rudolf Faymonville, auf ihn zugekommen und hatte ihn darum gebeten.

Die Entwicklung beruht auf einem sogenannten Latentwärmespeicher. Dieser wiederum basiert auf Natriumacetat. Die Funktionsweise ist im Prinzip ganz simpel: Mit der Wärme wird das farblose Salz, das auch zum Pökeln von Fleisch genutzt wird, zum Schmelzen gebracht. Die dabei gespeicherte Energie gibt es später beim Auskristallisieren wieder ab.

Der Effekt wird bereits im Kleinen genutzt: beispielsweise bei handgroßen Wärmekissen, die man in die Jackentasche stecken kann. Aufgeladen werden diese kleinen Kissen in kochendem Wasser. Die größten Latentwärmespeicher dieser Art sind ein Kubikmeter groß. Die Leistung der DLR-Forscher: Sie haben eine Technik entwickelt, mit der ein Wärmespeicher be- und entladen werden kann, der 20mal so groß ist.

"Unser Wärmespeicher nimmt ungefähr viermal so viel Energie auf wie ein Wasserspeicher vergleichbarer Größe", sagt Etzkorn. Mit einem Container könnte ein Einfamilienhaus ungefähr ein Vierteljahr mit Heizung und Warmwasser versorgt werden. Aber wer will schon einen Container in der Wohnsiedlung stehen haben? LaTherm sieht daher als Abnehmer der Wärme zunächst vor allem Krankenhäuser, Schulen oder Schwimmbäder.

"Die Lösung von LaTherm bietet ein großes Potenzial", sagt Peter Pichl, Experte beim Bundesumweltamt in Berlin. In Deutschland gebe es Tausende von dezentralen Anlagen, die überschüssige Energie an die Umwelt abgeben. Wenn diese mithilfe von Containern zur Heizung öffentlicher Gebäude genutzt werden könnten, wäre das sicher ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung des Kohlendioxidproblems, so Pichl.

"Als Faymonville mir damals seine Idee mit dem Wärmetransport per Container schmackhaft machen wollte, war mir klar, ganz so einfach wie es sich anhörte, würde es nicht werden", erinnert sich der Physiker, der in seinem Leben schon so manche knifflige technische Lösung entwickelt und zur Marktreife gebracht hat.

Doch bei der neuen Herausforderung geht es nur in zweiter Linie um Technik. "Das Speichern der Wärme ist im Vergleich dazu trivial", sagt Etzkorn. Das Problem sei die Logistik. "Wie bekommt man es hin, Wärme just-in-time zu liefern?", fragte sich der LaTherm-Gründer. Nur dann könne man damit Geld verdienen, war er sich sicher.

Als Erstes suchte sich Etzkorn einen Partner, der sich vor allem um die Finanzierung des neuen Unternehmens kümmern sollte. Auch hier half das Netzwerk weiter. Kai Petersen kannte er aus früheren Zeiten. Der 41-jährige Diplom-Informatiker hatte Erfahrung bei der Suche nach Investoren: Mitte der 1990er hatte er einen Internet-Dienstleister mitgegründet, der wenige Jahre später an ein US-Unternehmen veräußert wurde. In den Jahren 2001 bis 2005 war er für ein risikokapitalfinanziertes Maschinenbau-Unternehmen in Berlin tätig.

Petersen beteiligte sich mit LaTherm an dem Gründerwettbewerb der Wirtschaftsförderung Dortmund. Mit Erfolg: Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Runde gewann das Unternehmen. "Das brachte uns öffentliche Anerkennung in der Region - und auch erste Anfragen", erzählt Petersen. Auch die Kooperation mit den Dortmunder Stadtwerken sei daraus entstanden, mit denen das Unternehmen nun am Montag das erste Pilotprojekt startete.

"In den nächsten Monaten werden wir Messdaten sammeln, um den Container zu optimieren - das Be- und Entladen der Energie", sagt Etzkorn. Anschließend müsse die Logistik entwickelt werden, die von einer Software zentral gesteuert wird. Es werde sicher noch zwei Jahre dauern, bis ein ausgereiftes System verfügbar sei, so der technische Geschäftsführer. Spätestens dann will Petersen durchstarten. "Die Zeit arbeitet für uns", sagt der Finanzchef. Auch wenn die Energiepreise wieder zurück gegangen seien, langfristig würden sie wieder anziehen. "Durch die stark gestiegenen Kosten für die Wärmeversorgung mit Öl oder Gas ist unser Geschäftskonzept erst wirtschaftlich geworden", so Petersen.

Aber auch für die Wärmelieferanten bietet "die Energie auf Rädern" Anreize. "Sie können ihre Energieeffizienz ohne große Investitionen steigern", erklärt Petersen. Darüber hinaus könnten einige Firmen durch die Wärmelieferung CO2-Zertifikate erzielen. Eine vollständig CO2-neutrale Wärmeversorgung könne man zwar noch nicht bieten, das gelinge erst, wenn der Containertransport ausschließlich mit Biodiesel durchgeführt würde. "Bis dahin sind wir nur in hohem Maße CO2 -effizient, da der Transport nur einen geringen Teil der Energie verbraucht, die der Container in Form von Wärme beim Kunden anliefert", sagt der LaTherm-Geschäftsführer.

Die Wärmeversorgung lohnt sich derzeit nur über eine Distanz von maximal 20Kilometern. Nach dem Ausbau des Projekts in Dortmund will LaTherm weitere Standorte aufbauen. "Darüber hinaus planen wir, zusätzliche Versorgungsgebiete gemeinsam mit Partnern zu erschließen", sagt Petersen.

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1 Kommentar zu "Ausgezeichnete Geschäftsideen: Aus Abfallwärme Geld machen"

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  • Heizen mit Abfallwärme - gut, dass es pfiffige ingenieure gibt, die sowas möglich machen. Wenn man bedenkt, wieviel wertvolle Wärme noch ungenutzt als Abwärme verpufft, ist das wirklich eine tolle Sache.