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Chacaltaya-Observatorium Klimaforschung im schwindenden Eis der bolivianischen Anden

Die Bedingungen auf dem Chacaltaya in Bolivien sind für Klimaforscher optimal: In 5000 Metern Höhe können sie hautnah erleben, wie stark schädliche Emissionen die Erde belasten.
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In über 5000 Meter Höhe sammeln Forscher hier Daten, die für Klimaforscher weltweit interessant sind. Quelle: AP
Eingang zum Chacaltaya-Observatorium

In über 5000 Meter Höhe sammeln Forscher hier Daten, die für Klimaforscher weltweit interessant sind.

(Foto: AP)

La PazVon der Stadt aus betrachtet wirkt der Schnee auf dem Chacaltaya erfrischend sauber. Ein genauerer Blick zeigt aber, dass die Luftverschmutzung auch hier ihre Spuren hinterlässt. Zudem sind immer kleinere Teile des Berges überhaupt noch von einem weißen Mantel bedeckt.

Für die Bewohner der bolivianischen Metropole La Paz ist das ein Problem. Denn die Gletscher der Umgebung sind für die Wasserversorgung entscheidend. Dass die Eismassen schwinden, ist allerdings auch weit über die Region hinaus von Bedeutung.

In dem am höchsten gelegenen Observatorium der Welt sammelt ein internationales Expertenteam seit dem Jahr 2012 Daten zum Klimawandel. Der Ort ist nahezu ideal: Die Forschungsstation liegt 5240 Meter über dem Meeresspiegel.

Aufgrund der Nähe zum größten Ballungsraum Boliviens ist sie dennoch gut erreichbar. Und die Folgen der globalen Erwärmung sind direkt vor der Tür schon mit bloßem Auge zu erkennen.

„Wenn die Temperaturen weiter steigen, werden auch solche sehr hoch gelegenen Gletscher ihr Eis verlieren und es wird selbst auf den Gipfeln nur noch Schnee liegen“, sagt der Glaziologe Patrick Ginot. „Die Gefahr droht entlang der gesamten Andenkette.“

Um wenigstens einen Bruchteil des bolivianischen Eises für die Nachwelt und vor allem für künftige Studien zu erhalten, brachten Ginot und seine Kollegen im vergangenen Jahr einige Brocken von einem der örtlichen Gletscher zur Antarktis. Die Aktion erfolgte im Rahmen des global angelegten Projekts „Ice Memory“.

Bis vor einigen Jahren befand sich auf dem Berg das einzige Skigebiet Boliviens. Doch an Wintersport ist heute trotz der enormen Höhe kaum noch zu denken. Quelle: AP
Messanlagen auf dem Chacaltaya

Bis vor einigen Jahren befand sich auf dem Berg das einzige Skigebiet Boliviens. Doch an Wintersport ist heute trotz der enormen Höhe kaum noch zu denken.

(Foto: AP)

Der Gletscher auf dem Chacaltaya war vermutlich etwa 18.000 Jahre alt. Bis vor einem Jahrzehnt befand sich darauf auch das einzige Skigebiet Boliviens. Doch an Wintersport ist heute trotz der enormen Höhe kaum noch zu denken. Die einstigen Eismassen sind fast komplett verschwunden. Die letzten Reste taugen nur noch als Forschungsobjekt.

Ursprünglich diente das Observatorium vor allem zur Messung von kosmischer Strahlung. In der Anfangszeit, Mitte der 1940er-Jahre, mussten die Betreiber die schweren wissenschaftlichen Geräte auf den Rücken von Lamas zur Station transportieren.

Europa und die USA finanzieren die Anlage

Wegen der Höhenlage sowie wegen der relativen Nähe zur Amazonas-Region und zum Großraum La Paz eignet sich der Chacaltaya nun aber auch sehr gut zum Sammeln von Daten zur Verschmutzung der Luft durch die Verbrennung von Wäldern, Kohle, Öl und Gas. Seit 2012 wird auf dem Berg die Konzentration von Treibhausgasen, Feinstaub und anderen schädlichen Emissionen gemessen.

Finanziert wird die Einrichtung auf dem Chacaltaya – was in der indigenen Sprache Aymara „kalter Weg“ bedeutet – überwiegend von Institutionen in Europa und den USA. Die organisatorische Leitung liegt in den Händen der Universidad Mayor de San Andrés in La Paz.

Die auf dem Chacaltaya entnommenen Proben und Messungen seien besonders wertvoll, da sie „nicht von lokalen Emissionen und ähnlichen Faktoren beeinflusst“ seien, sagt James Butler von der US-Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration).

„Von einem Berggipfel aus aufwärts gerichtete Beobachtungen bieten zudem ein viel besseres Bild von den Veränderungen in der Stratosphäre als Beobachtungen von niedriger gelegenen Standorten aus, da die Verzerrung der Signale deutlich reduziert ist“, so Butler.

Die auf dem bolivianischen Berg gesammelten Informationen würden der ganzen internationalen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt, sagt der in dem Observatorium forschende Physiker Fernando Velarde.

„Als Wissenschaftler nehmen wir uns ein Problem vor, analysieren die Auswirkungen und bemühen uns dann, der Gesellschaft mögliche Lösungswege aufzuzeigen“, fügt er hinzu. „Aber die Entscheidungen liegen am Ende in den Händen der Regierungen und Politiker.“

  • ap
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