Start-up Fairphone Das So-fair-wie-möglich-Phone

Ein niederländisches Unternehmen bietet ein Smartphone an, das so ethisch unbedenklich wie möglich hergestellt wird. Von einer Lagerhalle in Amsterdam aus soll die Smartphone-Welt ein bisschen besser werden.
  • Nina Siegal
100.000 „faire“ Smartphones sollen 2016 verkauft werden.
Fairphone

100.000 „faire“ Smartphones sollen 2016 verkauft werden.

AmsterdamFast jeder hat inzwischen ein Mobiltelefon – dabei sprechen aus ethischer Sicht viele Dinge dagegen eines zu kaufen. Ein herkömmliches Smartphone besteht aus bis zu 40 verschiedenen Mineralien. Diese stammen häufig aus armen Ländern, in denen die Minenarbeiter ausgebeutet werden und die mit den Einnahmen nicht selten gewaltsame Konflikte finanzieren.

Die Handys werden dann häufig in Fabriken produziert, deren Angestellte unter elenden Bedingungen arbeiten müssen und dafür auch nur Billiglöhne erhalten. In Betrieb ist das Smartphone dann meist nur ein bis zwei Jahre, weil sich einzelne Teile kaum austauschen lassen. So häuft sich viel Elektromüll an.

Nicht schön, aber vernünftig
Fair und Smart
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Das ist es, das neueste Modell des niederländischen Smartphone-Herstellers Fairphone, das Fairphone2. Laut Hersteller ist es noch fairer als das Vorgängermodell, weil es weniger Konfliktmineralien beinhaltet.

Austauschbare Teile
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Neben der auf faire Arbeits- und bessere Umweltschutzbedingungen fokussierten Produktion hat das Fairphone noch eine Besonderheit: die modulare Bauweise. So kann etwa der Akku mühelos herausgenommen und bei Bedarf gewechselt werden.

Flexibles Innenleben
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Kamera, Blitz, Display - fast alle Teile des Fairphone2 sind leicht selbst austauschbar.

Tiefe Einblicke
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Nicht jedermanns Sache dürfte das Design der Rückseite sein. Im Vergleich zu anderen Smartphone wie etwa Apple's iPhone verliert das Fairphone2. Der Grund: Die Rückseite dient gleichzeitig dem besseren Schutz des Geräts und besteht daher aus widerstandsfähigem Plastik.

Auswahl
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Wer die transparente Optik nicht mag, hat die Auswahl unter fünf verschiedenen Rückenabdeckungen.

Weniger Müll
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Ein Ärgernis beim Handykauf sind schon lange die unterschiedlichen Anschlüsse der Hersteller für das Ladekabel. Apple hat diesen Kabelsalat auf die Spitze getrieben und sogar für die eigene iPhone-Reihe verschiedene Ladekabel verkauft. Das Fairphone2 kommt konsequenterweise ganz ohne Ladekabel, ist aber dafür mit einem microUSB Type B Standard Stecker ausgestattet. Viele Ladekabel haben diesen Anschluss, etwa das, mit dem man ein Samsung Galaxy auflädt. Das Unternehmen will damit laut eigenen Angaben dazu beitragen, dass weniger Elektroschrott entsteht.

Dickes Ding
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Klein ist das Fairphone2 mit Maßen von 73 mal 143 Millimetern nicht gerade. Mit einer durchschnittlich großen Hand lässt sich das Smartphone nur noch schwer einhändig bedienen - im Gegensatz etwa zum iPhone5. Die Größe ist aber natürlich Geschmackssache. Auch das beliebte Samsung Galaxy S6 misst schließlich 70,5 mal 143,3 Millimeter. Ein Manko: Das Gerät ist mit 168 Gramm (inklusive Rückseiten-Hülle) recht schwer, etwa im Vergleich zum Samsung Galaxy S6, das laut Herstellerangaben nur 138 Gramm wiegt.

Es gibt aber ein Produkt, das all die Probleme umgehen will: das Fairphone. In einer geräumigen ehemaligen Lagerhalle in einem östlichen Hafenviertel in Amsterdam engagieren sich 50 junge Unternehmer dafür, dass weltweit erste sozial verantwortungsvolle Smartphone weiter zu verbessern.

Drei Millionen Euro auf dem Bankkonto

Weder Gründer Bas van Abel, noch die Gründungsmitglieder Miquel Ballester und Tessa Wernink hatten frühere Erfahrungen mit der Herstellung von Mobiltelefonen. Jedoch waren sie sich einig, dass man selbst Teil der Industrie werden müsse, um sie positiv zu verändern. Bas van Abel und Miquel Ballester lernten sich 2011 im Open Design Lab der gemeinnützigen Waag Society kennen, als sie auf der Suche nach einem potenziellen Absatzmarkt für faire Elektrogeräte waren. Tessa Wernik war in dieser Zeit im Marketing- und Kommunikationsbereich tätig.

Zuerst machte sich das Team vor Ort ein Bild, um das volle Ausmaß der Herausforderung einschätzen zu können. Es reiste in den Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo viele Mineralien für die Mobiltelefonherstellung abgebaut werden, und dann nach China, wo die meisten Handys gefertigt werden. Intensiv haben die neuen Handy-Produzenten Smartphone-Technologien erforscht und gemeinsam erarbeitet, wie sie die ganze Wertschöpfungskette verbessern können, angefangen von den Rohstoffen bis hin zur Entsorgung.

2013 sicherte sich Fairphone eine erste Finanzierung in Höhe von 400.000 Euro und startete eine Crowdfunding-Kampagne. Bevor das Mobiltelefonen überhaupt in Produktion ging, wurde das Anfangsziel von 25.000 verkauften Exemplaren bei weitem überschritten. „Auf einmal hatten wir drei Millionen Euro auf unserem Bankkonto“, erzählte Wernink, „und wir hatten noch nicht einmal ein einziges Mobiltelefon hergestellt.“

Neun Euro Gewinn pro Handy
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