Folgen des Klimawandels Eisbären auf dem Laufband

Wegen der Erderwärmung bewegt sich das Packeis vor Alaska immer schneller. Das macht den ohnehin bedrohten Eisbären zusätzlich zu schaffen. Denn sie müssen gegen die Drift laufen, um in ihrer kalten Heimat zu bleiben.
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Der Klimawandel zwingt die Tiere dazu, immer in Bewegung zu bleiben. Quelle: AP
Eisbären unter Druck

Der Klimawandel zwingt die Tiere dazu, immer in Bewegung zu bleiben.

(Foto: AP)

AnchorageDer Umweltwissenschaftler George Durner vergleicht die Lage der Eisbären am Nordpol mit einem immer schneller werdenden Laufband. Die Geschwindigkeit nehme zu, da das Meereis infolge des Klimawandels dünner und brüchiger werde und sich schneller bewege, erklärt der Forscher vom Geologischen Dienst der USA.

In einer Studie beschäftigte sich Durner mit den Folgen für die Eisbären. Das Ergebnis: Die ohnehin gefährdeten Raubtiere zahlen einen hohen Preis.

Wo das Meer die Arktis frisst
Arktische Permafrost-Küste
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34 Prozent der Küsten weltweit sind Permafrost-Küsten. Das heißt, der Boden enthält jede Menge gefrorenes Wasser, das die eingelagerten Sedimente wie Zement zusammenhält. Doch in Zeiten des globalen Klimawandels wird dieser Zement brüchig. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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In den vergangenen Jahren hat sich das Auftauen der Permafrost-Küsten so stark beschleunigt, dass sich das Meer in manchen Regionen über 20 Meter pro Jahr ins Land frisst. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung haben das Phänomen auf der nordkanadischen Permafrost-Insel Herschel Island untersucht und dokumentiert. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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„Herschel Island verliert pro Jahr bis zu 22 Meter seiner Steilküste. Der aufgetaute Permafrostboden rutscht dann in Form von Schlammlawinen ins Meer und trübt die umgebenden Flachwasserbereiche so großflächig ein, dass die braun-grauen Sedimentfahnen viele Kilometer weit ins Meer hineinreichen“, erläutert AWI-Forscher Michael Fritz. (Foto: AWI/Michael Krautblatter)

An der Küste von Herschel Island
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Taut der Permafrost auf, lösen sich die zuvor im Eis eingeschlossenen Sedimente, Tier- und Pflanzenreste und werden von den Wellen ausgewaschen. Bei diesem Vorgang werden nicht nur die klimarelevanten Treibhausgase Kohlendioxid und Methan freigesetzt. Das erodierte Material enthält auch jede Menge Nähr- und Schadstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Quecksilber. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Satellitenbild von Herschel Island mit gut sichtbaren Sedimentfahnen vor der Küste
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Diese Stoffe gelangen ins Meer, werden dort weiter transportiert, abgebaut oder angereichert und verändern nachhaltig die Lebensbedingungen im Flachwasserbereich. „Die Folgen für das Nahrungsnetz können wir bisher nur erahnen“, sagt Michael Fritz. (Foto: NASA Worldview)

Erodierende Steilküste der Herschel Insel
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Wie sich die Biogeochemie der Küstenzone im Zuge der zunehmenden Erosion verändert und welche Konsequenzen dies für die Ökosysteme, für wichtige Fischgründe und somit am Ende auch für die Menschen in der Arktis hat, ist tatsächlich bislang noch kaum untersucht worden. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Forschungsarbeit an der Küste von Herschel Island
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Vor allem logistische Probleme haben bislang eine genauere Erforschung des Phänomens verhindert. Viele der arktischen Küsten- und Flachwasserzonen sind weder per Auto oder Flugzeug noch mit großen Eisbrechern zu erreichen. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

„Die erhöhte Driftfrequenz des Meereises verschärft vermutlich den physiologischen Stress, unter dem viele Eisbären wegen der erschwerten Nahrungssuche in der wärmer werdenden Arktis leiden“, sagt Durner. Ein Großteil des Packeises vor den Küsten von Alaska drifte das ganze Jahr über. Daher seien auch die Eisbären gezwungen, ständig in Bewegung zu sein, um in ihrem bevorzugten Lebensraum zu bleiben.

In einem im Januar veröffentlichten US-Bericht zur Lage der Tiere hieß es, ohne Schritte gegen den Klimawandel als Hauptursache für das Schwinden des Packeises könnten die Eisbären vermutlich nicht gerettet werden. Die Autoren verwiesen auf positive Zeichen wie die Emissionsziele des Pariser Klimaschutzabkommens.

Doch US-Präsident Donald Trump hat jüngst den Ausstieg aus dem Abkommen verkündet und erklärt, dieses benachteilige die USA „zum exklusiven Vorteil anderer Länder“. Amerikanische Unternehmen und Steuerzahler seien die Leidtragenden. Trump rief auch zu einem Ausbau der Erdölförderung im Lebensraum der Eisbären auf, darunter in Gewässern vor der Küste Alaskas und im nördlichsten Naturschutzgebiet der USA, dem Arctic National Wildlife Refuge.

Dabei geht es den Eisbären ohnehin schon zunehmend schlechter. Die neue Studie des Geologischen Dienstes und der Universität von Wyoming zeigt, dass die mächtigen Tiere heute mehr Energie aufwenden müssen, um in ihrem Lebensraum zu bleiben. Um die höhere Driftgeschwindigkeit des Packeises auszugleichen, müssten sie laut konservativen Schätzungen von Forschern pro Jahr bis zu drei Seehunde mehr als bisher töten. Angesichts der ohnehin schrumpfenden Jagdmöglichkeiten ist das keine leichte Aufgabe.

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