Great Barrier Reef Ein Naturwunder wird zur „Kohle-Autobahn“

In Australien tobt der Streit um ein einzigartiges Naturdenkmal: Die Regierung hat mehrere Rohstoffprojekte bewilligt, die nach Meinung von Kritikern das Überleben des größten Korallenriffs der Welt gefährden könnten.
4 Kommentare
Mit 348.000 Quadratkilometer ist das Great Barrier Reef das größte Korallenriff der Welt. Sein Status als Weltnaturerbe könnte durch die jetzt bewilligten Projekte gefährdet werden. Quelle: dpa

Mit 348.000 Quadratkilometer ist das Great Barrier Reef das größte Korallenriff der Welt. Sein Status als Weltnaturerbe könnte durch die jetzt bewilligten Projekte gefährdet werden.

(Foto: dpa)

CanberraIn Australien haben sich die schlimmsten Befürchtungen der Umweltschützer bestätigt. Der Sprecher einer Umweltorganisation meinte am Dienstag, das einzigartige Great Barrier Reef werde zur „Kohle-Autobahn“, nachdem die konservative Regierung unter Premierminister Tony Abbott an der ostaustralischen Küste mehrere große Rohstoffprojekte bewilligt hatte. Dazu gehört der Bau des zukünftig größten Kohleverladehafens der Welt.

Um den Kohlefrachtern das Anlegen in der neuen Anlage zu ermöglichen, sollen aus dem bestehenden Hafen Millionen Kubikmeter zum Teil mit Schwermetallen verseuchter Meeresboden ausgebaggert und in den Gewässern des Great Barrier Reefs abgeladen werden. Die Bewilligung für das so genannte „Dumping“ wurde von Umweltschutzgruppen und Wissenschaftlern sofort heftig verurteilt. Premierminister Tony Abbotts „Missachtung“ des Klimawandels und des größten Korallenriffs der Welt sei „kriminell“, meinte Larissa Waters, eine Senatorin der Grünen Partei.

Im Reich der Tiefsee-Kreaturen
hb_creature
1 von 6

Der Anglerfisch

Dieser Anglerfisch aus der Gattung Caulophryne wurde erst vor wenigen Jahren von Forschern der University of Queensland in der Tiefsee vor dem Great Barrier Reef entdeckt. Lange Tentakel zieren seinen Körper, mit denen der Fisch Beute oder potenzielle Fressfeinde spüren und entsprechend reagieren kann. Besonders kurios: Die kleinen Männchen führen kein eigenständiges Leben, sondern haften als nützliche Parasiten dauerhaft an den Weibchen.

Bild: University of Queensland

hb_creature
2 von 6

Mit ferngesteuerten Kameras dokumentierten die Wissenschaftler um Justin Marshall von der Universität Queensland die bislang unbekannte Tierwelt der lichtlosen Tiefen.

Bild: Tiefseekrebs

hb_creature
3 von 6

Die sensiblen Aufnahmegeräte wurden eigens entwickelt, um Bilder in einer Tiefe von 1400 Meter unter dem Meeresspiegel zu machen.

Bild: Tiefsee-Beilfisch

hb_creature
4 von 6

Weniger aufwendig war die Technik, mit der die Wissenschaftler ihre Beute anlockten. Ein Thunfischkopf, an einem Stock befestigt, genügte als Köder.

Bild: Tiefsee-Anglerfisch

hb_creature
5 von 6

Bislang war den Forscher nicht bekannt, welche Tiere in den Tiefen unterhalb des Riffes lebten.

Bild: Tiefseequalle

hb_creature
6 von 6

"Jetzt sind die Kameras in der Lage, das Verhalten und das Leben in der größten Biosphäre Australiens, der Tiefsee, aufzunehmen", so Marshall.

Bild: Tiefsee-Viperfisch

Das Great Barrier Reef ist mehr als 2000 Kilometer lang und rund 348.000 Quadratkilometer groß. Es zieht sich entlang der ostaustralischen Küste bis in den Süden des nördlichen Nachbarlandes Papua-Neuguinea. Einigen Prognosen zufolge soll das Riff schon im Jahr 2050 größtenteils zerstört sein. Die Folgen des Klimawandels, die Übersäuerung des Meerwassers, die Auswirkungen von Landwirtschaft und Industrie in den Küstengebieten – all diese Faktoren tragen laut Wissenschaftlern dazu bei, dass schon heute Teile des Riffs, das jedes Jahr von Millionen Touristen besucht wird, abgestorben sind oder zumindest schwer erkrankt.

Umweltminister Greg Hunt bewilligte nicht nur das „Dumping“ des toxischen Schlamms, er gab auch dem Antrag des indischen Kohlegiganten Adani statt, einen neuen Kohleverladehafen zu bauen. Ebenfalls grünes Licht erhielten die Betreiber einer neuen Kohleflözgas-Anlage auf der Curtis Insel. Im Rahmen der Bauarbeiten sollen dort 1,4 Millionen Tonnen Meeresboden ausgebaggert werden dürfen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Weltnaturerbe gefährdet
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Great Barrier Reef - Ein Naturwunder wird zur „Kohle-Autobahn“

4 Kommentare zu "Great Barrier Reef: Ein Naturwunder wird zur „Kohle-Autobahn“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Fassungslos, einfach nur fassungslos.
    Die Welt wäre ohne uns, wesentlich besser dran. Es wird ja schon an "natürlicher Auslese" von den Regierungen gearbeitet. Aber verschonen Ihres Gleichen. Macht und Gewinn regieren die Welt. Natur ist scheiss-egal geworden. Leider hat sich nichts geändert und Leute die damals noch bei Greenpeace & Co. dafür gekämpft haben, werden heute deshalb belächelt. Ich hoffe es gibt ein Umdenken, aber dafür ist die Menschheit nicht fähig. Sehr trauig!

  • Die Politiker - weltweit - schützen den Wahnsinn.

    "Unsere Gesellschaft wird von Verrückten geführt, für verrückte Ziele. Ich glaube wir werden von Wahnsinnigen gelenkt, zu einem wahnsinnigen Ende, und ich glaube ich werde als Wahnsinniger eingesperrt, weil ich das sage. Das ist das Wahnsinnige daran."

    John Lennon - erschossen 1980

  • Ich finde es immer wieder erstaunlich zu lesen, wie die Europäer die keinerlei Natur mehr um sich haben und in einer absoluten Kulturlandschaft leben, anderen Menschen den Komfort und die Sicherheit einer solchen Kulturlandschaft absprechen wollen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%