Höherer Strompreis Weniger Kohle- und mehr Ökostrom

Es wird klimafreundlicher. Erneuerbare Energien und Gaskraftwerke legen teils kräftig zu. Während aber Börsenstrom, Erdgas und Heizöl zuletzt billiger wurden, müssen Haushalte für ihren Strom wohl deutlich mehr ausgeben.
Kommentieren

Strombilanz 2016 – Das hat sich seit der Energiewende geändert

BerlinDie Stromerzeugung aus Kohle in Deutschland ist weiter auf dem Rückzug, der Ökostrom-Anteil dagegen wächst. Das geht aus der aktuellen Auswertung der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende für das Jahr 2016 hervor. Demnach liefern erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft inzwischen fast jede dritte Kilowattstunde und deckten 2016 mehr als 32 Prozent des deutschen Stromverbrauchs ab.

Zugleich hätten sich Gaskraftwerke kräftig Marktanteile zurückerobert. Dennoch werde das Tempo bei der Energiewende nicht ausreichen, um die Klimaziele bis zum Jahr 2020 zu erreichen, schreiben die Agora-Experten. Zudem dürften die Strompreise für Haushalte 2017 erstmals über 30 Cent je Kilowattstunde liegen.

2016 sei das Jahr der billigen Energie gewesen. Sowohl die Weltmarktpreise für Kohle, Öl und Gas als auch die Strompreise im Großhandel an der Börse seien gesunken. Die Börsenpreise hätten mit 26,60 Euro pro Megawattstunde auf einem Zehn-Jahres-Tief gelegen.

Mehr Sonnenstrom fürs Kanzleramt
Prestige-Auftrag für die Naturstrom AG
1 von 7

Thomas Banning hat allen Grund zur Freude. Er ist Vorstand der Naturstrom AG. Diese ist am MR Sun-Strom beteiligt und erhielt zusammen mit dem Dresdner Photovoltaik-Spezialisten den Auftrag, die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Bundeskanzleramts zu installieren.

Umweltschonende Energieversorgung
2 von 7

Nach vier Jahren Bauzeit wurde das Bundeskanzleramt im Jahr 2001 bezogen. Wichtiger Randaspekt: Biodiesel, Sonnenenergie und Ökostrom sollten für eine umweltschonende Energieversorgung sorgen. Doch der Zahn der Zeit nagt auch am Kanzleramt.

Sanierung im Kanzleramt
3 von 7

Nach 15 Jahren ist Kanzleramt ein Sanierungsfall. Die Elektrik muss modernisiert, die undichte Decke der Tiefgarage repariert und der alte Ölkessel ausgetauscht werden. Auch ein neues Energiekonzept wurde in Auftrag gegeben. Drei Millionen Euro sollen im kommenden Jahr in die Sanierung investiert werden, unter anderem in neue Solaranlagen. Die Flachdächer vom Nord- und Südflügel eignen sich hierfür besonders.

Leistung von 200 Kilowatt
4 von 7

Die Module liegen nämlich waagerecht, mit Blick auf die markante Gebäudearchitektur. Hier sind zwar bereits Solaranlagen installiert, doch diese werden erneuert. Die neue Solaranlage auf dem Kanzleramts-Dach wird über eine Leistung von 200 Kilowatt verfügen.

Sonnenstrom für den Eigenbedarf
5 von 7

Jährlich soll die neue Solaranlage über 160.000 Kilowattstunden Strom produzieren und somit gegenüber der alten Anlage auf gleicher Fläche ein Drittel mehr Ertrag liefern. Die Menge entspricht ungefähr dem Jahresverbrauch von 50 deutschen Durchschnittshaushalten. Genutzt werden soll der Sonnenstrom vom Dach übrigens für den eigenen Bedarf.

Weiterbetrieb oder Neuinvestition?
6 von 7

Das Bundeskanzleramt ist damit das Beispiel für ein Phänomen, das in den nächsten Jahren viele Besitzer von Solaranlagen beschäftigen wird. Bei Tausenden Anlagen werden sich die Betreiber fragen müssen: Lohnt sich der Weiterbetrieb der alten oder die Investition in eine neue Anlage? Und sollten sie den produzierten Strom selber nutzen oder vermarkten?

EEG-Vergütung läuft aus
7 von 7

Denn in vier Jahren, 2020 läuft für die ersten Solar- und Windenergieanlagen die EEG-Vergütung aus. Diese ist nach Inbetriebnahme der Anlage nämlich nur für 20 Jahre festgesetzt. Die Naturstrom AG hofft, sich durch die neue Photovoltaik-Anlage auf dem Kanzleramt als Ansprechpartner für Betreiber von älteren Anlagen zu etablieren.

Doch während Börsenstrom, Erdgas und Heizöl zuletzt billiger wurden, gelte dies wegen steigender Abgaben und Umlagen nicht für den Haushaltsstrompreis. „Bleibt das System der Abgaben und Umlagen wie es ist, so ist bis 2023 ein weiterer Anstieg der Strompreise absehbar“, sagte Agora-Direktor Patrick Graichen. „Erst danach kommen die „Ernte-Jahre“ der Energiewende.“

Das System der Steuern, Abgaben und Umlagen sollte Graichen zufolge überarbeitet werden. Denkbar sei es etwa, die Stromkosten zu senken und Abgaben sowie Umlagen auf klimaschädliche Energieträger wie Kohle, Heizöl, Diesel, Benzin und Gas zu verlagern.

Der Ökostrom-Anteil stieg 2016 laut Agora um 0,8 Punkte auf 32,3 Prozent. Dass trotz neuer Windkraft- und Solarstromanlagen nur 4 Terawattstunden mehr Ökostrom als im Vorjahr produziert wurden, sei eine Folge der unterdurchschnittlichen Wind- und Sonnenbedingungen im vergangenen Jahr. Der Ausbau sollte sich daher an den schlechten Windjahren orientieren, forderte Graichen.

„Gas ist der Gewinner 2016 und bringt den Kohleausstieg auf leisen Pfoten“, heißt es in der Auswertung. Erdgaskraftwerke produzierten gut ein Viertel mehr Strom als im Vorjahr. Mit einem Anteil von 12,1 Prozent am Erzeugungsmix lieferten sie fast so viel Strom wie Kernkraftwerke (13,1 Prozent), deren Erzeugung sich seit dem Jahr 2000 annähernd halbiert habe.

Der Anteil von Braunkohle an der Stromerzeugung sei auf 23,1 Prozent gesunken (minus 0,8 Punkte), der Anteil der Steinkohle verringerte sich auf 17 Prozent (minus 1,2 Punkte). „Wenn man den Rückgang der Kohleverstromung (...) so fortsetzen würde, würde ungefähr Anfang 2038 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen“, sagte Graichen. Dennoch habe der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zugenommen – durch mehr Emissionen im Industrie-, Wärme- und Verkehrssektor. Der Stromverbrauch sei trotz Wirtschaftswachstums leicht zurückgegangen.

Die staatliche Ökostrom-Förderung wurde zum Jahresbeginn umgestellt. Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhalten Betreiber größerer Windparks, Solaranlagen und Biogas-Anlagen für eingespeisten Strom keine feste, gesetzlich festgelegte Vergütung mehr. Stattdessen werden neue Projekte ausgeschrieben. Wer am wenigsten Subventionen verlangt, erhält dann den Zuschlag.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Höherer Strompreis - Weniger Kohle- und mehr Ökostrom

0 Kommentare zu "Höherer Strompreis: Weniger Kohle- und mehr Ökostrom"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%