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Kampf gegen den Klimawandel Ein kühlender Schirm für die Erde würde zwei Milliarden kosten

Klimaschutz zum Schnäppchenpreis: Ein kühlender Aerosol-Schleier in der Atmosphäre würde nur zwei Milliarden Euro kosten, rechnen Forscher vor. Warum das keine gute Nachricht ist.
6 Kommentare
Vulkane schleudern bei ihren Eruptionen große Mengen schwefelhaltige Verbindungen in hohe Schichten der Erdatmosphäre, wo sie wie ein Schleier einen Teil des Sonnenlichts zurückhalten. Quelle: dpa
Ausbruch des Pinatubo im Juni 1991

Vulkane schleudern bei ihren Eruptionen große Mengen schwefelhaltige Verbindungen in hohe Schichten der Erdatmosphäre, wo sie wie ein Schleier einen Teil des Sonnenlichts zurückhalten.

(Foto: dpa)

Heidelberg Von Vulkanen lernen – das ist das Prinzip hinter einer der ältesten Ideen im Kampf gegen die Erderwärmung. Bei ihren Ausbrüchen speien die Feuerberge regelmäßig große Mengen schwefelhaltige Verbindungen in die hohen Schichten der Atmosphäre – wo sie einen Schleier aus feinsten Schwebteilchen bilden.

Diese Aerosole werfen einen Teil der Sonnenstrahlung zurück, das Ergebnis kann ein dramatischer vulkanischer Winter sein. Wie etwa im „Jahr ohne Sommer“1816, als es nach dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora auf der anderen Seite der Erdkugel ganzjährig kühl blieb.

Schon lange überlegen Ingenieure, mit diesem Effekt das Klima zu stabilisieren. Nun haben Wake Smith von der Yale University und Gernot Wagner von der Harvard University ausgerechnet, wie viel diese Technik kosten würde. Das Ergebnis fällt überraschend niedrig aus.

Wie die Forscher im Fachblatt Environmental Research Letters ausführen, würde es nur zwei Milliarden Euro pro Jahr kosten, um mit einem Aerosolschleier in 20 Kilometern Höhe die Rate der Erderwärmung zu halbieren. Etwa 4000 Flüge im Jahr wären dafür nötig – Kleinkram im Vergleich zu den über 40 Millionen Flügen pro Jahr weltweit.

Die beiden Forscher untersuchten verschiedene Verfahren, die Schwefelaerosole in die angestrebte Höhe zu bekommen – darunter Kanonen, Ballons, Raketen und gigantische Sprühschläuche. Letztlich erwiesen sich Sprühmissionen mit Flugzeugen als die effektivste Variante.

Allerdings sind nur wenige Flugzeuge überhaupt in der Lage, in 20 Kilometern Höhe dauerhaft zu fliegen – was etwa der doppelten Reisehöhe normaler Verkehrsflugzeuge entspricht. Ein neuer Flugzeugtyp mit überdimensionierten Flügeln müsse deswegen her, das sei aber kein bedeutendes Problem, so die Forscher.

Sollten sich derart niedrige Kosten bestätigen, wäre das allerdings eher eine beunruhigende Nachricht. Zum einen, so die Befürchtung der Autoren, könnte ein einzelnes Land einen Vorteil für sich sehen und – womöglich geheim – Tatsachen schaffen, ohne sich mit anderen Staaten abzusprechen.

Zum anderen könnte die ohnehin nicht gerade ausgeprägte Bereitschaft mancher Staaten, Treibhausgase zu reduzieren, weiter sinken – mit dem Ergebnis, dass die Erde zwar technisch gekühlt wird, aber andere negative Effekte des Treibhausgases Kohlendioxid weiter zunehmen.

Nicht zuletzt warnen Fachleute, dass sich durch solch einen Schleier aus schwefelhaltigen Partikeln Niederschläge unvorhersehbar verändern könnten. Zudem könnte ein massiver Eingriff in die Erdatmosphäre andere, heute noch unbekannte Effekte mit sich bringen.

Und wenn Umwälzungen wie Kriege oder Wirtschaftskrisen dazu führen, dass die Staatengemeinschaft das Kühlprogramm vernachlässigt oder gar beendet, würde der Treibhauseffekt binnen weniger Jahre mit umso größerer Wucht zurückkehren.

Schnelle Wege aus der Klimafalle
Zehn Maßnahmen zum Klimaschutz
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Klimaexperten haben mehr als 400 Methoden zur Bekämpfung des Klimawandels unter die Lupe genommen. Im Fokus der im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlichten Untersuchung stand ausnahmsweise nicht der Klimakiller CO2, sondern das Treibhausgas Methan sowie Ruß, der in der Atmosphäre dafür sorgt, dass weniger Sonnenstrahlung ins All reflektiert wird.

Schon mit einigen einfachen Maßnahmen, so die Wissenschaftler, ließe sich der Ausstoß von Methan und Ruß so stark reduzieren, dass der globale Temperaturanstieg bis zum Jahr 2050 um ein Drittel geringer ausfallen würde als bislang vorhergesagt. Die zehn wichtigsten Maßnahmen im Überblick.

(Foto: dpa)
Bergbau
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Durch eine bessere Filterung bei der Entlüftung von Kohleminen würde deutlich weniger Methan freigesetzt.

(Foto: dpa)
Gaspipelines
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Lecke Gaspipelines sind eine weitere Treibhausgas-Quelle, die sich mit relativ geringem Aufwand schließen ließe.

(Foto: dpa)
Mülldeponien
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Deponie-Gas, dessen Hauptbestandteil Methan ist, entsteht durch den bakteriologischen und chemischen Abbau von organischen Inhaltsstoffen des Mülls. Seine Freisetzung zu verhindern und es nutzbar zu machen, würde dem globalen Klimawandel entgegenwirken, so die Forscher.

(Foto: dpa)
Ölförderung
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Durch unkontrolliertes Abblasen bei der Ölförderung gelangen ebenfalls große Mengen Methan in die Atmosphäre, die durch verbesserte Fördertechnik eingefangen werden könnten.

(Foto: dpa)
Viehzucht
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Auch durch eine bessere Aufarbeitung der bei der Nutztierhaltung anfallenden Exkremente – etwa durch Vergärung in Biogasanlagen – ließe sich der Methanausstoß deutlich verringern.

(Foto: dpa)
Reisanbau
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Keine andere Kulturpflanze setzt soviel Methan frei wie Reis. Durch verbesserte Anbaumethoden, weniger Dünger und eine weniger intensive Bewässerung ließe sich der Methanausstoß beim Reisanbau reduzieren.

(Foto: dpa)
Der Handelsblatt Expertencall
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Mehr zu: Kampf gegen den Klimawandel - Ein kühlender Schirm für die Erde würde zwei Milliarden kosten

6 Kommentare zu "Kampf gegen den Klimawandel: Ein kühlender Schirm für die Erde würde zwei Milliarden kosten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Menschen werden offenbar nicht schlauer, jetzt wollen die sogar das Klima ändern. Dabei ist das Einfachste, dass diese Experten schon Klima und Wetter nicht unterscheiden können.

    Aber mal etwas anderes: Was machen diese Superschlauen wenn sie die Welt mit einem Aerosolschleier versehen haben und plötzlich bricht ein Supervulkan (z.B. bei Neapel) aus? Buddeln sie dann ganz schnell die noch vorhandenen Kohlereserven aus, um das Klima wieder zu erwärmen? So ein Quatsch.

    Den Treibhauseffekt der Superklimaexperten, den es offenbar gar nicht gibt - oder haben sie schon einmal gemerkt ob ein Raum voller "schlechter" Luft wärmer ist als die Umgebung ? - können die Menschen gar nicht beeinflussen. Jedenfalls sollten sie nicht vergessen, dass alle Tiere, auch die Menschen, Sauerstoff benötigen , um zu existieren und Pflanzen benötigen CO2, um zu existieren.

    Die Erde ist relativ groß oder klein, je nach Standort. Aber im Verhältnis zum einzelnen Menschen ist sie riesig. Sie hat schon einiges an Lebenserfahrungen gesammelt, hat Saurier überstanden und wird auch den Menschen überstehen. Bitte, Ihr Menschen, seit etwas bescheidener in Euren Ansprüchen. Ihr könnt Eure Mitmenschen einlullen, aber die Erde ist für Eure Versuche ein klein wenig zu groß!

  • Ergänzter und korrigierter Kommentar von 13:29 Uhr:

    "Kampf gegen den Klimawandel: Ein kühlender Schirm für die Erde würde zwei Milliarden kosten"

    Es sollte eigentlich völlig egal sein, was der "kosten" würde.

    Denn der Klimawandel (und damit einhergehend die Zerstörung unserer Umwelt, insbesondere auch der Verlust an Artenvielfalt) wird – das legen alle belastbaren Statistiken nahe – nach wie vor in schnellerem Tempo „befeuert“
    ... als die Kosten für seine Eindämmung - und für erst recht die durch ihn verursachte Schadensbewältigung - je steigen könnten.

    Und logischerweise sind die jüngeren und jüngsten Generationen die von diesem fehlgesteuerten Wirtschaftssystem am meisten Benachteiligten.

    Wenn die Menschheit als solche überleben will, muss schleunigst ein völlig neuer, diesmal auf demokratischen Prinzipien beruhender Transaktionsmechanismus her, der sicherstellt, dass sich am Markt für alles, was über das Geld gehandelt (damit „bezahlt“ )wird, der tatsächlich angemessene Preis herausbildet. Einer, der den realistischen – weil demokratisch bestimmten – Wert abbildet, weil er von SÄMTLICHEN Marktteilnehmern definiert wurde (und nicht von einem Teil davon).

  • "Kampf gegen den Klimawandel: Ein kühlender Schirm für die Erde würde zwei Milliarden kosten"

    Es sollte eigentlich völlig egal sein, was der "kosten" würde.

    Denn der Klimawandel (und damit einhergehend die Zerstörung unserer Umwelt, insbesondere auch der Verlust an Artenvielfalt) wird – das legen alle belastbaren Statistiken nahe – nach wie vor in schnellerem Tempo „befeuert“. Und zwar von unserem derzeitigen Geldsystem. Und damit entzieht sich die Menschheit heute ganz offensichtlich selbst die Lebensgrundlage, sie lebt also von der Substanz.

    Und logischerweise sind die jüngeren und jüngsten Generationen die von diesem fehlgesteuerten Wirtschaftssystem die am meisten Benachteiligten.

    Wenn die Menschheit als solche überleben will, muss schleunigst ein völlig neuer, diesmal auf demokratischen Prinzipien beruhender Transaktionsmechanismus her, der sicherstellt, dass sich am Markt für alles, was über das Geld gehandelt (damit „bezahlt“)wird der tatsächlich angemessene Preis herausbildet. Einen, der den realistischen – weil demokratisch bestimmten – Wert abbildet, weil er von SÄMTLICHEN Marktteilnehmern definiert wurde (und nicht von einem Teil davon).

  • Die Folgen solcher Eingriffe wären unübersehbar, kurz und langfristig. Sie wären unverantwortlich. Die UNO sollte Eingriffe dieser Art in das Schicksal aller Länder und Menschen entsprechend qualifizieren und untersagen.

  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir bis 2050 eine CO2-neutrale Wirtschaft weltweit haben; dafür ist eine CO2-freie Energieerzeugung, Industrie, Wohnwelt und Verkehr einfach zu teuer. Selbst wenn die heutigen Industrieländer das schaffen sollten, werden die Schwellenländer ihren bescheidenen Wohlstand nicht einer CO2-freien Wirtschaft opfern. Insofern sehe ich nur die Möglichkeit mit Geoengineering die Erdtemperaturen in annehmbaren Bereichen zu halten.

  • Das passiert doch schon seit längerer Zeit! Siehe Chem-Trails, deren Aufgabe gerade dies ist. Vielleicht haben die Chem-Trails aber auch erst diese "Klimaveränderungen" hervorgerufen.