Klima-Orakel Emissionshandel in der Krise

Leser fragen, Klima-Experten antworten. Diesmal will Peter Michalski aus Horbach wissen: „Warum steckt der europäische Emissionshandel in der Krise?“ Felix Christian Matthes vom Öko-Institut antwortet ihm.
9 Kommentare
Weil derzeit ein massives Überangebot an CO2-Zertifikaten herrscht, haben Unternehmen keinen finanziellen Anreiz, Treibhausgase einzusparen. Quelle: dpa

Weil derzeit ein massives Überangebot an CO2-Zertifikaten herrscht, haben Unternehmen keinen finanziellen Anreiz, Treibhausgase einzusparen.

(Foto: dpa)

Unternehmen, die vom EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) erfasst sind, dürfen nur dann Treibhausgase ausstoßen, wenn sie die entsprechende Berechtigung besitzen. Sie benötigen dafür sogenannte CO2-Zertifikate, die im Rahmen des EU ETS gehandelt werden.

Weil derzeit ein massives Überangebot an CO2-Zertifikaten herrscht, sind diese extrem günstig zu haben. So haben die Unternehmen keinen finanziellen Anreiz, Treibhausgase einzusparen. Inzwischen sind mehr als zwei Milliarden Tonnen CO2 überschüssig. Das entspricht etwa einer Jahresemission aller vom EU ETS erfassten Anlagen.

Ein Grund für den Überschuss ist das krisenbedingt niedrige Niveau wirtschaftlicher Aktivität. Das heißt: Wenn weniger produziert wird, entsteht weniger CO2 und es werden weniger Emissions-Zertifikate benötigt. Eine zentrale Ursache für das Überangebot ist aber auch der massive Zufluss an Billigst-Zertifikaten von außerhalb Europas, hinter denen nur zum geringeren Teil tatsächliche Emissionsminderungen stehen. Nicht ursächlich für den Zertifikatsüberschuss ist – zumindest bis heute – der Ausbau erneuerbarer Energien.

Ohne weitere Gegenmaßnahmen wird der Zertifikatsüberhang mindestens für die nächsten zehn Jahre anhalten. Das Europäische Parlament hat es Mitte April leider abgelehnt, 900 Millionen Zertifikate vorübergehend vom Markt zu nehmen, sodass die Krise des EU ETS andauert beziehungsweise sich derzeit sogar noch verschärft.

Startseite

9 Kommentare zu "Klima-Orakel: Emissionshandel in der Krise"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich würde für meine Meinungsäusserungen gerne Geld von einem Konzern beziehen. Gem. meines Wissens trauen sich die Versorger und Kraftwerksbauer nicht an solche Aktivitäten heran. Wenn Sie ein Unternehmen kennen, dass für solche Meinungsäusserungen Geld bezahlt...lassen Sie es mich wissen. Auch andere Forenschreiber wären interessiert.

    Vandale

  • Wie süß, Vandale und Alina Alanka arbeiten gemeinsam für die Energie-Lobby. Einfach mal bei Google Folgendes eingeben: "vandale" UND "alina alanka"

  • An ANONYM "Energie-Lobby_bezahlt_Kommentare".
    Ich widerlege mal Ihre Aussage wie folgt: Es ist schon sehr auffällig, dass sich in den einschlägigen Foren zu Klimawandel und Energie immer dieselben "Kritiker" zu Wort melden. "Kritiker" lässt sich mit "Prediger" austauschen. Prediger tun dies, um Gläubige um sich zu sammeln. Etwa Leute wie Sie?
    Jeder Prediger generiert einen Kritiker und jeder Gläubige einen Ungläubigen - wie mich. Dazu benötigt man keine Kommentatoren, welche von der Energie-Lobby bezahlt werden.
    Und wenn Sie an Klima-Wissenschaft und Klima-Politik mit "pseudowissenschaftlichen Thesen" glauben, dann ist das Ihre Sache.
    Energieeffizienz ist prinzipiell gut und richtig, die dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien ist aber genau das Gegenteil davon. Die Stromversorgung mit EE ist seit der Elektrifizierung unserer Gesellschaft die ineffizienteste Methode. Eine große und zentral geführte Autofabrik produziert effizienter als viele kleine Autofabriken. So ist es auch im Vergleich einer großen, dem Bedarf folgenden Stromfabrik (Kraftwerk) mit Millionen kleinen EEG-Stromerzeuger. Ich benutze dazu mein Wissen und "prostituiere" mich daher aus wirtschaftlichen und Effizienzgründen lieber für Großkraftwerke und muss nicht dubiose Artikel aus der "Zeit" heranziehen. Ich weiß auch, dass sich Unwissende immer nur auf die sogenannten "seriösen" Wissenschaftler berufen, denen sie glauben. Alle anderen werden als unseriös diskriminiert. Der breite wissenschaftliche Konsens ist eine Floskel und riecht nach politischer Bestimmung. Daher die zahllosen Kritiker am menschengemachten Klimawandel.
    Außer andere Kommentatoren zu diskreditieren, haben Sie zu dem HB-Artikel "Emissionshandel in der Krise" keine inhaltlichen Aussagen und demonstrieren so Ihr Unwissen zum vorgegebenen Thema. Wissen Sie vielleicht nicht mal Ihren Namen?
    Alina Alanka

  • Vandale, Sie wissen ganz genau, dass es auch in Deutschland derartige Prostitution für die Energiekonzerne gibt: Wie viel Geld erhalten Sie dafür, dass Sie in dieser Rubrik regelmäßig ketzerische Kommentare platzieren, die jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehren? Was ist daran falsch, wenn ein Öko-Konzern Umsätze generiert? WWF, Greenpeace und Co. bekennen sich klar zum Öko-Lobbyismus und sind überwiegend spendenfinanziert. Demnach gibt es eine Menge Menschen, die im Gegensatz zu Ihnen, ein Interesse an Umweltschutz haben. Nicht allen ist die Zukunft egal.

  • Soweit mir bekannt gibt es in den USA ein paar Lobbygruppen die von der Energiebranche bezahlt werden. Dennoch klagen diese, dass sie verglichen mit den Schutzgeldzahlungen an die Oekolobby sehr kurz gehalten werden.

    Soweit veröffentlicht generieren Greenpeace, WWF und andere Oekokonzerne weltweit jeweils Umsätze in 3-stelliger Millionenhöhe.

    Ich meine, dass alle Europäischen Initiativen die sich kritisch mit der Oekoreligion, Klimaschwindel, oder "Erneuerbaren Energien" auseinandersetzen keine Unterstützung erhalten.

    Vandale

  • KOMMENTATOREN WERDEN VON ENERGIE-LOBBY BEZAHLT!

    Es ist schon sehr auffällig, dass sich in den einschlägigen Foren zu Klimawandel und Energie immer dieselben „Kritiker“ zu Wort melden. Längst ist öffentlich bekannt, dass viele sogenannte „Klimaskeptiker“ von der Energie-Lobby bezahlt werden, um gezielt und systematisch Zweifel an Klima-Wissenschaft und -Politik zu streuen. Oft sind die Anmerkungen mit pseudowissenschaftlichen Thesen untermauert, die keiner Überprüfung standhalten. Der Grund: Eine ambitionierte Klimapolitik, die auf Energieeffizienz und dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien setzt, zwingt die großen, konventionellen Energiekonzerne zu strukturellen Anpassungen. Das bedeutet, sie verlieren ihre Monopolstellung in Wirtschaft und Politik.

    In einem Dossier der ZEIT heißt es: „Rund 420 Millionen Dollar investiert die Öl- und Gasindustrie in die Produktion des Zweifels – allein in den Jahren 1997 bis 2004.“ (Die Klimakrieger in: DIE ZEIT, 22.11.2012 Nr. 48). http://www.zeit.de/2012/48/Klimawandel-Marc-Morano-Lobby-Klimaskeptiker

    Jeder muss selbst wissen, wofür er sich prostituiert. Aber selbst die Klimaskeptiker wissen: Kein seriöser Wissenschaftler auf dieser Welt zweifelt ernsthaft am menschengemachten Klimawandel. Sicherlich wird im Einzelfall über den Schweregrad und die Eintrittswahrscheinlichkeit der negativen Folgen diskutiert. Aber über die Richtung herrscht ein breiter wissenschaftlicher Konsens.

  • Hallo hanwufu
    Der Handel mit heißer Luft wirkt volkswirtschaftlich wie ein Parasit, verhindert sinnvolle und nützliche Produktionen einschließlich Arbeitsplätzen, baut weitere bürokratische Strukturen auf und sollte deshalb komplett abgeschafft werden. Dann würden sich auch alle Ihre Verbesserungsvorschläge von selbst erledigen. Die verlangen nämlich auch wieder nur nach mehr Bürokratismus
    Alina Alanka

  • Welchen Sinn sollen diese Zertifikate erfüllen ausser die Industrie der EU zu strangulieren?

    Meinen Sie nicht, dass man auch in der EU den mittelalterlichen Glauben an Weltuntergangskatastrophen wie Waldsterben, Ozonloch und den an die CO2 Klimahölle aufgeben sollte?

    Vandale

  • Sie schreiben es ja selber in den Artikel, dass der Emissionshandel auch ungesehen eingestampft werden könnte. Was nicht knapp ist, ist auch nicht wertvoll.

    Eigentlich kann man nicht sagen, dass der Emissionshandel in der Krise sei. Das Preisniveau ist eben nur niedrig. Ich denke aber, dass die EU den Zügel anziehen sollte.

    (1) Ich halte es für unsinnig, dass "per Hand" die EUAs allokiert, und schon gar dass diese auf nationaler Ebene verteilt werden. Eine Art Primärmarktauktion halte ich für sinnvoller, d.h. EUAs gibt es nicht mehr umsonst, sondern müssen versteigert werden, ALLE.
    (2) Die EUAs sollten hinsichtlich ihres Gültigkeitszeitraum spezifiziert werden, z.B. Allowance zur Emission von 0.01t in KW12-YYYY, Allowance zur Emission von 0.1t in Q3-YYYY, usw. Wird ein EUA nicht genutzt verfällt diese automatisch. Die EUAs sind dann wie Forward-Start-Optionen.
    (3) Strafen werden nach Kalendarwochen abgerechnet, d.h. es der doppelte maximale Marktpreis der Kalendarwoche fällig, und es muss 1 EUA der nächsten Kalendarwoche geliefert werden.
    (4) Die Primärmarktauktionen erfolgen am Anfang jeder Kalendarwoche, z.B. EUAs die in 1 Jahr starten und 1 Kalendarwoche, 1 Monat oder 1 Quartal ab dann gültig sind. Die EU-Kommission kann dann quasi im Wochentakt auf mittelfristige Entwicklungen reagieren.
    (5) Die EU-Kommission sollte aber dies nicht als Einnahmequelle betrachten (obgleich diese Leute ja nach einer EU-Steuer lechzen), sondern auch die Freiheit haben EUAs zurückzukaufen (z.B. aus den Mitteln der Auktionserlöse). Naja aber wahrscheinlich wäre das Stichwort "Einnahmequelle" genau der Anreiz für die EU-Kommission das EUA-Preisniveau so halten, dass es vielleicht sogar für die Klimaziele Sinn macht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%