Klima-Orakel Kann Fleischverzicht den Klimawandel bremsen?

Leser fragen, Klima-Experten antworten. Diesmal will Sophie Grunwald aus Remagen wissen: „Wäre der Klimawandel zu stoppen, wenn alle Menschen Vegetarier würden?“ Andreas Grabolle, Autor und Ernährungsexperte, antwortet.
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Eine nachhaltige und klimaschonende Ernährung muss nicht rein pflanzlich sein. Quelle: dpa

Eine nachhaltige und klimaschonende Ernährung muss nicht rein pflanzlich sein.

(Foto: dpa)

Laut Welternährungsorganisation trägt die Tierhaltung 18 Prozent zum weltweiten Treibhausgasausstoß bei – mehr als der Transportbereich. Die Klimawirkung geht vor allem auf sogenannte ‚Landnutzungsänderungen‘ wie Regenwaldabholzung für Futtermittelanbau und Viehweiden zurück. Bedeutend sind zudem die Verdauungsgase von Wiederkäuern und die Emissionen durch Mineraldünger und Gülle.

Intensive Tierhaltung und Fischzucht haben dazu erheblichen Anteil an der Zerstörung von Ökosystemen und der Wasserverschmutzung. Angesichts des Bevölkerungswachstums verschärft der intensive Futtermittelanbau zunehmend Probleme wie die Verfügbarkeit von Wasser und Lebensmitteln sowie die Bodenerosion und die Verletzung von Landrechten.

Zwar ist auch die intensive Produktion pflanzlicher Nahrung nicht nachhaltig. Wegen der Futtermittelproblematik sind pflanzliche Kalorien aber meist weitaus effizienter zu erzeugen als tierische. Je mehr Menschen sich anstelle von Fleisch mit eiweißreichen Getreiden und Hülsenfrüchten ernähren, desto mehr Flächen können statt für Futtermittel dem ökologischen Anbau von Nahrungspflanzen dienen.

Eine nachhaltige und klimaschonende Ernährung muss nicht rein pflanzlich sein. Wo Wiederkäuer nicht zu dicht auf bestehendem Grünland leben und sich bloß von dort wachsenden Pflanzen ernähren, können sie zur Humusbildung beitragen und damit Treibhausgase binden.

Und sofern sie nicht mit Blei gejagt werden, kann man rein ökologisch auch gegen das Fleisch einiger Wildtiere nichts einwenden. Stoppen lässt sich der Klimawandel mit keiner Maßnahme. Unsere Ernährung kann aber sehr dazu beitragen, Ausmaß und Folgen zu verringern.

Andreas Grabolle ist Biologe, Wissenschaftsjournalist und Auto des Buches Kein Fleisch macht glücklich.

Das Klima-Orakel erscheint in Zusammenarbeit von Handelsblatt Online und der vom Bundesumweltministerium geförderten Initiative Klima sucht Schutz.

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10 Kommentare zu "Klima-Orakel: Kann Fleischverzicht den Klimawandel bremsen?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wie immer kommt es darauf an die richtige Balance zu finden.
    Das es ganz ohne CO2 auch nicht geht ist doch wohl klar
    und hat auch niemand behauptet.

    Also was soll jetzt dieser Rundumschlag
    nach dem Motto < ist alles Unsinn - Punkt > ???

  • Wenn Sie so weitermachen, werden vermutlich auch Sie eines Tages am eigenen Leibe erfahren, dass ein langes noch lange kein gutes Leben, sondern oft ein grauenhaftes Siechtum ist, das durch die High-Tech-Medizin nur künstlich verlängert wird.

    An alle wirklich interessierten Leser: Ernährung ist ein Grundbaustein der Gesundheit, ein zweiter ist Bewegung. Gelegentlichen Fleischkonsum kann ein Körper verkraften, aber keinen regelmäßigen und schon gar keinen starken, und das aus Massentierhaltung. Auch hier gilt: Jeder ist seines Glückes Schmied, und wer nicht hören will, muss eben fühlen.

  • Ja, ich esse gerne und viel Fleisch. Gesundheitlich fehlt mir nicht allzu viel. Meine Artgenossen werden mit einer solchen Ernährung nahezu 8 Jahrzehnte alt.

    Die Massentierhaltung ist sicherlich eine Errungenschaft des Industriezeitalters. Aehnlich der Eier bei denen solche aus Legebatterien die beste und gleichmässigste Qualität aufweisen, man könnte mit geringfügigen Mehrkosten Salmonellenfreie** Bestände schaffen*, ist die Qualität der Tiere und des Fleisches bei einer Massentierhaltung am höchsten. Auch hier könnte man bei grösserem Interesse seitens der Verbraucher leicht die Qualität weiter erhöhen.

    Vandale

    *Mein Wissensstand zu Lebensmitteln ist begrenzt. Die Erkenntnisse entstammen mündlichen Aussagen von Lebensmittelchemikern die im Auftrag eines Unternehmens Lebensmittel auf Rückstände untersucht und Bio Betriebe zertifiziert haben.
    **Salmonelleninfektionen können tödlich wirken

  • Zu den krankmachenden Auswirkungen des Fleischessens für den Menschen gibt es inzwischen massenhaft Studien: Der Anstieg des Fleischessens und der Anstieg der Zivilisationskrankheiten - Fettleibigkeit, Impotenz, mindere Spermienbeweglichkeit und -dichte, Brust- und Darmkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen usw - korrellieren signifikant. Hinzu kommen die in Kliniken immer fataler sich auswirkenden Antibiotikaresistenzen (durch Rückstände im Fleisch, aber auch dank Massentierhaltung im Trinkwasser) und weitere Medikamentenrückstände im Fleisch. Außerdem gibt es valide STudien aus der Physik, die einen Zusammenhang von der Übertragung von Zellinformationen vom Tier auf den ihn essenden Menschen vermuten lassen, wodurch der Satz, wer Fleisch isst, isst Angst, einen anderen, sehr direkten Sinn bekommt.

  • @vandale
    Wenn ich Ihre Äußerung richtig interpretiere, scheint die moderne Massentierhaltung ja ein Segen für die Menschheit zu sein. Regelmäßig Fleisch essen muss aber nicht bedeuten, täglich drei Mal Fleisch zu essen bzw. überhaupt täglich Fleisch zu essen. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung sieht anders aus. Fleisch essen war einmal ein Statussymbol und in den aufstrebenden Ländern wie China ist es das auch heute. Was das für Auswirkungen hat, wenn jeder Mensch massenhaft Fleisch ist, kann man ja in den Schweinemastbetrieben und den Geflügelzuchtfarmen einmal selbst in Augenschein nehmen. Wenn Fleisch günstiger zu kaufen ist als Gemüse kann das nur an der hohen Qualität liegen. Ob man sich selbst mit übermäßigem Fleisch essen einen Gefallen tut, muss jeder selbst entscheiden. Ich tue meinem Körper das auf jeden Fall nicht mehr an - und vermisse nichts.

  • Natürlich kann man durch Fleischverzicht allein den Klimawandel nicht stoppen, aber seinen Beitrag dazu leisten, dass er nicht noch gesteigert wird. Und nicht nur das: Man erspart unzähligen Tieren ein unsäglich qualvolles Leben in unerträglicher Enge, einen brutalen Transport mit häufigen Knochenbrüchen und Verletzungen und eine bestialische Schlachtung voller Todesangst und Qualen (bei 30 Prozent der Tiere funktioniert die Betäubung nicht, der Fleißbandarbeit sei Dank, und sie werden bei vollem Bewusstsein aufgeschlitzt, zerlegt und gebrüht). Man tut etwas für seine Gesundheit, weil man sich die Medikamenten-, Adrenalin- und Pestizidrückstände im Fleisch erspart; zudem fördert Fleisch im viel zu langen, zottigen Darm des Menschen Darmkrebs. Man tut etwas für den Artenschutz, denn die Futterpflanzenmonokulturen vernichten, vor allem wenn es Gentechpflanzen sind, nachhaltig den Artenreichtum. Man tut etwas gegen die weitere Verseuchung von Boden, Wasser und Luft - man googele dazu mal zu den Stichworten Massentierhaltung und Umwelt oder Industrieschwein, Mastanlagen und Bürgerinitiativen (etwa in Hassleben). Und Männer tun was für die Potenz und Frauen gegen die Gewichtzunahme und gegen Brustkrebs, denn die Maststoffe machen fett und impotent, und die Stoffe zur Steigerung der Milchproduktion fördern den Brustkrebs. Und noch was an die Dauerleugner des menschlichen Anteils am Klimawandel: Wer leugnet, dass die massenhafte Versiegelung der Landschaft, das großflächige Fällen von Waldflächen, die Vernichtung der Arten, die Explosion der Städte, das Rausblasen von Abwärme und Abgasen keinen Einfluss auf das Klima hat, besitzt noch nicht mal rudimentäre Kenntnisse von biologischen Zusammenhängen und Vernetzungen´.

  • Der Artikel wendet sich gegen die Massentierhaltung die es dem Normalmenschen erlaubt regelmässig Fleisch zu essen. Wild wird dagegen nicht als "klimaschädlich" deklariert.

    Das visionäre Gesellschaftsmodell eines ökologischen Staates ist offensichtlich ein sehr feudalistisches Modell.

    Der Normalbürger soll offensichtlich unter sehr bescheidenen Verhältnissen, am besten ohne Auto, beheizter Wohnung und ohne Fleisch leben. Die Klimanobelpreisträger und Sonnenkönige in ihren Palästen und Schlössern können dann unbeschwert dem Jagdvergnügen nachgehen.

    Vandale

  • @HofmannM
    Bitte bleiben Sie sachlich und informieren Sie sich bitte, bevor Sie einen Kommentar schreiben.
    Z. B. bei der Deutschen Geselschaft für Meteorologie:
    http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/aktivitaeten/pdf/klimastatement_2003.pdf

  • Das Erdklima ist seit Milliarden Jahren im Wandel. Massgeblichen Einfluss haben die Sonneneinstrahlung und der Wasserdampf in der Atmosphäre.

    Der Einfluss des Menschen scheint sich bislang lediglich auf das lokale Klima auszuwirken. Die grossflächigen Abholzungen in verschiedenen Teilen der Welt haben lokal sicherlich das Klima beeinflusst.

    Die Theorie der Klimaschwindler, dass im Verhältnis zur Gesamtemission geringfügige zusätzliche CO2 Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht absorbiert würden, sich wie auf einem Sparkonto in der Atmoshäre ansammeln würden und das Erdklima massiv beeinflussen würden, ist nicht allzu plausibel.

    Mehr als mit einem Fleischverzicht könnte man solche ökoreligiösen Weltuntergangssagas verhindern indem alle Oekoschwindler eine Nasenklammer für mehr als 5 Minuten tragen.

    Dann gäbe es keine neuen Oekosagas wie Endliche Rohstoffe, Waldsterben, Erneuerbare Energien, Ozonloch, Gräusliche Genkreaturen, Dämonische Atomstrahlen und Klimawandel mehr.

    Die Menschheit könnte sich mit sinnvolleren Dingen beschäftigen.

    Vandale

  • (...)
    Der Mensch kann das Klima nicht steuern und damit auch nicht wandeln!
    Auch das Methan und das CO2 sind nur Gase, die keinen Einfluss auf das Klima haben! CO2 ist ein lebenswichtige Gas. Ohne CO2 würde unser Atemmechanismus nicht funktionieren. Ohne CO2 und Methan würde es kein Pflanzwachstum geben. In Gemüsegewächshäuser wird zusätzlich CO2 Gas eingeleitet um das Wachstum der Pflanzen zu verbessern. Auch die Tiere sind auf das CO2 zwingend angewiesen. Ohne CO2 würde unsere Lebens-Welt nicht existieren können!
    Der Sonnen- und Erdkernreaktor bestimmt das Klima auf Erden. CO2 und Methan Gase haben hierauf keinen Einfluss! Kommt endlich von eurem ideologischen Ökotirp runter und wendet euch wieder der realen Weltwissenschaft zu!
    Danke!
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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