Klima-Orakel Warum Heizen mit Strom keine gute Idee ist

Leser fragen, Klima-Experten antworten. Diesmal will Ralf Scherer aus Temmels wissen: „Warum gilt Heizen mit Strom als umweltschädlich, Autofahren mit Strom aber nicht?“ Sven Schneider vom Umweltbundesamt antwortet ihm.
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Gegenwärtig entstehen mehr als doppelt so viele CO2-Emissionen, wenn mit Strom anstelle von Erdgas geheizt wird. Quelle: ap

Gegenwärtig entstehen mehr als doppelt so viele CO2-Emissionen, wenn mit Strom anstelle von Erdgas geheizt wird.

(Foto: ap)

Diese abweichende Einschätzung ist möglich, weil das System ‚Heizen‘ und das System ‚Autofahren' getrennt zu betrachten sind: Die Stromheizung ist mit einer Erdgasheizung zu vergleichen und das Elektrofahrzeug mit einem Benzin- oder Dieselauto.

Die Emissionen einer konventionellen Stromdirektheizung liegen bei etwa 560 Gramm CO2 pro Kilowattstunde, wenn man den aktuellen deutschen Strommix zugrundelegt. Erdgas-Brennwertkessel verursachen dagegen maximal 250 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Das heißt: Gegenwärtig entstehen mehr als doppelt so viele CO2-Emissionen, wenn mit Strom anstelle von Erdgas geheizt wird.

Die Bundesregierung plant, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung kontinuierlich zu erhöhen. Damit nimmt auch der Umweltnachteil der Stromheizungen kontinuierlich ab. Doch selbst bei geringen Emissionen haben Stromheizungen weiterhin den Nachteil, dass sie für die Wärmebereitstellung einen sehr hochwertigen Energieträger –nämlich Strom – einsetzen.

Ein in Deutschland neu zugelassenes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor stößt im Schnitt etwa 142 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Ein Elektroauto ist vor Ort schadstofffrei. Seine Gesamtemissionen hängen – wie auch bei der Stromheizung – vom verwendeten Strom ab.

Schon mit dem aktuellen Strommix in Deutschland weisen Elektrofahrzeuge eine geringfügig bessere Klimabilanz auf als Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Durch die anvisierte Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wird der Umweltvorteil der Elektrofahrzeuge künftig immer mehr zunehmen.

Das Klima-Orakel erscheint in Zusammenarbeit von Handelsblatt Online und der vom Bundesumweltministerium geförderten Initiative Klima sucht Schutz.

 

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17 Kommentare zu "Klima-Orakel: Warum Heizen mit Strom keine gute Idee ist"

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  • Was Ihre negative Einschätzung der derzeitigen Energiepolitik betrifft stimme ich Ihnen zu, aber von der «sehr umweltfreundlichen Kernenergie» zu schreiben, ist doch gelinde gesagt naiv.

  • Es liest sich als hätte diesen Artikel Pippi Langstrumpf geschrieben: «ich mach mir die Welt, so wie sie mir gefällt...».

    Die wahrheitsgemäße Antwort wäre doch, dass E-Heizungen neben der schlechten Energieausbeute böse sind, weil sie, einmal eingebaut, ewig halten und damit Arbeitsplätze vernichten während durch die Förderung von Elektroautos viele neue Arbeitsplätze (künstlich) geschaffen werden können.
    Dann hat die Bundesregierung auch ohne viel Trickserei eine schöne Arbeitslosen-Statistik, muss nicht um ihre Wiederwahl fürchten und die Minister können genug Dienstjahre im Amt bleiben, um später mit maximalen Bezügen in den Ruhestand zu gehen.

  • Wir heizen direkt mit echtem Ökostrom über unsere elektrische Fussbodenheizung.Dafür, dass sie sicher 100 Jahre hält, war die Investition gering. Wenn jetzt noch mit intelligentem Stromzähler Strom bei Stromüberfluss (z.B. Windstrom nachts ) bezogen werden könnte, wäre die Wirtschaftlichkeit unschlagbar.

  • Danke Herr Koch,
    ihr Text muss der Inhalt des Artikels sein und ist die einzig richtige Antwort auf die Leserfrage, der aktuelle Inhalt des Artikels scheint Lobbyarbeit/Propaganda zu sein.

  • (Fortsetzung)

    Dies wurde erst vor Kurzem in einer Studie der TU München bestätigt.

    Des weiteren können Heizanlagen mit Wärmepumpen in Zukunft dazu genutzt werden, die durch den wachsenden Anteil von Wind- und PV-Strom belasteten Stromnetze zu stabilisieren. In Zeiten eines Stromüberangebots können Wärmepumpen durch intelligentes Lastmanagement Produktionsspitzen glätten und so verhindern, dass regenerative Stromproduzenten abgeschaltet werden müssen, um einen Zusammenbruch der Netze zu verhindern. Somit ist eine bessere Ausnutzung der regenerativen Stromerzeuger möglich.

    Das Heizen mit Strom ist also nicht per se umweltschädlich – ganz im Gegenteil: Mit dem richtigen System ist es ökologisch ausgesprochen wertvoll.

    Beste Grüße,
    Michael Koch (Bundesverband Wärmepumpe e. V.)

  • Liebe Handelsblatt-Redaktion,
    Lieber Herr Schneider,

    erst einmal sind wir froh, dass Sie an der Debatte über die Vor- und Nachteile verschiedener Wärmeträger teilnehmen. Dies böte eigentlich die Gelegenheit, hier mit einigen Vorurteilen gegenüber Strom als Heizenergie aufzuräumen. Da dies leider in dem Kommentar unterlassen wird, möchte ich gern einige Ergänzungen vornehmen.

    Stromheizung ist nicht gleich Stromheizung. Die Aussagen von Herrn Schneider zur Umweltbilanz stromgeführter Heizsysteme sind daher nicht grundsätzlich falsch, leider aber unangemessen pauschal. Das Zauberwort heißt Effizienz. Wärmepumpen punkten hier im Vergleich Stromdirektheizungen mit besten Werten.

    Die Effizienz einer Wärmepumpe drückt sich in der so genannten Jahresarbeitszahl (JAZ) aus. Diese beschreibt das Verhältnis zwischen der angesetzten Antriebsenergie und der erzeugten Wärmeenergie. Die Wärmepumpe nutzt den Strom, um thermische Energie aus dem Boden, dem Grundwasser oder der Umgebungsluft zu gewinnen. Moderne Wärmepumpensysteme können heute Jahresarbeitszahlen von 4,0 und mehr erreichen, also aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärme erzeugen. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile. Nicht umsonst liegt der Marktanteil der Wärmepumpe bei Einfamilienhäusern im Neubau z.B. in NRW bei 30 Prozent.

    Die hohe Effizienz schlägt sich natürlich auch in der CO2-Bilanz nieder. So können die im Beitrag genannten Werte generell durch die Jahresarbeitszahl geteilt werden. Und: Je grüner der Strommix und je höher die Effizienz, desto klimafreundlicher arbeitet die Wärmepumpe. Wird sie mit einer eigenen PV-Anlage betrieben, arbeitet sie vollkommen CO2-neutral. Da der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix ständig steigt, verbessert sich damit auch die Öko-Bilanz der Wärmepumpe kontinuierlich, womit ihre ökologischen Vorteile gegenüber fossilen Heizträgern immer größer werden – auch gegenüber gasbasierten Systemen. Dies wurde erst vor Kurzem in einer Studie der TU München be

  • Liebes HB,
    für das kritiklose Abdrucken dieses Volksverdummungsartikel aus dem Umweltministerium solltet ihr euch schämen. Dass euch der Trick mit den verschwiegenen Emissionen bei der Stromerzeugung für die Elektrofahrzeuge nicht aufgefallen ist, könnt ihr mir nicht erzählen. Hier kommt der alte Spruch "Wozu Kraftwerke, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose?!" gut zum Einsatz. Aber nur bei den E-Mobilen brauchen wir keine Kraftwerke. Bei den E-Heizungen dann wieder doch. Der ADAC hat in der letzten Ausgabe die niederschmetternde Ökobilanz eines E-Fahrzeugs ermittelt. Der CO2-Ausstoß liegt beim E-Mobil höher als beim Verbrenner. Nur weil das CO2 bei der Stromerzeugung im Kraftwerk ausgestoßen wird und nicht beim Fahrzeug, heißt es also im HB, dass der CO2-Ausstoß gleich null ist? Nicht, dass mich das CO2 beunruhigt. Aber mich beunruhigt, dass das HB sich als Propagandablatt vereinnahmen lässt. Einfach nur widerlich.

  • Vor ca. 1 Jahr erschien in der Ostseezeitung ein Bericht über das "schädliche" Heizen mit Strom (Stichwort Nachtspeicherheizungen). Darin enthalten war u.a. ein Interview mit einem "Experten" eines öffentlich geförderten Umweltverbands. Sein Fazit: Heizen mit Strom "schlecht" daher umrüsten auf andere Technologien. Im Artikel befand sich zudem ein Link auf einen Rechner, der belegen sollte, wie "dumm" das Heizen mit Strom ist. Da ich meine bisherigen Heizkosten (Nachtspeicher und Warmwasseraufbereitung mit Strom) als nicht besonders hoch betrachtet habe, ließ ich eine Berechnung mit meinen Verbrauchsdaten durchführen. Ergebnis: Laut Berechnung müsste ich ca. 1/3 MEHR verbrauchen, um eine optimales Ergebnis zu erzielen. Die durchschnittlichen Werte für Nachtspeicher würden ca. 200% meines Verbrauchs betragen. Zudem erschien ein Hinweis, dass entweder meine Angaben falsch seien oder die Wohnung (Haus ist ein "normales" Haus, Baujahr 1974) über besondere energetische Eigenschaften verfügen würde. Die im Artikel hervorgestellten Alternativen konnte ich aufgrund der Erfahrung mit zwei anderen Wohnungen nur als Hohn und absoluten Unfug betrachten (zumindest wenn ich die Kostenseite betrachte). Mein Fazit: Es kommt mir keine andere Heizungsvariante ins Haus

  • Hi Kritiker...die Technik ist in der Tat komplexer als Sie meinen.

    Der umweltschädliche Solarstrom fällt grösstenteils (ca. 5x mehr)im Sommer an wenn normale Leute nicht heizen.

    Die Windstromeinspeisung erfolgt gem. der Launen des Wetters. Es kann 5 Tage in Folge hohe Einspeisungen geben und dann wiederum ein paar Tage keine. Der höchste Heizungsbedarf tritt bei windarmen Hochdrucklagen auf.

    Vandale

  • @ Kritiker

    Herr Ralf Scherer hat es nicht gemerkt.
    Herr Sven Schneider vom Umweltbundesamt hat es nicht gemerkt.
    Keiner hat es gemerkt ausser Kommentator Kritiker.

    Es geht um das EI DES KOBUMBUS, welches uns in der derzeitigen Misere helfen kann. Fakt ist, daß oft tagsüber ein Überangebot an Strom vorhanden ist. Besonders wenn die Sonne scheint oder der Wind weht.
    Man benenne Nachtspeicher Heizung in Tagspeicher Heizung um und das Überangebot ist sinnvoll genutzt. Die Ladung von Speicher Heizungen kann schon seit langem gebietsweise und ferngesteuert werden.

    Der Titel müßte lauten:
    Warum heizen mit Strom eine Super Idee ist und umweltfreundlich.

    E - Car lt. Absatzzahlen kommt später.

    Schönen Tag noch.

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