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Klimakrise schürte Konflikt Wie der Klimawandel den Syrien-Krieg anheizte

Seit vier Jahren tobt ein verheerender Bürgerkrieg in Syrien. US-Klimaforscher kommen in einer aktuellen Studie zu dem Schluss: Die globale Erwärmung trägt eine Mitschuld daran, dass der Konflikt in dem Land eskalierte.
Seit vier Jahren verwüstet ein blutiger Bürgerkrieg das Land. Die Zahl der Opfer dürfte in die Hunderttausende gehen. Quelle: Reuters
Tod und Zerstörung in Syrien

Seit vier Jahren verwüstet ein blutiger Bürgerkrieg das Land. Die Zahl der Opfer dürfte in die Hunderttausende gehen.

(Foto: Reuters)

Heidelberg Seit bald vier Jahren tobt in Syrien ein verheerender Bürgerkrieg, der bislang wahrscheinlich 200.000 Menschenleben forderte. Millionen sind im Land auf der Flucht oder suchten Schutz in Lagern im Libanon, der Türkei oder in anderen Staaten der Region. Ganze Städte wurden ausgelöscht und zerstört. Aus einem Protest gegen die herrschende Familie um Baschar Hafiz al-Assad wurde eine blutige Schlacht zwischen verschiedenen verfeindeten Milizen, Islamisten und Regierungstruppen.

Der entscheidende Auslöser für den Konflikt könnte eine extreme Dürre gewesen sein. In einer aktuellen Studie kommen Colin Kelley von der University of California in Santa Barbara und seinen Kollegen zu dem Schluss, dass die anhaltende Trockenheit einen latent vorhandenen gesellschaftlichen Konflikt eskalieren ließ.

„Wir behaupten nicht, dass die Dürre den Krieg verursacht hat. Aber sie addierte sich zu all den anderen Stressfaktoren – und bildete damit vielleicht den Zündfunken, der zum offenen Krieg führte“, sagt Richard Seager, Klimatologe am Columbia University's Lamont-Doherty Earth Observatory, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Die Dürre begann demnach im Jahr 2006 und dauerte bis 2010. Sie erfasste weite Teile des so genannten fruchtbaren Halbmonds am Oberlauf von Euphrat und Tigris in der Türkei, dem Irak und in Syrien. Verschärft wurde die Trockenheit durch mangelhaftes Wassermanagement, das unter anderem durch die Landwirtschaftspolitik Assads gefördert wurde, meint Shahrzad Mohtadi von der Columbia School of International and Public Affairs.

Diese ermutigte zum Anbau von exportfähigen Produkten wie Baumwolle, die jedoch viel Wasser benötigen und vielfach künstlich bewässert werden müssen. Deshalb bohrten die Landwirte zahlreiche, teils illegale Brunnen, um ihre Felder ausreichend mit dem Nass zu versorgen. Dadurch sank allerdings der Grundwasserspiegel in der Region, was sich über Satellitendaten nachweisen lässt.

Dazu kam das starke syrische Bevölkerungswachstum in den letzten Jahrzehnten: Zwischen 1950 und 2010 wuchs die Zahl der Bewohner von vier auf mehr als 20 Millionen, was den Druck auf natürliche Ressourcen massiv verstärkte. „Rasche demografische Veränderungen begünstigen Instabilität. Und eine Dürre kann zu verheerenden Konsequenzen führen, wenn sie auf eine bereits verletzliche Gesellschaft trifft“, schreiben die Forscher.

Millionen flohen in die Städte

Zwischen 2006 und 2010 herrschte im Nahen Osten eine heftige Dürre, wie diese Satellitenkarte der Nasa andeutet: Sie zeigt, wie
Dürre im fruchtbaren Halbmond

Zwischen 2006 und 2010 herrschte im Nahen Osten eine heftige Dürre, wie diese Satellitenkarte der Nasa andeutet: Sie zeigt, wie "grün" die Vegetation ist verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt. In weiten Teilen des Nahen Ostens herrschen Brauntöne vor, entsprechend schlecht hat sich der Bewuchs entwickelt. (Foto: Nasa)

Die Folgen der anhaltenden Trockenheit machten sich auch rasch sozial und wirtschaftlich bemerkbar: Landwirtschaft trug vor der Krise ein Viertel zum syrischen Bruttoinlandsprodukt bei, doch ihre Produktion brach mit der Dürre um ein Drittel ein. Im besonders hart betroffenen Nordosten – heute zum großen Teil in der Hand der Terrormiliz „Islamischer Staat“ – gingen praktisch alle Viehherden ein. Die Getreidepreise verdoppelten sich, und Mangelernährung unter Kindern nahm zu.

Bis zu 1,5 Millionen Menschen flohen in die Städte, wo sie mit weiteren Flüchtlingen aus dem benachbarten Irak um Nahrung und Unterkunft konkurrierten. „Das Assad-Regime unternahm wenig, um den Menschen in diesen chaotischen Lagern in den Vorstädten zu helfen“, so Mohtadi – und vor allem hier begann die Revolte gegen die Regierung.

Kelley und Kollegen untersuchten aber auch, was zu der gegenwärtigen klimatischen Krise in der Region beigetragen hat. Dieser Teil des Nahen Ostens wird regelmäßig von schweren Dürren heimgesucht. Womöglich ging deswegen bereits das Reich von Akkad vor 4200 Jahren unter, das große Teile des fruchtbaren Halbmondes umfasste und fast bis an die Mündung des Euphrat in den Persischen Golf reichte.

Im letzten Jahrhundert traten stärkere Dürren in den 1950er, 1980er und 1990er Jahren auf, doch fiel keine in der jüngeren Vergangenheit so heftig aus und dauerte so lang wie die letzte mit Beginn im Jahr 2006. Und diese Katastrophe könnte bereits mit dem Klimawandel zusammenhängen, so die Wissenschaftler – zumindest sprächen verschiedene Daten und Modellberechnungen dafür.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts heizte sich die Region um durchschnittlich 1 bis 1,2 Grad Celsius auf, was über dem globalen Trend für diesen Zeitraum liegt. Gleichzeitig nahmen die Niederschläge während der winterlichen Regenzeit um rund zehn Prozent ab – beides stimmt mit Modellberechnungen zum globalen Klimawandel überein.

Und das nimmt den Nahen Osten doppelt in die Zange: So schwächten sich im östlichen Mittelmeerraum die Winde ab, die normalerweise während des Winters und Frühlingsanfangs feuchte Luftmassen in Richtung Vorderasien bringen, weshalb weniger Schnee und Regen an Land fällt. Steigende Sommertemperaturen hingegen erhöhten die Verdunstung aus den Böden und verschärften so auf Dauer Hitzewellen beziehungsweise steigerten den Bewässerungsbedarf – was die ohnehin knappen Ressourcen weiter reduzierte.

IPCC-Vorhersage bestätigt

Mit ihrer Studie bestätigen die Forscher frühere Arbeiten, die ebenfalls häufigere Dürren im Mittelmeerraum belegen – vor allem weil die winterlichen Niederschläge zurückgehen. Das Nachlassen der Winde hängt demnach mit ozeanischen Fernwirkungen zusammen, beispielsweise dass sich der Indische Ozean stärker erwärmt als Ozeane in höheren Breiten.

Dadurch verändert sich die atmosphärische Zirkulation, und das hat Folgen: Über dem östlichen Mittelmeerraum stellt sich häufiger hoher Luftdruck ein, der den Transport von Regenwolken unterbindet.

In seinen Sachstandsberichten prognostizierte der Weltklimarat IPCC, dass mit der fortgesetzten Erderwärmung auch die Austrocknung des Nahen Ostens voranschreitet, was angesichts der wachsenden Bevölkerung die sozialen und politischen Spannungen vor Ort weiter verstärken dürfte. Der Politologe Solomon Hsiang von der University of California in Berkeley sieht diese Voraussage durch die Untersuchung von Kelley und Kollegen nun bestätigt: „Die Studie zeigt erstmals, dass der menschengemachte Klimawandel bereits jetzt das Risiko für Unruhen und gewalttätige Konflikte erhöht.“

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