Klimaphänomen El Niño Godzilla tritt ab

Der stärkste jemals beobachtete El Niño neigt sich dem Ende zu. Er brachte Dürre nach Südostasien, Starkregen nach Südamerika und Blumenpracht ins Tal des Todes. Zurück lässt er vor allem eins: Ungewissheit.
Das Klimaphänomen war diesmal in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich, vor allem aber ungewöhnlich stark. Quelle: AFP
El Niño neigt sich dem Ende zu

Das Klimaphänomen war diesmal in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich, vor allem aber ungewöhnlich stark.

(Foto: AFP)

HeidelbergDrei Grad Celsius wärmer als normal war der zentrale Pazifik im November 2015. Es war die höchste bis dahin beobachtete Anomalie in jener Region, deren Oberflächentemperaturen Indikator für die ENSO sind – jenes unregelmäßige Klimamuster, dessen Extremzustände als El Niño und La Niña bekannt sind.

Der superwarme Zentralpazifik signalisierte den stärksten El Niño aller Zeiten, im englischen Sprachraum Godzilla genannt. Er brachte Dürre nach Südostasien, Starkregen nach Südamerika und Blumenpracht ins Tal des Todes. Nun liegt er offensichtlich in den letzten Zügen: Die Oberflächentemperatur in der entscheidenden Region des Pazifiks ist nur mehr ein Grad Celsius über der Norm – und fallend.

Wetterextreme der Erde
Höchste je gemessene Temperatur
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Die bislang höchste Temperatur, die seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erfasst und offiziell anerkannt wurde, erreichte das kalifornische Death Valley (Bild) am 10. Juli 1913: Heiße 56,7 Grad Celsius zeigte das Thermometer in Furnace Creek im Zentrum der Senke an.

Diesen Wert bestätigte die World Meteorological Organization vor wenigen Jahren und legte damit einen langen Streit bei. Denn um diesen Titel konkurrierte auch der libysche Ort El Azizia, an dem am 13. September 1922 sogar 58 Grad Celsius erreicht worden sein sollen. Doch sprach eine Kontrolle der Daten und Fakten der Örtlichkeit letztlich dagegen, dass dieser Höchststand tatsächlich erreicht worden ist.

Tiefste je gemessene Temperatur
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Minus 45,9 Grad Celsius wurden am 24. Dezember 2001 am Funtensee in den Berchtesgadener Alpen gemessen. Das ist Negativrekord für Deutschland, verglichen mit der russischen Antarktisstation Vostok aber fast noch lauschig: Minus 89,2 Grad Celsius am 21. Juli 1983 bilden momentan den Negativpunkt auf dem für extreme Tiefstwerte ohnehin bekannten ostantarktischen Eisschild (Bild).

Schuld an der extremen Kälte ist auch die hohe Lage der Station, die sich auf knapp 3500 Meter Höhe über dem Meer befindet – die dünne Luft begünstigt die winterliche Auskühlung während der Polarnacht zusätzlich.

Der stärkste Regen innerhalb eines Tages
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Inseln in der Passatzone der Erde sind durch zum Teil extreme Niederschlagsgegensätze geprägt – so auch das französische Überseeterritorium La Réunion im Indischen Ozean. Während auf der Westseite im Regenschatten der örtlichen Berge an mindestens 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint, ist es im Südosten klatschnass. Beständig trägt der Südostwind feuchte Luftmassen heran, die sich an den Vulkanen Réunions stauen, abkühlen und abregnen, so dass allein sie schon jährlich rund 8000 Millimeter Regen bringen.

Ins Extrem kann dies aber noch gesteigert werden, wenn die Regenwolken eines Wirbelsturms auf das Eiland 670 Kilometer östlich von Madagaskar treffen: vom 7. auf den 8. Januar 1966 passierte der tropische Zyklon Denise die Insel und lud innerhalb von 24 Stunden 1825 Millimeter Regen auf dem Foc-Foc-Hochplateau der Insel ab – in Hamburg regnet es im ganzen Jahr im Schnitt 770 Millimeter.

Die größten Hagelkörner der Erde
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Erst wenn die Eiskörnchen einen Durchmesser von 0,5 Zentimeter überschreiten, sprechen Meteorologen von Hagel – alles darunter gilt als Graupel. Und während man in Deutschland vor allem die wirtschaftlichen Schäden von Hagel fürchtet, treten in anderen Teilen der Welt bisweilen auch lebensbedrohliche Brocken auf.

Der absolute und anerkannte Rekordhalter ist ein Unwetter vom 14. April 1986 im Bezirk Gopalganj in Bangladesch – damals prasselten bis zu ein Kilogramm schwere Geschosse auf die Erde; insgesamt zählten die Behörden 92 Todesopfer durch das Ereignis. Und während hierzulande meist Hagelkörner mit Durchmessern von nur wenigen Zentimetern vorkommen, maßen Beobachter am 23. Juli 2010 in Vivian, South Dakota, Brocken mit 20 Zentimeter Durchmesser und mehr als 47 Zentimeter Umfang.

Stärkste UV-Einstrahlung
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Wer sich im Mittelmeerraum an den Strand legt, muss mit einem UV-Index von 8 bis 9 rechnen – die Sonnenstrahlung ist dann so intensiv, dass man sich schützen sollte, um Hautschäden zu vermeiden. Verglichen mit den Werten, die Geowissenschaftler in den Anden Boliviens gemessen haben, erscheinen diese Werte wie Kleinkram: Während ihrer Beobachtungen in den Jahren 2003 und 2004 registrierten ihre Sensoren am 29. Dezember einen Indexspitzenwert von 43,3 – mehr hat man zuvor noch nie auf der Erde aufgezeichnet.

Mehrere Faktoren trugen zu diesem Rekordwert bei. So installierten die Forscher ihre Dosimeter am Gipfel des Vulkans Licancabur (Bild) in knapp 6000 Meter Höhe sowie an der Laguna Blance in 4340 Meter Höhe über dem Meer: Die dünne Höhenluft begünstigt hohe Werte für die Einstrahlung, da hier in der Stratosphäre darüber weniger Ozon vorhanden ist, das die UV-B-Strahlung normalerweise herausfiltert. Gleichzeitig stand die Sonne beim Rekord nahe ihrem Zenit. Zudem hatten Aerosole aus saisonalen Waldbränden sowie Unwetter zuvor ebenso zum Ozonabbau beigetragen wie eine starke Sonneneruption zwei Wochen vor dem 29. Dezember.

Stärkste Böen in einem Sturm
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Tornados gehören zu den gefährlichsten Wetterphänomenen der Erde: Es lässt sich kaum voraussagen, wo und wann genau sie entstehen, wohin sie ziehen und welche Gebiete sie treffen. 1200 der manchmal verharmlosend Windhosen genannten Ereignisse treffen allein die US-amerikanische Tornado Alley, eine besonders für ihre Bildung geeignete Region im Mittleren Westen.

Welche Wucht sie entfalten können, zeigen die mit einem fahrbaren Dopplerradar erfassten Windböen eines Tornados, der am 3. Mai 1999 eine Schneise der Verwüstung zwischen Oklahoma City und Moore zog: Eine seiner Böen erreichte die Spitzengeschwindigkeit von 484 Kilometer pro Stunde. Wenn es um mehr als nur eine Windböe geht, ist der Zyklon Olivia Rekordhalter. Er fegte am 4. April 1996 über die australische Insel Barrow mit einer Windgeschwindigkeit von 407 Kilometer pro Stunde.

Stärkster Sturm, der bislang registriert wurde
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Zu den gewaltigsten Wettererscheinungen der Erde gehören die Wirbelstürme der Tropen und Subtropen: Mit Dauerregen und Starkwinden sowie heftiger Brandung an der Küste können sie komplette Landstriche verwüsten.

Der bislang stärkste dieser Extremstürme war der Taifun Tip im Jahr 1979, er erreichte einen maximalen Durchmesser von 2200 Kilometern – und einen Luftdruck von nur 870 Millibar in seinem Auge, der tiefste Wert, der je außerhalb eines (sehr viel kleineren) Tornados gemessen wurde. Da von Taifun Tip keine guten Bilder existieren, hier ein Bild des kleineren Sturms Hagupit, der im Dezember 2014 im westlichen Pazifik wütete.

Das Wetterereignis war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich, nicht nur ungewöhnlich stark. Aufsehen erregten zwei „Blobs“ – Zonen ungewöhnlich warmen und kalten Wassers auf der Nordhalbkugel. In Kalifornien enttäuschte El Niño auf ganzer Linie. Statt der erwarteten und dringend erhofften enormen Niederschlagsmengen brachten Stürme zwar weit mehr Regen als in den letzten Dürrejahren, aber immer noch weniger als im langjährigen Mittel. Der gesamte Südosten der USA, in normalen El-Niño-Jahren kühler und feuchter, war in dieser Saison vor allem warm.

Und zuvor hatte El Niño die Wetterfrösche erst einmal warten lassen. Schon 2014 rechneten die meisten Fachleute damit, dass das Klimapendel in Richtung höherer Pazifiktemperaturen ausschlagen würde, doch es sollte zur wachsenden Irritation der Fachwelt noch ein Jahr dauern, bis sich die Vorhersage dann tatsächlich bestätigte. Die Verzögerung lag nach Ansicht von US-Forschern an plötzlichen starken Ostwinden, die kaltes Wasser vor der Küste Südamerikas aufsteigen ließen.

Das Klima des 21. Jahrhunderts ist Neuland
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