Klimawandel Auch in Europa könnte es künftig eine Hurrikan-Saison geben

Zwei Jahre hintereinander verursachten die Überreste tropischer Wirbelstürme auch in Europa schwere Schäden. Müssen wir uns auf eine europäische Hurrikan-Saison einstellen?
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Gleich zwei Hurrikane reihen sich auf diesem Satellitenbild aus dem Jahr 2016 auf, das die Meeresregion um Hawaii zeigt. Auch Europa bekommt immer häufiger die Folgen tropischer Wirbelstürme zu spüren. (Foto: Nasa Earth Observatory)
Stürmischer Doppelpack

Gleich zwei Hurrikane reihen sich auf diesem Satellitenbild aus dem Jahr 2016 auf, das die Meeresregion um Hawaii zeigt. Auch Europa bekommt immer häufiger die Folgen tropischer Wirbelstürme zu spüren. (Foto: Nasa Earth Observatory)

HeidelbergDie Wirbelsturmsaison 2018 hat es mal wieder in sich: Gleich zwei zerstörerische Hurrikane trafen den Südosten der USA – und auch Europa erwischte es. Am 14. Oktober brachten die Überreste des Sturms Leslie in Nord- und Zentralportugal Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern und in Spanien und Frankreich heftige Regenfälle. Mehrere Menschen starben.

Leslie ist, darauf deutet viel, ein Vorgeschmack auf eine Zukunft, in der auch Westeuropa so etwas wie eine Hurrikan-Saison bekommt. Denn die Auswirkungen der starken Stürme der Tropen reichen immer weiter nach Norden.

Belege für diesen Trend präsentiert nun eine internationale Arbeitsgruppe um Jan Altman von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, allerdings aus dem westlichen Pazifik. Diese Meeresregion hat die meisten und tendenziell auch die stärksten tropischen Wirbelstürme, die in diesem Teil der Welt „Zyklone“ genannt werden.

Wie Altman und sein Team jetzt im Fachmagazin PNAS berichten, treffen diese Taifune bereits seit den 1920er Jahren immer weiter nördlich auf Land. Das entnehmen die Fachleute einer Datenbank von Baumringen, die ein geografisches Gebiet von Südkorea bis zur russischen Ostküste überspannt.

Hurrikan „Florence“
Satellitenbild des Hurrikans „Florence“
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Der Tropensturm bewegt sich nur sehr langsam über die Ostküste Amerikas, sodass die Regenmassen noch lange andauern werden.

Naturgewalt
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In Wilmington, North Carolina, sind zahlreiche Bäume entwurzelt worden. Für eine Frau und ihr Kind hatte das tödliche Folgen.

Überschwemmung
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Das Gefährliche an „Florence“ sind vor allem die Wassermassen, die die Flüsse über die Ufer treten lassen und Straßen überfluten.

Anhaltende Regenmassen
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Laut Behördenangaben sind im Südosten der USA fünf Millionen Menschen von den Überschwemmungen betroffen.

Donald Trump
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Der US-Präsident hat sich in seinem Büro über den Hurrikan „Florence“ informieren lassen und angekündigt, selbst in die Krisenregion zu fahren.

Extremsport
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Der Kitesurfer Dimitri Maramenides wagte sich in die Fluten, um sich den Windgeschwindigkeiten von über 150 km/h zu stellen.

Sturmschäden
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An dieser Tankstelle in Wilmington sieht man die enorme Zerstörungskraft des Hurrikan. In North Karolina sind etwa 720.000 Menschen vom Strom abgeschnitten.

Anhand der Wachstumsmuster der Urwaldbäume bestimmte Altmans Team, wie häufig Bäume einer Region durch die starken Winde eines tropischen Zyklons beschädigt wurden. Die Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass speziell am nördlichen Rand des Hurrikan-Gebiets – auf der geografischen Breite von Bordeaux – die tropischen Wirbelstürme in den letzten 100 Jahren immer häufiger merkliche Waldschäden anrichteten, ganz analog zum aktuellen Sturm Leslie.

Die Autoren legen nahe, dass ein ähnlicher Trend auch im Atlantikraum zu entdecken ist. Ursache im Pazifik sei nämlich ein globales Phänomen: Bereits vor einem Jahrzehnt stellten Fachleute fest, dass sich die Tropen nach Norden und Süden ausdehnen – und damit auch jene Regionen, in denen das Wasser warm genug ist, um tropische Wirbelstürme mit Energie zu versorgen.

Europas Schutzschild schwindet

Dass die Überreste von Hurrikanen europäische Küsten treffen, ist schon heute keineswegs ungewöhnlich. Ein Teil der vor der westafrikanischen Küste entstehenden Stürme trifft nicht auf die Küsten der westlichen Hemisphäre, sondern dreht nach Norden ab – und wird dann von der Westwinddrift der mittleren Breiten gegen die Küsten Großbritanniens und Portugals getrieben.

Ein Beispiel war der Sturm Ophelia, der im Oktober 2017 weiter nördlich als jeder andere Sturm zuvor zu einem Hurrikan der Kategorie 2 wurde. Er traf schließlich in Irland mit zerstörerischen Windgeschwindigkeiten von bis zu 190 Stundenkilometern auf europäischen Boden.

Ophelia war allerdings ungewöhnlich, normalerweise sind die Hurrikane an den Küsten Europas nur noch Schatten ihrer selbst. Der Grund: Europa ist von einem Schutzschild aus kaltem Meerwasser umgeben, der jedem Hurrikan einen erheblichen Teil seiner Kraft entzieht, bevor er sich den Küsten der gemäßigten Breiten nähert.

Tropische Wirbelstürme brauchen Wasser mit Badewannentemperatur unter sich: Wärme und Verdunstung pumpen die Stürme mit Feuchtigkeit und potenzieller Energie voll und treiben sie auf diese Weise an.

Wirbelstürme, die über das kühlere Wasser der gemäßigten Breiten geraten, haben diese Energiequelle nicht mehr, und die intensiven Winde im Zentrum brechen zusammen. Das gilt im Nordatlantik ebenso wie im Westpazifik, wo Altmans Gruppe forschte.

Die sich ausdehnenden Tropen und das warme Wasser, das sie bringen, lassen den Kaltwasser-Schutzschild allerdings schrumpfen. Und das offenbar schon seit 100 Jahren, wie Asiens Bäume zeigen.

Zusätzlich zur nordwärts gerichteten Migration der Klimazonen werden die Meere auch insgesamt wärmer, und außergewöhnliche ozeanische Hitzewellen nehmen an Häufigkeit zu – wovon Hurrikane profitieren. Und in Zukunft dürfte der Trend wohl weitergehen, mutmaßt nicht nur die Forschungsgruppe um Altman.

Ein Team vom Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut sagte bereits 2013 ein deutlich höheres Risiko von Stürmen in Hurrikan-Stärke voraus. Besonders in jenen Regionen, die bisher lediglich die zerfallenden Reste tropischer Wirbelstürme erlebten, dürfte die Bedrohung durch die extrem energiereichen Stürme steigen.

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