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Klimawandel Bhutans Energiequellen trocknen aus

Bhutan besteht größtenteils aus Wald, das schreibt seine Verfassung vor. Aber auch als Land, das mehr Kohlendioxid schluckt als ausstößt, bekommt es die Folgen des Klimawandels immer deutlicher zu spüren.
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Laut Verfassung muss der Himalaya-Staat zu mindestens 60 Prozent aus Wald bestehen. Quelle: dpa
Waldreiches Bhutan

Laut Verfassung muss der Himalaya-Staat zu mindestens 60 Prozent aus Wald bestehen.

(Foto: dpa)

ThimphuDie Menschheit überlässt der Natur in Bhutan größtenteils das Feld. Nur an wenigen Stellen hat sie sich in Form von kleinen Städten, Serpentinenstraßen oder Reisfeldern an den Berghängen und in den Tälern breitgemacht.

Das buddhistische Himalaya-Königreich ist ähnlich groß wie Nordrhein-Westfalen und hat in etwa die gleiche Einwohnerzahl wie Frankfurt am Main. Mehr als zwei Drittel des Landes sind von Wald bedeckt. Laut Verfassung müssen es immer mindestens 60 Prozent sein. Industrie gibt es kaum.

Bhutan gilt als einziges klimaneutrales Land der Welt. Seine Absichtserklärung vor drei Jahren in Paris, klimaneutral zu bleiben, wurde von einigen Experten als ambitioniertestes Versprechen aller Teilnehmer der Klimakonferenz bewertet.

Bhutan ist nach eigenen Angaben jedoch nicht nur CO2-neutral, sondern sogar CO2-negativ – der Wald schlucke dreimal so viel Kohlendioxid wie das Land ausstoße. Mit anderen Worten: Weniger schuld am Klimawandel als Bhutan kann ein Land kaum sein. Und doch ist es für die Folgen besonders anfällig.

„Man kann es mit bloßem Auge erkennen“, sagt Dasho Benji, ein Umweltschützer, früherer UN-Botschafter in Genf und enger Berater des ehemaligen Königs, dessen Sohn nun herrscht. „Manche der Berggipfel waren früher wunderschön mit Schnee bedeckt. Jetzt ist da nur noch schwarzes Gestein.“ Auch die niedrigeren Pegel der Flüsse und das Verschwinden der Gletscher könne jeder sehen, so Benji.

Bhutan stillt seinen Energiebedarf fast ausschließlich mit Wasserkraft – und füllt damit auch die Staatskasse, denn ein großer Teil des Stroms wird an das Nachbarland Indien verkauft. Es handelt sich um Laufwasserkraft, also Kraftwerke ohne gewaltige Staudämme. Der Strom kann somit nicht gespeichert werden.

Absurde Situation

Das führt zu der absurden Situation, dass im Winter, wenn die Strömung der Flüsse nachlässt, Strom aus Indien importiert werden muss – zu höheren Kosten und ohne Garantie, dass er nicht aus Kohlekraftwerken stammt. Schwache Flussströmungen wird es aber immer mehr geben, denn überall im Land trocknen die Wasserquellen aus, wie Thinley Namgyel erklärt.

„Das scheint daran zu liegen, dass die Niederschläge, von denen auch unsere Landwirtschaft abhängt, unregelmäßiger werden“, sagt Namgyel, der frühere Klimawandel-Chef der bhutanesischen Umweltkommission sowie der Chefunterhändler des Landes beim Gipfel in Paris. „Früher hat es im Winter viel geschneit, jetzt ist es immer trockener und trockener.“

Im Sommer gebe es hingegen zu viel Niederschlag, sagt Namgyel. Die Veränderung des Klimas mache den Monsun unbeständiger. „Wenn es regnet, dann schüttet es – das bedeutet Sturzfluten und Erdrutsche.“

Um seinen Energiebedarf angesichts dieser Unbeständigkeit zu sichern, brauche Bhutan eigentlich Stauseen, meint Namgyel. „Damit sind aber auch wieder Umweltprobleme verbunden.“ Unter anderem wegen möglicher negativer Folgen für Ökosysteme und betroffene Gemeinden, hat ein staatliches Komitee vor kurzem empfohlen, die Zahl neuer Wasserkraftanlagen zu begrenzen.

Um nicht so abhängig von der Wasserkraft zu sein, wäre es nach Ansicht von Namgyel sinnvoll, auch auf Solarkraft zu setzen. „Der Winter, wenn der Wasserfluss am schwächsten ist, ist die Zeit, wenn wir am meisten Sonnenschein haben. Es scheint also machbar. Das Problem sind die Kosten.“

Alles hängt an der Wasserkraft

„Alles in Bhutan hängt von der Wasserkraft ab“, erklärt Nawang Norbu, Chef der Ökologischen Gesellschaft Bhutans. „Wir können uns nicht davon abwenden, weil wir die Einnahmen und Devisen brauchen.“

Natürlich sei diese Abhängigkeit problematisch. „Wegen des Klimawandels sind wir uns in Bhutan mehr denn je einig, dass etwas getan werden muss.“ Es fehle aber an Geld ebenso wie an Technologie.

Ein machbarer Schritt sei es, den Strom effizienter zu verbrauchen. Fast die Hälfte der Energie gehe in Wohnungen drauf, auch weil die Häuser traditioneller Bauart schlecht isoliert seien. „In Deutschland kann man im Winter zu Hause nackt herumlaufen“, sagt Norbu, der in Konstanz promoviert hat. „Bei uns zieht es und ist kalt.“

Namgyel, der ehemalige Chefunterhändler, hat sich eine einjährige Auszeit genommen. Bei der Klimakonferenz in Kattowitz ist er also, anders als in Paris, nicht als Vertreter seines Landes dabei. Er sei nicht optimistisch, sagt er, dass das damals beschlossene Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, erreicht werde.

Selbst wenn, meint er, wäre das nicht genug – zumal die Erwärmung in den Bergen stärker sei. „Wenn man von zwei Grad im globalen Schnitt spricht, bedeutet das für arme, gebirgige Länder wie Nepal und Bhutan in Wirklichkeit drei oder vier Grad“, sagt Namgyel.

Mit seiner ambitionierten Erklärung vor drei Jahren in Paris habe Bhutan ein Zeichen setzen wollen: „Was die Gesamtmenge an Emissionen betrifft, mögen wir global gesehen unbedeutend sein. Es betrifft aber auch uns, und wir wollen unseren Teil beitragen.“

Es gehe aber nicht ohne die Unterstützung reicherer Staaten, sagt Namgyel. „Das ist es, was all die ärmeren Länder sagen: Wir engagieren uns, aber wir brauchen eure Hilfe. Allein können wir das nicht stemmen.“

  • dpa
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