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Klimawandel Korallen im Roten Meer trotzen dem tödlichen Trend

Der Klimawandel nagt weltweit an den Korallenriffen. Der nördlichste Zipfel des Roten Meeres blieb aber bisher verschont. Können die robusten Rotmeer-Korallen andere Riffe retten?
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Anders als an vielen anderen Orten der Erde trotzen die Korallen hier der globalen Erwärmung. Quelle: AP
Unterwasserwelt vor der Südküste Israels

Anders als an vielen anderen Orten der Erde trotzen die Korallen hier der globalen Erwärmung.

(Foto: AP)

EilatEs ist ein Hoffnungsschimmer inmitten einer ökologischen Katastrophe: Während das australische Great Barrier Reef immer kleiner wird, scheint die Unterwasserwelt vor der Südküste Israels sehr robust zu sein.

Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass die örtlichen Korallen trotz des erwarteten Klimawandels gute Überlebenschancen haben. Als Grund dafür wird eine besonders harte natürliche Auslese an dem Standort vermutet.

Das Kohlendioxid, das die Menschen in die Atmosphäre blasen, lässt nicht nur die Temperaturen steigen. Damit einher geht auch eine Versauerung der Meere. Beides wirkt auf Korallen wie Gift. Ihr Wachstum wird in alarmierender Weise verlangsamt.

Das zeigen Studien, die im vergangenen Jahr im Fachmagazin Science veröffentlicht wurden. Schätzungen zufolge ist die Hälfte der Riffe, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierten, inzwischen abgestorben.

Umso verblüffender ist die Entdeckung von israelischen Forschern im Norden des Roten Meeres. Auch hier haben sich Temperatur und Säuregehalt des Wassers erhöht. Laut Untersuchungen des in Eilat ansässigen Interuniversity Institute for Marine Sciences zeigen sich die örtlichen Arten von der Entwicklung aber unbeeindruckt.

„Weltweit sterben Korallen in raschem Tempo ab. Doch im Golf von Akaba haben wir nicht einen einzigen Fall von Bleiche gesehen“, sagt Forschungsleiter Maos Fine.

Regenwälder unter Wasser
Ausgebleiche Korallen an der Küste der Malediven
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Lebendige, leuchtende Farben glänzten vor einem Jahr noch knapp unter der Wasseroberfläche. Jetzt sind die Korallen des Riffs auf den Malediven tot – gestorben an Stress, verursacht von der steigenden Temperatur der Ozeane.

(Foto: AP)
Ökologische Katastrophe
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Was übrig bleibt, ist eine große graue Fläche. Und dieses Szenario spielt sich derzeit in Korallenriffen weltweit ab. Eine ökologische Katastrophe.

(Foto: AP)
Korallenbleiche am Great Barrier Reef vor Australien
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Die Welt hat innerhalb der vergangenen 30 Jahren fast die Hälfte der Korallenbestände verloren. Wissenschaftler versuchen deshalb nun, zumindest die Reste der einzigartigen Ökosysteme über die kommenden drei Jahrzehnte zu bewahren. Die Gesundheit des Planeten hängt davon ab: Gut ein Viertel aller im Meer lebenden Spezies wird von Korallenriffen unterstützt.

(Foto: AFP)
Regenwald unter Wasser
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Und auch die Menschen brauchen sie. Der Verlust der Korallenriffe sei fundamental schlecht für die Gesundheit eines großen Teils der Menschheit, sagt die Direktorin des Instituts für Marinebiologie auf Hawaii, Ruth Gates. Denn Korallen produzieren Sauerstoff, den Menschen atmen. Deshalb werden sie auch oft als Unterwasser-Regenwald beschrieben.

(Foto: dpa)
Wichtiger Wirtschaftsfaktor
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Außerdem bilden die Riffe wichtige Barrieren, die Küsten vor der vollen Kraft von Stürmen schützen. Auch die Rolle als Touristenmagnet ist nicht zu unterschätzen. Milliarden Dollar werden jedes Jahr umgesetzt, damit Menschen die Unterwasser-Regenwälder sehen können.

(Foto: dapd)
Mehr als ein fernes Tauchziel
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„Sie sollten besorgt sein, egal, ob Sie in Nordamerika oder Europa oder Australien leben“, sagt Ove Hoegh-Guldberg vom Institut für globale Veränderungen an der Universität in Queensland, Australien. „Das ist nicht einfach nur ein entferntes Tauch-Ziel, ein Urlaubsziel. Das ist der Stoff unseres Ökosystems, das uns trägt.“

(Foto: Reuters)
90 Prozent aller Korallen gefährdet
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Und dieser Stoff wird gerade zerrissen. Selbst wenn die Weltbevölkerung die Erderwärmung komplett aufhalten könnte, nehmen Experten immer noch an, dass 90 Prozent der Korallen bis 2050 abgestorben sind.

(Foto: AP)

Bei zu starker Erwärmung des Meeres stoßen Korallen die Pflanzen ab, die sie mit Nährstoffen versorgen. Übrig bleibt ein weißer Kalkmantel. Deswegen wird bei dem Vorgang von „Bleiche“ gesprochen.

Wenngleich es auch im Indischen und im Pazifischen Ozean Arten gebe, die robuster seien als andere, „sind nirgendwo sonst auf der Welt Riffe so weit davon entfernt, eine kritische Schwelle zu erreichen“, sagt Fine. Der Golf von Akaba sei der einzige bekannte Standort, an dem die Korallen auch in den „kommenden paar Jahrzehnten“ sicher seien.

In einem Labor simuliert der Experte die Auswirkung verschiedener Stufen der globalen Erwärmung auf die Nesseltiere. Der Grad der Verfärbung gibt dabei Hinweise auf deren Zustand.

Demnach könnten die örtlichen Arten wohl sogar noch viel härtere Bedingungen ertragen als gegenwärtig. Und laut den neuesten Erkenntnissen der Forscher, die gerade im „Journal of Experimental Biology“ veröffentlicht wurden, wird die Wärmeresistenz auch vererbt.

Radikale Auslese

Die Widerstandsfähigkeit führt Fine auf eine radikale natürliche Auslese vor etwa 18.000 Jahren zurück. Als damals gegen Ende einer Eiszeit die Gletscher schmolzen, drangen Korallen in das Rote Meer vor, in dem die Temperaturen dann extrem stiegen.

Nur die, die damit zurechtkamen, konnten sich fortpflanzen und sich weiter in Richtung Norden ausbreiten. Dort leben die Nachkommen nun in Temperaturen, die deutlich unterhalb ihres „thermischen Grenzwerts“ liegen. Erst bei sechs Grad über den aktuellen sommerlichen Maximalwerten geraten auch sie in Bedrängnis.

„Fast alle Korallen wurden ausgelöscht, nur die besten Genotypen blieben übrig – sie waren die Gewinner einer Klimawandel-Lotterie“, sagt der israelische Wissenschaftler. „Dies ist nicht nur ein Grund mehr, diesen besonderen Zufluchtsort so gut wie möglich zu schützen. Wir können dadurch nun auch nach Hinweisen darauf suchen, welche Gene für die Wärmeresistenz verantwortlich sind.“

Dies wiederum könnte eines Tages einen Beitrag dazu leisten, die bereits abgestorbenen Riffe in anderen Teilen der Welt wieder neu zu besiedeln. In Labors auf Hawaii und in Australien laufen bereits Experimente mit dem Kreuzen von Korallen, die die schweren Bleichen an diesen beiden Standorten überlebt oder sich davon erholt haben. Ziel ist die Züchtung einer Super-Koralle, die auch einer weiteren Erwärmung standhalten könnte.

Die Zeit drängt

„Wenn die Korallen im Golf von Akaba unter schwierigen Bedingungen überleben und sich fortpflanzen, im mittleren und südlichen Teil des Roten Meeres aber nicht, dann ließen sich die robusteren Korallen in angrenzenden, bereits ausgebleichten Gebieten ansiedeln“, sagt Jacqueline De La Cour von dem Programm „Coral Reef Watch“, das von der US-Wetter- und Ozeanografie-Behörde NOAA betrieben wird. „Es könnten komplett neue Ökosysteme aufgebaut werden, die gegen den Klimawandel gewappnet wären.“

Nach Einschätzung von Jessica Bellworthy, einer Doktorandin im Labor von Forschungsleiter Fine, ist es noch zu früh zu sagen, ob die Widerstandsfähigkeit der Korallen aus dem Golf von Akaba auch an anderen Standorten bewahrt bliebe. Dies sei aber durchaus eine „Richtung, in die wir uns mit unseren Daten am Ende bewegen könnten“.

Fine betont derweil, dass so etwas nicht nur mit ökologischen Risiken verbunden wäre, sondern auch mit ethischen Fragen – die künstliche Ansiedlung einer Art hätte schließlich immer auch Auswirkungen auf die vor Ort bereits vorhandenen Arten.

Die Zeit drängt allerdings. Von 2014 bis 2017 habe die Welt die verheerendste Korallenbleiche der Geschichte erlebt, sagt De La Cour.

Und das Absterben der Riffe geht weiter, was für Millionen Menschen eine massive Bedrohung ist – nicht nur für Fischer und Tauchlehrer, die an den Korallen ihren Lebensunterhalt verdienen, sondern auch für Küstenbewohner, denen die Riffe bisher Schutz vor Erosion und schweren Stürmen bieten.

Mehr: Wie zerstörerisch die Korallenbleiche ist, verdeutlichen diese Bilder.

  • ap
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1 Kommentar zu "Klimawandel: Korallen im Roten Meer trotzen dem tödlichen Trend"

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  • Im Golf von Acaba war ich schon laenger nicht mehr, aber in Hurgada zeigt sich schon
    eine Reduzierung der Meeresflora und Fauna.