Klimawandel Wie der Mensch das Wetter macht

Sintfluten und Dürren setzten dem Menschen schon immer zu. Doch in Zeiten des globalen Klimawandels sind viele der aktuellen Wetterextreme hausgemacht, wie Forscher der ETH Zürich jetzt aufgezeigt haben.
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Das Archivbild zeigt ein Überflutungsgebiet nahe Deggendorf (Bayern). Wetterextreme wie Dauerregen oder Hitzewellen sind immer häufiger vom Menschen verursacht. Quelle: dpa
Überschwemmungsgebiet

Das Archivbild zeigt ein Überflutungsgebiet nahe Deggendorf (Bayern). Wetterextreme wie Dauerregen oder Hitzewellen sind immer häufiger vom Menschen verursacht.

(Foto: dpa)

BerlinDie globale Erwärmung führt schon heute zu deutlich mehr Wetterextremen. Die hauptsächlich vom Menschen verursachte Entwicklung sei für 75 Prozent der weltweit auftretenden Hitzeextreme und knapp ein Fünftel der Niederschlagsextreme verantwortlich, schreiben Schweizer Wissenschaftler im Fachjournal „Nature Climate Change“.

Die Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich hatten verschiedene Klimamodelle unter die Lupe genommen und dabei versucht, den menschlichen Einfluss auf Wetterextreme abzuschätzen. Grundsätzlich bestätige sich dabei der Trend, dass durch die vom Menschen verursachten Klimaveränderungen die Wetterkapriolen weltweit zunehmen. „Schon kleine Unterschiede im Temperaturanstieg machen viel aus“, so Studienleiter Erich Fischer.

Schnelle Wege aus der Klimafalle
Zehn Maßnahmen zum Klimaschutz
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Klimaexperten haben mehr als 400 Methoden zur Bekämpfung des Klimawandels unter die Lupe genommen. Im Fokus der im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlichten Untersuchung stand ausnahmsweise nicht der Klimakiller CO2, sondern das Treibhausgas Methan sowie Ruß, der in der Atmosphäre dafür sorgt, dass weniger Sonnenstrahlung ins All reflektiert wird.

Schon mit einigen einfachen Maßnahmen, so die Wissenschaftler, ließe sich der Ausstoß von Methan und Ruß so stark reduzieren, dass der globale Temperaturanstieg bis zum Jahr 2050 um ein Drittel geringer ausfallen würde als bislang vorhergesagt. Die zehn wichtigsten Maßnahmen im Überblick.

Bergbau
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Durch eine bessere Filterung bei der Entlüftung von Kohleminen würde deutlich weniger Methan freigesetzt.

Gaspipelines
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Lecke Gaspipelines sind eine weitere Treibhausgas-Quelle, die sich mit relativ geringem Aufwand schließen ließe.

Mülldeponien
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Deponie-Gas, dessen Hauptbestandteil Methan ist, entsteht durch den bakteriologischen und chemischen Abbau von organischen Inhaltsstoffen des Mülls. Seine Freisetzung zu verhindern und es nutzbar zu machen, würde dem globalen Klimawandel entgegenwirken, so die Forscher.

Ölförderung
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Durch unkontrolliertes Abblasen bei der Ölförderung gelangen ebenfalls große Mengen Methan in die Atmosphäre, die durch verbesserte Fördertechnik eingefangen werden könnten.

Viehzucht
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Auch durch eine bessere Aufarbeitung der bei der Nutztierhaltung anfallenden Exkremente – etwa durch Vergärung in Biogasanlagen – ließe sich der Methanausstoß deutlich verringern.

Reisanbau
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Keine andere Kulturpflanze setzt soviel Methan frei wie Reis. Durch verbesserte Anbaumethoden, weniger Dünger und eine weniger intensive Bewässerung ließe sich der Methanausstoß beim Reisanbau reduzieren.

So könnte bei einer Erwärmung der Erde um zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau die Wahrscheinlichkeit von Hitzetagen gegenüber heute um das Fünffache steigen. Ähnlich dramatische Folgen habe die Erwärmung für die extremen Regentage. Bei einem Plus von zwei Grad könnten dann 40 Prozent der Niederschlagsextreme vom Menschen verursacht sein, heißt es in der Studie.

Die Nordhalbkugel bekäme vor allem die vermehrten Tage mit sintflutartigem Regen zu spüren, sagte Klimatologe Fischer. In anderen, ohnehin schon heißen Regionen, würden die Hitzetage zu einer noch größeren Herausforderung. Dazu passt, dass etwa das vergangene Jahr das bisher wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war. Bereits jetzt habe sich die Temperatur im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um 0,85 Grad erwärmt, so die Forscher.

Während sich die globalen Folgen des menschengemachten Klimawandels recht gut vorhersagen lassen, tut sich die Wissenschaft schwerer damit, einzelne Extremwetterereignisse wie Hagel oder Tornados einzuordnen. Viele Studien könnten keinen signifikanten Einfluss des Klimawandels auf diese Phänomene zeigen. Dies liege aber auch daran, dass solche kleinräumigen Ereignisse kaum angemessen erfasst werden können.

Für den britischen Klimaforscher Peter Stott, der die Studie in einem Begleitartikel kommentiert, liegt hier ein wichtiger Forschungsansatz für die Zukunft. Mehr Forschung sei nötig, um die regionalen Auswirkungen der Klimawandel zu berechnen und um natürliche von menschengemachten Einflüssen auf das Klima besser unterscheiden zu können. Nachdem der menschliche Einfluss auf das Klimasystem mittlerweile unstrittig sei, komme es nun darauf an, seine schlimmsten Folgen abzuwenden.

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