Kugelfisch L. sceleratus Giftiger Eindringling verbreitet sich im Mittelmeer

Der Hasenkopf-Kugelfisch kommt eigentlich aus den Tropen. Doch über den Suez-Kanal ist er inzwischen bis ins westliche Mittelmeer vorgedrungen. Sein kräftiges Gebiss kann Metall durchbeißen – und sein Gift töten.
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Experten bezeichnenden Hasenkopf-Kugelfisch als den schlimmsten fremdartigen Fisch im Mittelmeer. Erst vor wenigen Jahren war er aus dem Roten Meer über den Suez-Kanal ins Mediterrane geschwommen. Quelle: dpa
Hasenkopf-Kugelfisch

Experten bezeichnenden Hasenkopf-Kugelfisch als den schlimmsten fremdartigen Fisch im Mittelmeer. Erst vor wenigen Jahren war er aus dem Roten Meer über den Suez-Kanal ins Mediterrane geschwommen.

(Foto: dpa)

Rhodos/FrankfurtWas für ein toller Fisch, denkt sich ein angelnder Tourist an der Mittelmeerküste. Silbern glänzt der Rücken, gesprenkelt mit schwarzen Punkten. Weißer Bauch. Ab auf den Grill mit dem Fang. Doch die Mahlzeit endet tödlich, denn der tropische Kugelfisch Lagocephalus sceleratus ist hochgiftig.

Die Szene ist Fiktion – aber eine, die beunruhigend nah an der Wirklichkeit ist. Denn im östlichen Mittelmeer haben sich schon Menschen mit dem lebensbedrohlichen Fisch vergiftet. Inzwischen hat er es bis nach Italien und Spanien geschafft.

„Der fühlt sich da sehr wohl. Und er ist eine Gefahr“, sagt der Toxikologe Dietrich Mebs, der früher am Universitätsklinikum Frankfurt lehrte. Er ist Fachmann für Fischgifte und hat das Buch „Gifte im Riff“ geschrieben.

Andere Experten nennen den L. sceleratus, auch als Hasenkopf-Kugelfisch bekannt, den „schlimmsten fremdartigen Fisch“ im Mittelmeer. Erst vor wenigen Jahren war er aus dem Roten Meer über den Suez-Kanal ins Mediterrane geschwommen. Schnell breitete er sich im östlichen Mittelmeer aus. Forscher sprechen von einer Invasion – und wegen der Folgen von einer Pest.

Exotische Giftmischer im Tierreich
Komodowaran
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Mundgeruch macht einsam, heißt es plakativ. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum Menschen sich tunlichst vom Maul der indonesischen Komodowarane (Varanus komodoensis) fernhalten sollten. Die vor allem auf der Insel Komodo beheimateten Echsen sind veritable Jäger, die auch deutlich größere Beute wie Hirsche oder Büffel überwältigen können - und auch vor Angriffen auf den Menschen nicht zurückschrecken.

Lange dachten Wissenschaftler, dass ein tödlicher Bakteriencocktail aus dem Speichel die Waffe der Tiere wäre: Er sollte eine letale Blutvergiftung auslösen. Erst vor wenigen Jahren erkannte man dann jedoch, dass die Warane ebenfalls mit Gift arbeiten: Eine Analyse ihres Toxindrüseninhalts ergab eine Mixtur aus Proteinen, die sowohl die Blutgerinnung hemmt als auch Muskelstarre und Bewusstlosigkeit hervorruft.

Sporngans
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Erfahrene Jäger in Westafrika wissen: Hände weg von der Sporngans (Plectropterus gambensis). Denn dieses Geflügel ist hier oft völlig ungenießbar – und eine Mahlzeit kann im Extremfall tödlich enden. Zur Hauptmahlzeit dieser in weiten Teilen Afrikas beheimateten Glanzentenart gehören bestimmte Ölkäfer, die wiederum ein hochpotentes Gift namens Cantharidin produzieren.

Und das macht die Gans ganz schön giftig. Trotzdem wurde es früher in sehr geringen Dosen als Aphrodisiakum verwendet, da es die Genitalien anschwellen lässt. Doch bereits zehn Milligramm reichen aus, um einen erwachsenen Menschen zu töten. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Dick Daniels)

Schlitzrüssler
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Verglichen mit den Reptilien oder Amphibien verfügen nur sehr wenige Säugetierarten über Gifte, die sie zur Verteidigung oder Jagd einsetzen können. Neben verschiedenen Spitzmäusen und dem Plumplori (Nycticebus kayan) – einer Primatenart – trifft dies beispielsweise auf die Schlitzrüssler zu. Diese urigen Insektenfresser leben ausschließlich in der Karibik und produzieren in einer Speicheldrüse im Unterkiefer ein potentes Nervengift.

Dieses Gift leiten sie über eine Furche in einem der unteren Schneidezähne in das gebissene Opfer und überwältigen so auch eine relativ große Beute. Ihr Toxin nützt ihnen aber leider nichts gegen Lebensraumzerstörung und eingeschleppte Arten. Die beiden überlebenden Schlitzrüsslerspezies auf Kuba und Hispaniola sind daher stark gefährdet, und erst vor wenigen Jahren entdeckten Mitarbeitern des britischen Durrell Wildlife Conservation Trust wieder einige Exemplare in Haiti. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Seb az86556)

Pfeilgiftfrosch
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Wer im Regenwald mit besonders intensiven Farben aufwartet, deutet oft an: "Friss mich nicht, mein Gift ist tödlich!" Das gilt für den Pfeilgiftfrosch, der zu den giftigsten Tieren der Welt zählt. Sein Batrachotoxin ist so potent, dass ein typischer Frosch 10 bis 20 Menschen töten könnte. Es verhindert die Reizleitung in den Nerven und sorgt dafür, dass Muskeln sich dauerhaft zusammenziehen: Der Tod kommt dann durch einen Herzinfarkt.

Die indigene Bevölkerung des Choco-Regenwalds in Kolumbien nutzte sein Hautsekret daher lange für die Jagd mit Pfeil und Bogen, weil getroffene Beutetiere rasch verenden. Ihr Gift beziehen die Lurche aus ihrer eigenen Nahrung, toxischen Käfern und Milben, die sie gefahrlos verspeisen können. Fehlt dieses Futter wie etwa in der Terrarienhaltung, verlieren die Frösche bald ihre Gefährlichkeit.

Hundertfüßer
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Wachsender Beliebtheit bei Terrarienfreunden erfreuen sich tropische Hundertfüßer: Bis zu 25 Zentimeter lang können diese Gliederfüßer werden, deren Anzahl an Beinpaaren stark variieren kann. Ganz unproblematisch ist ihre Haltung allerdings nicht, denn die auch Skolopender genannten Tiere sind flink, wendig, aggressiv und können schmerzhaft zubeißen.

Aus ihrem zu Giftklauen umgebauten ersten Beinpaar geben sie dann einen reizenden Cocktail ab, der Azetylcholin, Serotonin sowie Histamin beinhalten kann. Manche Arten produzieren sogar Blausäure. Das Gift ist für einen gesunden Erwachsenen normalerweise nicht tödlich, aber der Schmerz strahlt über den ganzen Körper aus, und es kann zu zeitweiligen Lähmungserscheinungen kommen. (Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Franz Winter)

Kugelfisch
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Manche Delikatessen zu verspeisen, kann mit dem Tod enden – beispielsweise der Genuss von Fugu, einer japanischen Spezialität, die aus dem Muskelfleisch von Kugelfischen zubereitet wird. Nur speziell ausgebildete Köche dürfen sich an die Zubereitung wagen, denn neben dem ungiftigen Muskelfleisch befinden sich die giftige Haut, die Leber und die Eierstöcke des Meeresfischs.

All diese Körperteile enthalten das nach dem lateinischen Familiennamen des Tiers benannte Tetrodotoxin, das zu den potentesten natürlichen Giften der Erde gehört. Schon zehn Mikrogramm wirken letal und lähmen alle Körpernerven, aber nicht das Hirn: Man erstickt bei vollem Bewusstsein, wenn keine Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Wahrscheinlich erzeugen die Fische ihr Gift nicht selbst, sondern nehmen es über Bakterien auf. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Chris 73)

Zweifarbenpitohui
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Vögel sind nicht unbedingt als Gifttiere bekannt. Neben der oben erwähnten Sporngans kennt die Wissenschaft bislang nur noch sechs weitere giftige Arten – die vor allem in Neuguinea vorkommen wie dieser Zweifarbenpitohui (Pitohui dichrous) aus der Familie der Pirole.

Nur durch Zufall entdeckten Biologen, dass im Gefieder und der Haut der Vögel das von den Pfeilgiftfröschen bekannte Batrachotoxin vorhanden ist: Beim Fangen hatten die Tiere einen Forscher gekratzt, worauf dieser Körperbereich zeitweilig taub wurde. Die einheimischen Papua verschonen daher meist die Pitohui, wenn sie jagen – weil sie kaum genießbar sind. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 2.0/markaharper1)

Jetzt steige die Zahl der Exemplare auch im Westen, sagt Maria Corsini-Foka. Sie ist Meeresbiologin am Griechischen Zentrum für Meeresforschung auf Rhodos, an dessen Küste der Kugelfisch recht häufig ist. Aber inzwischen taucht er sogar in den Gewässern bei Spanien auf.

Vor sechs Jahren ging dort vor Katalonien der erste ins Netz, bis 2013 fünf weitere – und im vergangenen Jahr allein waren es nach Angaben der Behörden schon zehn. Aus Malta, Italien und Algerien gibt es ebenfalls Meldungen.

Toxikologe Mebs fürchtet, dass der Fisch in der Bevölkerung nicht bekannt genug ist. Ans Mittelmeer reisen jedes Jahr unzählige Touristen. Und das Gift des Kugelfisches – das Tetrodotoxin – gehört zu den gefährlichsten Nervengiften überhaupt. Alle Kugelfische tragen es in sich, es komme aber auch in Landtieren vor, sagt Mebs. Wer den Hasenkopf-Kugelfisch isst, vergiftet sich.

Berichte von Vergiftungen gab es zunächst in der Türkei, wo der Kugelfisch 2003 vor Akyaka zum ersten Mal im Mittelmeer entdeckt worden war. Auf einem Markt hatten unbedarfte Fischer den Fisch verkauft. Auch in Israel gab es einen dokumentierten Fall: Ein Hobbyfischer konnte gerade noch gerettet werden.

Die Lähmung befalle das äußere Nervensystem, gehe also nicht vom Gehirn aus, erklärt Mebs. „Das heißt: Ich kriege das bei vollem Bewusstsein mit.“ Zuerst verschwindet das Gefühl unter anderem in den Fingerspitzen. Dann greift die Lähmung um sich. Sobald sie die Atemmuskulatur erreicht, besteht akute Lebensgefahr. Einzige Rettung: künstliche Beatmung.

Angst vor durchgebissenen Fingern und Zehen
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2 Kommentare zu "Kugelfisch L. sceleratus: Giftiger Eindringling verbreitet sich im Mittelmeer"

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  • "Giftiger Eindringling verbreitet sich..." Ach so, es geht um einen Fisch! (:
    Ich wäre bisher nicht auf die Idee gekommen, etwas auf den Grill oder in die Pfanne zu legen, von dem ich nicht weiß, was es ist, aber manche Menschen sind eben so.
    Die weitaus größere Gefahr ist vielleicht der "Beifang", bei dem ja (angeblich?) auch Delfine in Netzen z.B. zusammen mit Thunfisch verarbeitet --->und verkauft werden. Da droht möglicherweise eher ein Risiko, wenn in der Dose nicht mehr zu sehen ist, was es ist.

  • "Es wird Zeit, Öko-Apokalypsen kritischer zu hinterfragen. "Steht ein paar Artikel weiter oben. scheints ist das nicht soweit durchgedrungen. Jetz kommt der Fisch: "Sein kräftiges Gebiss kann Metall durchbeißen – und sein Gift töten. " in der gleichen Weise daher. Auch ich kann Metall durchbeisen! "Lötzinn, Blei" auch Wespengift "kann"töten" Die Panikmache scheint zur Pressekultur geworden zu sein.

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