Luft-Bilanz 2016 Diesel-Abgas verschmutzt weiter die Stadtluft

Bei mehr als der Hälfte der Messstationen für gefährliches Stickstoffdioxid an stark befahrenen Straßen wurden 2016 die Grenzwerte überschritten. Schuld daran sind laut Umweltbundesamt vor allem Diesel-Autos.
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Dass die Gemeinden besonders schmutzige Diesel weiter nicht aus den Innenstädten verbannen, könne „nicht akzeptiert werden“, sagt die Präsidenten des Umweltbundesamts Maria Krautzberger. Quelle: dpa
Stickstoffdioxid-Belastung

Dass die Gemeinden besonders schmutzige Diesel weiter nicht aus den Innenstädten verbannen, könne „nicht akzeptiert werden“, sagt die Präsidenten des Umweltbundesamts Maria Krautzberger.

(Foto: dpa)

Berlin/Dessau-RoßlauStadtbewohner in Deutschland atmen weiter zu viel gefährliches Stickstoffdioxid ein. An 57 Prozent der Messstationen an stark befahrenen Straßen überschritten die Werte 2016 im Jahresmittel den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, wie das Umweltbundesamt (UBA) ermittelte.

„Seit Jahrzehnten gefährdet Stickstoffdioxid unsere Gesundheit“, teilte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger am Dienstag mit. Schuld seien vor allem Diesel-Autos. Dass die Gemeinden besonders schmutzige Diesel weiter nicht aus den Innenstädten verbannen, könne „nicht akzeptiert werden“.

Das sind die giftigsten Orte der Erde
Shenyang, China
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Seit Jahren versucht China, das Problem Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen. Eine Stadt, in der die Anti-Smog-Strategie nicht zu verfangen scheint, ist Shenyang in der Provinz Liaoning. Im November 2015 machte die Millionenstadt Schlagzeilen mit smogbedingten Sichtweiten unter 100 Metern. Die Konzentration schwebender Partikel mit Durchmessern unter 2,5 Mikrometern lag damals um mehr als das 50-Fache über der als unschädlich geltenden Konzentration. Ursache der Luftverschmutzung sind Kohlekraftwerke und Autoabgase, aber auch Staub aus den sich ausbreitenden Wüsten.

Hazaribagh, Bangladesch
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Auf kaum 25 Hektar Land stehen in Hazaribagh mehr als 90 Prozent aller Gerbereien des Landes. Sie produzieren Lederwaren für den Weltmarkt. Dabei sind Arbeiter und Umwelt beträchtlichen Mengen giftiger Chemikalien ausgesetzt, nicht zuletzt Krebs erregenden Chrom(VI)-Verbindungen.

Das Rohprodukt muss chemisch behandelt werden, um die Hautstruktur zu stabilisieren und das Material elastisch zu machen. Dabei gelangen täglich etwa 22.000 Kubikmeter Abwasser ungefiltert in die Umwelt. Fachleute berichten von erheblichen Gesundheitsproblemen bei den Einwohnern des Ortes durch Chrom, Blei, Sulfide und Kupfer. Die Luft enthält hohe Konzentrationen an Stickoxiden. Nicht weit entfernt von Hazaribagh fließt der Buriganga, wichtigste Trinkwasserquelle der Hauptstadt Dhaka.

Kabwe, Sambia
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Im Jahr 1902 entdeckten Prospektoren nahe der Stadt Kabwe in der damaligen britischen Kolonie Nordrhodesien große Zink- und Bleivorkommen. Wenig später begann der Abbau der wichtigen Metalle, die als Legierungsbestandteile in Batterien und Akkus und für viele andere Anwendungen gebraucht werden.

Heute heißt Nordrhodesien Sambia, und die Mine von Kabwe wurde 1994 stillgelegt. Doch Kabwe trägt weiter schwer am kolonialen Erbe: In Boden, Wasser und Staub findet man bis heute hohe Konzentrationen von Kupfer, Zink und vor allem von Blei. Besonders Letzteres hat gravierende Folgen – das Metall reichert sich im Körper an und verursacht chronische Vergiftungen, die vor allem für Schwangere und Kinder gefährlich sind. Kinder in Kabwe haben sechs- bis zwölfmal so viel Blei im Blut wie Gleichaltrige in den Industrieländern. (Foto: Blacksmith Institute)

Horliwka, Ukraine
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In Horliwka im Osten der Ukraine steht die Ruine einer besonders gefährlichen Fabrik. Bis 2001 produzierten die Angestellten auf dem 167 Hektar großen Gelände den Sprengstoff TNT und das nicht explosive, aber sehr giftige Mononitrochlorbenzol (MNCB), vermutlich für die Produktion chemischer Kampfstoffe.

Als Fachleute zehn Jahre später durch Zufall auf den Ort stießen, fanden sie eine tickende Bombe vor: Verrottete Fässer und Tanks mit 50 Tonnen TNT und über 2300 Tonnen MNCB, die über die Jahre Boden und Wasser verseucht hatten. Bis zum Jahr 2014 gelang es, zumindest die vorhandenen MNCB-Tanks zu leeren und das TNT zu bergen. Dann brach in der Ostukraine der Krieg aus und die Arbeiten wurden eingestellt. Wie viel von den Chemikalien noch in Gebäuden, Boden und Wasser steckt, ist unbekannt. (Foto: Pure Earth)

Agbogbloshie, Ghana
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Westeuropa produziert immense Mengen Elektronikschrott und exportiert allein 215.000 Tonnen des Mülls nach Ghana. Ein beträchtlicher Teil davon landet in Agbogbloshie, einem Stadtteil von Ghanas Hauptstadt Accra – und der zweitgrößten Elektronikschrott-Deponie der Welt. Um das Kupfer aus alten Kabeln und andere Metallteile zu gewinnen, verbrennen die Bewohner die elektronischen Komponenten zusammen mit Styropor, das ebenfalls auf der Deponie landet.

Der entstehende Rauch enthält nicht nur giftige Verbrennungsprodukte wie Furane und Dioxine; auch Schwermetalle der Elektrobauteile lagern sich an die Partikel an und ziehen mit dem Rauch über die Region. Allein die Bleikonzentrationen im Boden reichen bis zum 45-Fachen dessen, was in industrialisierten Ländern als akzeptabler Höchstwert gilt.

Kalimantan, Indonesien
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Gold gilt als edel und unvergänglich – aber bei der Gewinnung des meist fein verteilten Edelmetalls geht ohne hochgiftige Chemikalien überhaupt nichts. Die Konsequenzen davon zeigen sich am deutlichsten in Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos. Dort wird das Edelmetall zum Teil illegal in Handarbeit gewonnen, und zwar mit Hilfe des hochgiftigen Quecksilbers, das man mit dem goldhaltigen Erz verknetet.

Das flüssige Metall bildet mit Gold ein Amalgam und löst es so aus dem Gestein. Anschließend lässt man das Quecksilber einfach verdampfen. Quecksilbervergiftungen verursachen schwere Gesundheitsschäden: von Nierenerkrankungen bis hin zu neurologischen Störungen. Etwa 1000 Tonnen Quecksilber gelangten in Kalimantan nach einer Schätzung von 2013 in die Umwelt – etwa ein Drittel des Ausstoßes der gesamten Menschheit.

Tschernobyl, Ukraine
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Der Begriff „Kernschmelze“ ist keine Metapher. Nach der Nuklearkatastrophe in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl fanden Arbeiter im Herbst 1986 in einem Dampfkorridor unter dem Reaktor eine erstarrte, hoch radioaktive Masse aus geschmolzenen Bestandteilen des Reaktorkerns, die sich während der Katastrophe durch den Boden des Reaktors brannte und in den Hohlraum lief.

Doch ein beträchtlicher Teil der radioaktiven Abfälle verteilte sich auch in der Umgebung: Rund 190 Tonnen radioaktives Material wie etwa Isotope von Uran und Plutonium, aber auch große Mengen der sehr langlebigen Isotope 137Cs und 90Sr mit Halbwertszeiten von etwa 30 Jahren. Und die Gefahr, dass die restlichen Trümmer des zerstörten Reaktors in die Umwelt gelangen, ist nicht gebannt. Der Klumpen erstarrter Lava unter dem Reaktor dürfte das gefährlichste Stück Abfall sein, das die Menschheit jemals produzierte.

Die Feinstaubwerte waren 2016 so niedrig wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr, den EU-Grenzwert riss nur die Messstation Neckartor in Stuttgart. Allerdings mahnte das UBA an, dass die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Grenzwerte noch an fast jeder vierten Messstation überschritten würden. Diese seien deutlich strenger als die Grenzwerte der EU. Hohe Konzentrationen von Feinstaub und Stickstoffdioxiden können zu Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen führen.

Die Ozon-Werte waren 2016 nach UBA-Angaben kein auffallend großes Problem. Das lag vor allem am Wetter, denn vergangenen Sommer gab es kaum längere Hitzewellen. Trotzdem waren die Werte an 21 Prozent der Messstationen zu hoch. Das UBA warnt, dass mit dem Klimawandel auch das Risiko hoher Ozon-Konzentrationen steigt.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Luft-Bilanz 2016: Diesel-Abgas verschmutzt weiter die Stadtluft"

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  • "Sergio Puntila27.01.2017, 09:30 Uhr
    Der Chefdemokratenfresser als Oberkommentator des HB sondert in gewohnt langweiliger Manier, klingt schon fast andressiert, was Sie hier tagtäglich vor sich hingeifern, werter Mark Hoffmann"

    Ich geifere nicht, ich kommentiere. Ich gebe mir den ganzen Tag große Mühe, jeden, aber auch wirklich jeden Artikel zu kommentieren,
    um die Leute von der grün-sozialistischen Murkselregierung zu warnen.

    Ja, ich bin ein Fan von Trump und Putin, das sind wenigstens noch zwei echte Kerle mit eigener Meinung, nicht wie unser sprechender Hosenanzug!

    Ja, ich bin ein Anhänger der AFD, denn nur diese Partei kann unser Reich noch retten!

    Nein, ich bin nicht arbeitslos und habe deshalb soviel Zeit Kommentare zu schreiben, ich bin arbeitssuchend!
    Danke

  • Was für eine Volksverdummung den Stickstoffdioxidausstoss auf Dieselautos zu beschränken!!

    Wir die Statistik etwas besser kennt, dem ist bekannt, dass ein überwiegender Teil des Stickstoffdioxidausstosses aus der Industrie mit Ölheizungen bzw. aus Nutzfahrzeugen (LKWs) & Flugzeugen erfolgt!! Stickstoffdioxid entsteht in Abhängigkeit vom Kraftstoffverbrauch (Diesel, Heizöl & Kerosin)! Solange der Flug- & LKW-Verkehr in Hessen stetig steigt, wird sich der Stickstoffdioxid sicherlich "nicht" mit der Ausgrenzung von Diesel-PkWs aufhalten lassen!!! Ein LKW braucht bis zu 30 Liter Diesel auf 100km & ein PkW gerade mal 5 bis 10 Liter Diesel auf 100km!!! Eine wirkungsvolle Verbesserung hinsichtlich Stickstoffdioxidkonzentration in der Luft wäre ein Verbot von Heizölverbrennungsanlagen (Industrie/Haushalt) & Einschränkung des Flugverkehrs in Grossstädten !!!

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