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Meeresforschung Mit Super-Korallen dem Klimawandel trotzen

Korallen sind empfindliche Wesen. Wenn die Wassertemperatur zu hoch wird, bleichen sie aus und können absterben. Vor Hawaii suchen Meeresforscher nach der Super-Koralle, die der globalen Erwärmung trotzt.
Ausgebleichte Korallen vor der hawaiianischen Küste. Die globale Erwärmung und ein höherer Säuregehalt im Wasser setzen den Nesseltieren zu. Quelle: ap
Kranke Korallen

Ausgebleichte Korallen vor der hawaiianischen Küste. Die globale Erwärmung und ein höherer Säuregehalt im Wasser setzen den Nesseltieren zu.

(Foto: ap)

HiloWissenschaftler auf Hawaii suchen die Super-Koralle. Die Züchtung soll ein wärmeres Klima und einen höheren Säuregehalt im Wasser überleben können. Dabei läuft den Forschern die Zeit davon: Experten warnen angesichts der globalen Erwärmung vor einer Bedrohung für die Korallenriffe dieser Erde, die vielen Meeresbewohnern einen Lebensraum geben, Küsten schützen und Taucher begeistern.

Um das alles leisten zu können, muss die Koralle gesund sein. Wenn sie durch veränderte Umweltbedingungen unter Stress gerät, stoßen sie die Algen, die auf ihrer Kalkschicht siedeln, ab und bleichen aus. Weiß oder hellgelb erscheint die Koralle dann, wie Ruth Gates erklärt, Direktorin am Institut für Marinebiologie im US-Staat Hawaii. Von dieser Bleiche kann sich der Organismus erholen. Er kann aber auch absterben, besonders, wenn sie mehrere Jahre in Folge auftritt.

Wenn Korallen um Hilfe rufen
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Steinkorallen der artenreichen Gattung Acropora bilden das typische Geflecht von Korallenriffen. Doch die Nesseltiere müssen sich diesen Lebensraum mit einem gefährlichen Gegner teilen.

(Foto: Joao P. Krajewski/Science)
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Giftige Haaralgen drohen die Korallen zu überwachsen, was diese abtötet und im Extremfall das ganze Riff zerstören kann. Um sich dieser Gefahr zu erwehren, haben die Korallen eine clevere Strategie entwickelt: Sie rufen um Hilfe.

(Foto: Danielle Dixson/Science)
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Wie Danielle L. Dixson (Bild) und Marc E. Hay vom Georgia Institute of Technology ermittelten, senden attackierte Korallen einen chemischen Hilferuf aus, um Fische als Hilfstruppen zu rekrutieren.

(Foto: Danielle Dixson/Science)
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Die im Wasser löslichen Stoffe werden innerhalb von Minuten nach der ersten Kontaktaufnahme mit der giftigen Alge ausgestoßen und locken Blaupunkt-Korallengrundeln herbei.

(Foto: Danielle Dixson/Science)
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Die Fische befreien die Koralle von ihrem toxischen Angreifer, indem sie die Algen von den befallenen Teilen abfressen.

(Foto: Danielle Dixson/Science)
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Im Gegenzug profitieren die Fische vom Gift der verzehrten Meerestiere: Die Aufnahme der toxischen Bestandsstoffe führt dazu, dass die Wirkung des leicht giftigen Schleims, den die Tiere gegen Fressfeinde produzieren können, verstärkt wird.

(Foto: Danielle Dixson/Science)

Gates forscht in der Kaneohe Bay vor Coconut Island und schätzt, dass dort dieses Jahr 60 bis 80 Prozent der Korallen ausgebleicht sind. „Die Korallenbleiche hat sich verstärkt und ist schwerwiegender geworden“, sagt Gates. Früher hätten sie nach den gebleichten Korallen unter all den gesunden gesucht, heute suche ihr Team „nach den gesunden Wesen in einem Meer aus bleichen Korallen“.

Die gesunden Korallen bringen Gates und ihre Mitarbeiter in ihr Forschungszentrum auf der Insel, die einst ein Rückzugsort für wohlhabende Erholungssuchende war. Dort setzen sie die Korallen schwierigeren Bedingungen mit höheren Temperaturen und einem höheren Säuregehalt aus. Die stärksten Exemplare kreuzen sie, um so mit der neuen Züchtung eine mit größerer Widerstandskraft zu erhalten.

Die Forscher wollen auf diese Weise der Evolution auf die Sprünge helfen und die Korallen auf eine veränderte Umwelt vorbereiten. Die Methode wird schon seit tausenden Jahren an Pflanzen und Tieren angewandt, wurde jedoch noch nie an frei lebenden Korallen erprobt.

„Wir schenken ihnen Erfahrungen, von denen wir glauben, dass sie ihre Fähigkeit zum Überleben von Stress stärken“, erklärt Gates. Sie hofften, dass diese Korallen, die bald zurück in die Bucht gebracht werden sollen, ihre Farbe behalten und sich dann im nächsten Sommer vermehren.

Die US-Umweltbehörde NOAA warnte Anfang Oktober, die Korallenbleiche trete weltweit in großem Ausmaß auf. Wahrscheinlich würden in diesem Jahr zehn bis 20 Prozent der Korallenriffe verloren gehen, sagte NOAA-Mitarbeiter Mark Eakin bei der Vorstellung des Berichts. „In Hawaii ist die Korallenbleiche schlimmer, als wir je gesehen haben.“

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