Mikroben im Alltag Winzige Survival-Spezialisten besiedeln unsere Spülmaschinen

Die wahren Überlebenskünstler unter den Mikroben findet man nicht in Wüsten, Kältezonen oder der Tiefsee. Tatsächlich leben sie mitten unter uns.
  • Christiane Gelitz
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Besonders zähe Mikroben überleben auch ein heißes Bad im Geschirrspüler. Quelle: picture-alliance
Überleben in der Spülmaschine

Besonders zähe Mikroben überleben auch ein heißes Bad im Geschirrspüler.

(Foto: picture-alliance)

HeidelbergAls Laie geht man davon aus, dass in einer Spülmaschine nur Geschirr und Besteck überleben, Bakterien und Pilze hingegen über den Jordan gehen. Dem ist allerdings nicht so, wie Mikrobiologen schon seit einigen Jahren wissen.

In einem Durchschnittshaushalt bildet die Küche eine Art multikulturelles Ballungsgebiet für Mikroorganismen. Und die wahren Überlebenskünstler unter den Kleinstlebewesen hausen ausgerechnet in der Spülmaschine, wie eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Applied and Environmental Microbiology nahelegt.

Das Team um Prem Krishnan Raghupathi von der Universität Kopenhagen wollte wissen, welche Lebewesen den unwirtlichsten Bedingungen im Haushalt widerstehen können. Dazu entnahmen die Mikrobiologen Proben aus 24 Spülmaschinen. Darin entdeckten sie vor allem für ihre Robustheit bekannte Bakterien der Gattungen Pseudomonas, Escherichia und Acinetobacter. Diese sind überwiegend harmlos, doch manche können Menschen mit schwachem Immunsystem gefährlich werden.

Bei den neueren Spülmaschinen bildete zuerst der Hefepilz Candida erste Kolonien; später gesellten sich vor allem die Hefegattungen Cryptococcus und Rhodotorula dazu, die bei Immunschwäche eine Pilzinfektion im Blut auslösen können. In jeder dritten Maschine spürten die Forscher außerdem die pathogenen Pilze Exophiala und Aureobasidium auf. Schwarzer Hefepilz war in jedem dritten Gerät.

2011 hatte ein Team aus Slowenien, China und den Niederlanden den schwarzen Hefepilz Exophiala dermatidis ebenfalls in rund jeder dritten der weltweit untersuchten 189 Spülmaschinen gefunden. Der Pilz besiedelt den Menschen selten, kann dann allerdings neben Hauterkrankungen auch tödliche Infektionen verursachen.

Immerhin: Im Gegensatz zu anderen Keimen würde er sich auf Porzellan nicht festsetzen, beruhigen die Wissenschaftler. Er könne aber mit der Atemluft in den Körper eindringen, wenn man die Maschine nach dem Spülgang zu früh öffne und den heißen Dampf einatme.

Diese Dinge sind schmutziger als man denkt
Kuss
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Ein liebevoller Kuss hat es ganz schön in sich: Forscher berichten in einem Artikel für das Fachjournal "Microbiome", dass bei einem zehn Sekunden andauernden Zungenkuss rund 80 Millionen Bakterien zwischen den Mündern hin und her wandern. Eine weitere Erkenntnis: Paare, die sich mindestens neun Mal am Tag intensiv küssen, tragen sogar die gleiche Zusammensetzung von Bakterien in ihren Mündern. Je öfter sie sich küssen, umso ähnlicher wird die mikrobielle Besiedelung.

Quelle: Wiwo.de

Geschirrtücher
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Forscher der Universität Arizona haben Geschirrtücher in den USA und Kanada untersucht. Dabei zeigte sich, dass 90 Prozent davon mit Bakterien übersät waren - vor allem Darmbakterien. Beim Abtrocknen des Geschirrs oder Abwischen anderer Oberflächen in der Küche würden diese unwissentlich mit Bakterien beschmiert, warnen die Forscher. "Sie meinen vielleicht, dass Sie den Tisch oder das Brettchen reinigen, bevor Sie Essen darauf platzieren - in Wahrheit verteilen Sie mit einem schmutzigen Küchenhandtuch Hunderttausende Bakterien". Die Forscher empfehlen, die Handtücher nach jeder Benutzung in die Wäsche zu geben.

Putzschwamm
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Auch in Putz- und Spülschwämmen fühlen sich Bakterien besonders wohl. Bis zu 100 Millionen Bakterien pro Quadratzentimeter tummeln sich dort. Praktischer Tipp: Häufiger wechseln und den Schwamm zwischendurch bei voller Leistung etwa zwei Minuten in der Mikrowelle erhitzen. Das tötet die meisten Keime ab.

Federvieh
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Sie sehen niedlich aus, doch der zarte Flaum von Enten- und Hühnerküken ist ein wunderbarer Nährboden für Salmonellen, die sich in ihren Exkrementen befinden. Wer handzahmes Federvieh streichelt, sollte sich danach also gründlich die Hände waschen. Sonst riskiert er eine unschöne Darminfektion.

Geld
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Pecunia non olet - Geld stinkt nicht, sagt eine lateinische Redensart. Wenn es das nur täte. Denn unser Geld ist schmutzig. Auf Geldscheinen, Münzen und Kreditkarten tummeln sich Fäkalkeime. Je nach Region fanden Forscher schon mehr Fäkalkeime auf Geldscheinen als auf einer Toilettenbrille.

Seifenspender
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Zum Händewaschen gehört? Richtig, Wasser und Seife! Gerade Seifenspender sind leider aber auch ein hervorragendes Sammelbecken für Bakterien. Das belegten Forscher der Universität Arizona. Die untersuchten 127 nachfüllbare Seifenspender in öffentlichen Toiletten und Restaurants. Fast ein Viertel davon war mit Bakterien verunreinigt. Ein kleines Päckchen mit desinfizierenden Einmalhandtüchern in der Handtasche macht sich also bezahlt.

Kugelschreiber
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Die Chancen, sich beim Ausfüllen eines Lottoscheins einen Schnupfen zu holen, stehen gut. Kugelschreiber, die für Kunden ausliegen - sei es im Kiosk, in der Bank, in Geschäften oder Hotelzimmern - sind voll von Krankheitserregern. Also besser den eigenen Stift zücken.

Raghupathi und seine Kollegen beobachteten, dass auf Gummidichtungen vor allem gemischte Biofilme aus Pilzen und Bakterien Schutz gegen harsche Umwelteinflüsse böten – wie auch in den meisten natürlichen Umgebungen Mikroorganismen nicht isoliert lebten, sondern komplexe Gemeinschaften bildeten. In den Biofilmen dominierten Bakterien der Gattungen Gordonia, Micrococcus und Exiguobacterium.

Letztere zählen zu jenen Bazillen, die sowohl in heißen Quellen wie im sibirischen Permafrost überleben können. Häufig zeigten sich auch die Stämme TM7 und Meiothermus, die dank spezifischer Organellen leicht an Oberflächen kleben und kurzzeitig bis zu 70 Grad Celsius tolerieren.

Auch Waschmaschinen sind vielfältig besiedelt
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