Mögliches Umweltverbrechen Forscher finden verdächtige Werte eines Ozonkillers in der Atmosphäre

US-Forscher haben verdächtige Messwerte eines Ozonkillers in der Atmosphäre entdeckt. Wird der eigentlich verbotene Stoff irgendwo illegal produziert?
Update: 17.05.2018 - 12:12 Uhr Kommentieren
Das Ozonloch über der Antarktis in den Jahren 2006 (r.) und 2013. Nach der Entdeckung des Ozonlochs einigte sich die Staatengemeinschaft auf ein Verbot der Ozon-schädigenden FCKW. Quelle: dpa
Ozonloch über der Antarktis

Das Ozonloch über der Antarktis in den Jahren 2006 (r.) und 2013. Nach der Entdeckung des Ozonlochs einigte sich die Staatengemeinschaft auf ein Verbot der Ozon-schädigenden FCKW.

(Foto: dpa)

BoulderAmerikanische Forscher sind womöglich einem Umweltverbrechen auf der Spur. Sie fanden verdächtige Messwerte eines Ozonkillers in der Atmosphäre, berichten sie in der Fachzeitschrift „Nature“. Die Gruppe um Stephen Montzka von der National Oceanic and Atmospheric Administration in Boulder (Colorado, USA) vermutet eine neue, illegale Quelle des Stoffes.

Bei der Substanz handelt es sich um Trichlorfluormethan, das zu den Ozon-schädlichen FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) gezählt wird. FCKW wurden früher unter anderem als Kühlmittel oder als Treibmittel in Spraydosen verwendet. In den 1970er-Jahren erkannten Wissenschaftler jedoch, dass FCKW das Potenzial haben, die schützende Ozonschicht in der Atmosphäre auszudünnen. Dadurch kann mehr schädliche UV-Strahlung der Sonne den Erdboden erreichen.

Deutlichster Ausweis der Ozonschicht-Schädigung war das in den 1980er-Jahren entdeckte Ozonloch über der Antarktis. Seine Entdeckung sorgte weltweit für ein Umdenken, die Staatengemeinschaft einigte sich schließlich auf eine drastische Reduzierung der FCKW. Seit 2010 gilt ein internationales Produktionsverbot für diese Stoffgruppe.

Allmähliche Erholung

Nach der Ächtung der FCKW konnten Forscher eine allmähliche Erholung der Ozonschicht beobachten, auch wenn der FCKW-Anteil in der Atmosphäre nicht sofort auf Null sank. Das hat zum einen damit zu tun, dass der Abbau der Stoffe in der Atmosphäre zum Teil Jahrzehnte dauert. Zum anderen werden geringe Mengen FCKW weiterhin freigesetzt, wenn etwa alte Kühlschränke verschrottet oder Gebäude abgerissen werden.

Die internationalen Regelungen spiegelten sich zunächst auch in den Messdaten für Trichlorfluormethan in der Atmosphäre wider: Nach einem Stoffmengenanteil von knapp 270 Teilchen pro 1000 in der Mitte der 1990er-Jahre sank der Anteil zunächst kontinuierlich.

Ein neue Quelle für den Ozonkiller

Doch etwa 2012 bekam die Trichlorfluormethan-Kurve einen Knick: Der Stoffmengenanteil sank nicht mehr so stark, wie es zu erwarten gewesen wäre.

Außerdem zeigt der Verlauf der Kurve innerhalb eines Jahres verdächtige Ähnlichkeiten mit dem Messkurvenverlauf zweier anderer FCKW: Chlordifluormethan und Dichlormethan. Das lasse vermuten, dass alle drei Stoffe aus derselben Quelle freigesetzt werden, so die Forscher

Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass es eine neue Quelle für den Stoff gibt. Mit anderen Worten: Trotz der internationale Vereinbarungen werden FCKW wieder hergestellt - in einer Größenordnung von bis zu 13.000 Tonnen pro Jahr. Anhand von Computersimulationen konnten die Forscher auch das Gebiet eingrenzen, in dem die Produktionsstätte mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen dürfte: Ostasien.

Natürliche Ursache praktisch ausgeschlossen

Dass es sich wohl nicht um einen natürlichen Prozess handelt, belegten weitere Computerberechnungen: So simulierten die Forscher mit verschiedenen Atmosphärenmodellen die Ausbreitung von Trichlorfluormethan anhand der vorhandenen Messwerte. Aber allein mit natürlichen Faktoren wie dem Luftaustausch in der Atmosphäre waren die Werte nicht zu erklären.

Somit bleibt letztlich nur die Annahme, dass der eigentlich verbotene Klimakiller weiterhin produziert wird. Eine Einschätzung, die auch von nicht an der Untersuchung beteiligten Forschern geteilt wird. So bescheinigt Michaela Hegglin von der University of Reading (Großbritannien) in einem ebenfalls in „Nature“ veröffentlichtem Kommentar dem Autorenteam eine sorgfältige Analyse.

Zugleich betont sie die Bedeutung solcher wissenschaftlicher Untersuchungen: „Die Studie von Montzka und Kollegen zeigt einmal mehr, dass Umweltvorschriften nicht selbstverständlich sind und geschützt werden müssen und dass eine Überwachung erforderlich ist, um die Einhaltung sicherzustellen.“

  • tt
  • dpa
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