Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Monsterwelle in Alaska Mega-Tsunami durch 180 Millionen Tonnen Fels

100 Meter hoch türmten sich die Wellen in einem Fjord in Alaska auf, als dort ein Mega-Tsunami ans Ufer schlug. Jetzt ist klar, was die Fluten auslöste.
Kommentieren
Durch den klimabedingten Rückzug vieler Gletscher steigt die Tsunami-Gefahr in den Fjorden Alaskas. (Foto: dpa)
Gletscher in Alaska

Durch den klimabedingten Rückzug vieler Gletscher steigt die Tsunami-Gefahr in den Fjorden Alaskas. (Foto: dpa)

HeidelbergZum Glück war niemand vor Ort: Am 17. Oktober 2015 stürzten 180 Millionen Tonnen Fels in den Taan-Fjord Alaskas. Die gewaltige Masse verdrängte das Wasser im Tal, wodurch sich ein riesiger Tsunami aufbaute. Bis zu 193 Meter hoch schlugen die Flutwellen an den Hängen des Tals hinauf, wie eine aktuelle Untersuchung von Michael Loso vom National Park Service im Magazin Scientific Reports darlegt.

Der laut der Studie viertgrößte bekannte Tsunami der letzten 100 Jahre rasierte tausende Bäume ab und bewegte riesige Gesteinsmengen. Menschen kamen durch die Flutwelle aber wohl nicht zu Schaden, da sich der Vorfall in einer abgelegenen Region ereignete.

Sehr wahrscheinlich war der Tsunami eine Folge des Klimawandels. „Vor 30 bis 40 Jahren hat es den Taan-Fjord noch gar nicht gegeben – das Tal war mit Eis gefüllt“, zitiert die Washington Post den beteiligten Wissenschaftler Dan Shugar von der University of Washington.

Wo das Meer die Arktis frisst
Arktische Permafrost-Küste
1 von 12

34 Prozent der Küsten weltweit sind Permafrost-Küsten. Das heißt, der Boden enthält jede Menge gefrorenes Wasser, das die eingelagerten Sedimente wie Zement zusammenhält. Doch in Zeiten des globalen Klimawandels wird dieser Zement brüchig. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
2 von 12

In den vergangenen Jahren hat sich das Auftauen der Permafrost-Küsten so stark beschleunigt, dass sich das Meer in manchen Regionen über 20 Meter pro Jahr ins Land frisst. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung haben das Phänomen auf der nordkanadischen Permafrost-Insel Herschel Island untersucht und dokumentiert. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
3 von 12

„Herschel Island verliert pro Jahr bis zu 22 Meter seiner Steilküste. Der aufgetaute Permafrostboden rutscht dann in Form von Schlammlawinen ins Meer und trübt die umgebenden Flachwasserbereiche so großflächig ein, dass die braun-grauen Sedimentfahnen viele Kilometer weit ins Meer hineinreichen“, erläutert AWI-Forscher Michael Fritz. (Foto: AWI/Michael Krautblatter)

An der Küste von Herschel Island
4 von 12

Taut der Permafrost auf, lösen sich die zuvor im Eis eingeschlossenen Sedimente, Tier- und Pflanzenreste und werden von den Wellen ausgewaschen. Bei diesem Vorgang werden nicht nur die klimarelevanten Treibhausgase Kohlendioxid und Methan freigesetzt. Das erodierte Material enthält auch jede Menge Nähr- und Schadstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Quecksilber. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Satellitenbild von Herschel Island mit gut sichtbaren Sedimentfahnen vor der Küste
5 von 12

Diese Stoffe gelangen ins Meer, werden dort weiter transportiert, abgebaut oder angereichert und verändern nachhaltig die Lebensbedingungen im Flachwasserbereich. „Die Folgen für das Nahrungsnetz können wir bisher nur erahnen“, sagt Michael Fritz. (Foto: NASA Worldview)

Erodierende Steilküste der Herschel Insel
6 von 12

Wie sich die Biogeochemie der Küstenzone im Zuge der zunehmenden Erosion verändert und welche Konsequenzen dies für die Ökosysteme, für wichtige Fischgründe und somit am Ende auch für die Menschen in der Arktis hat, ist tatsächlich bislang noch kaum untersucht worden. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Forschungsarbeit an der Küste von Herschel Island
7 von 12

Vor allem logistische Probleme haben bislang eine genauere Erforschung des Phänomens verhindert. Viele der arktischen Küsten- und Flachwasserzonen sind weder per Auto oder Flugzeug noch mit großen Eisbrechern zu erreichen. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Seitdem zog sich der Tyndall-Gletscher jedoch um 17 Kilometer zurück, zugleich verringerte sich die Mächtigkeit der Eiszunge um 400 Meter. Im Jahr 1991 stabilisierte sich der Gletscher zwar wieder auf seiner jetzigen Position, doch im neu entstandenen Tal fehlte die stabilisierende Stütze durch das Eis.

An jenem 17. Oktober gab dann eine Wand direkt an der aktuellen Gletscherfront nach und rutschte mit hoher Geschwindigkeit (mehr als 160 Kilometer pro Stunde) in den Fjord – wobei ein Teil des Hangs auch auf das Eis prasselte. Ob es einen finalen Auslöser für den Felssturz gab, ist unklar: Zwei Minuten vor dem Ereignis bebte 500 Kilometer entfernt die Erde mit einer Stärke von 4,1; unklar ist jedoch, ob die seismischen Wellen letztendlich den Kollaps bewirkten.

Datenvergleiche deuten darauf hin, dass der Hang schon zuvor langsam in Bewegung war; eindringendes Wasser könnte ebenfalls das Abrutschen erleichtert haben. In der Region habe es im September und Oktober 2015 überdurchschnittlich viel geregnet, so die Studie.

Das Gesteinspaket verdrängte das Wasser im Fjord und löste Tsunamis aus, die mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde den Fjord hinunterrasten. Die Flutwellen schlugen die engen Seiten des Tals hoch und überspülten kleinere Inseln. Selbst am Ende des Fjords erreichten sie noch Höhen zwischen 10 und 30 Metern.

Erst als die Fluten ins offene Meer strömten, verteilten sich die Wassermassen so stark, dass sie nicht mehr vom normalen Wellengang zu unterscheiden waren. Mit welcher Wucht die Tsunamis im Tal auf das Land trafen, zeigen Steine, die wie Pistolenkugeln in das Holz der Bäume geschossen wurden. An manchen Stellen lagerten die Fluten Gesteinsmaterial fünf Meter dick ab.

Derartige Tsunamis kommen in Alaska immer wieder vor. Am berühmtesten ist wahrscheinlich das Ereignis von 1958 in der Lituya Bay, wo das Wasser sogar 550 Meter weit die Hänge hochraste. Für die Zukunft fürchten Shugar und Kollegen noch mehr derartige Naturkatastrophen. Denn je mehr sich die Gletscher zurückziehen, desto mehr Täler verlieren ihr Widerlager, so dass ihre Hänge instabil werden.

2017 beispielsweise zerstörte eine bis zu 90 Meter hohe Welle den grönländischen Ort Nuugaatsiaq, wobei vier Menschen starben. 20 Kilometer von der Siedlung entfernt war ein Fels ins Meer gestürzt. Es wird wohl nicht der letzte Vorfall gewesen sein.

Startseite

Mehr zu: Monsterwelle in Alaska - Mega-Tsunami durch 180 Millionen Tonnen Fels

0 Kommentare zu "Monsterwelle in Alaska: Mega-Tsunami durch 180 Millionen Tonnen Fels"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.