Naturkatastrophen Klimawandel fördert arktische Mega-Tsunamis

Die größten Monsterwellen der Erde entstehen im eisigen Norden: Tsunamis in der Arktis können sich hunderte Meter hoch auftürmen. Der Klimawandel begünstigt ihre Entstehung – und lockt mehr Menschen in die Gefahrenzone.
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Die riesige Welle brach große Eisbrocken von den umliegenden Gletschern. (Foto: Nature/Hermann Fritz)
Arktischer Tsunami

Die riesige Welle brach große Eisbrocken von den umliegenden Gletschern. (Foto: Nature/Hermann Fritz)

HeidelbergEs war einer der größten Tsunamis der letzten Jahrzehnte: Eine bis zu 90 Meter hohe Welle zerstörte in den Abendstunden des 17. Juni 2017 die Siedlung Nuugaatsiaq an der grönländischen Westküste und tötete vier Menschen. Der Ursprung der Woge gab zunächst Rätsel auf, doch dann identifizierte die dänische Küstenwache den vermutlichen Auslöser: ein Felssturz von einem Steilhang etwa 20 Kilometer von dem Ort entfernt.

Der Vorfall in einer der entlegensten Regionen der Welt ist nach Ansicht von Fachleuten ein Vorgeschmack auf die Zukunft: Der Klimawandel destabilisiert Bergflanken im hohen Norden und macht gigantische Erdrutsche wahrscheinlicher.

Wo das Meer die Arktis frisst
Arktische Permafrost-Küste
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34 Prozent der Küsten weltweit sind Permafrost-Küsten. Das heißt, der Boden enthält jede Menge gefrorenes Wasser, das die eingelagerten Sedimente wie Zement zusammenhält. Doch in Zeiten des globalen Klimawandels wird dieser Zement brüchig. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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In den vergangenen Jahren hat sich das Auftauen der Permafrost-Küsten so stark beschleunigt, dass sich das Meer in manchen Regionen über 20 Meter pro Jahr ins Land frisst. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung haben das Phänomen auf der nordkanadischen Permafrost-Insel Herschel Island untersucht und dokumentiert. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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„Herschel Island verliert pro Jahr bis zu 22 Meter seiner Steilküste. Der aufgetaute Permafrostboden rutscht dann in Form von Schlammlawinen ins Meer und trübt die umgebenden Flachwasserbereiche so großflächig ein, dass die braun-grauen Sedimentfahnen viele Kilometer weit ins Meer hineinreichen“, erläutert AWI-Forscher Michael Fritz. (Foto: AWI/Michael Krautblatter)

An der Küste von Herschel Island
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Taut der Permafrost auf, lösen sich die zuvor im Eis eingeschlossenen Sedimente, Tier- und Pflanzenreste und werden von den Wellen ausgewaschen. Bei diesem Vorgang werden nicht nur die klimarelevanten Treibhausgase Kohlendioxid und Methan freigesetzt. Das erodierte Material enthält auch jede Menge Nähr- und Schadstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Quecksilber. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Satellitenbild von Herschel Island mit gut sichtbaren Sedimentfahnen vor der Küste
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Diese Stoffe gelangen ins Meer, werden dort weiter transportiert, abgebaut oder angereichert und verändern nachhaltig die Lebensbedingungen im Flachwasserbereich. „Die Folgen für das Nahrungsnetz können wir bisher nur erahnen“, sagt Michael Fritz. (Foto: NASA Worldview)

Erodierende Steilküste der Herschel Insel
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Wie sich die Biogeochemie der Küstenzone im Zuge der zunehmenden Erosion verändert und welche Konsequenzen dies für die Ökosysteme, für wichtige Fischgründe und somit am Ende auch für die Menschen in der Arktis hat, ist tatsächlich bislang noch kaum untersucht worden. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Forschungsarbeit an der Küste von Herschel Island
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Vor allem logistische Probleme haben bislang eine genauere Erforschung des Phänomens verhindert. Viele der arktischen Küsten- und Flachwasserzonen sind weder per Auto oder Flugzeug noch mit großen Eisbrechern zu erreichen. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Welche Dimensionen solch ein Ereignis annehmen kann, zeigen Aufnahmen aus Grönland. Etwa 300 Meter breit und einen Kilometer lang sei die Narbe, die das in den Fjord stürzende Gestein im Berg hinterlassen habe, berichteten Kundschafter vor Ort.

Dass Erdrutsche am Ufer Tsunamis hervorbringen, kommt gar nicht so selten vor – erst am 19. Juli erzeugte herabstürzendes Gestein einen Tsunami an der kolumbianischen Küste. Doch die größten Wellen entstehen in der Arktis – dort, wo die Gletscher tiefe Fjorde ins Land gefräst haben und wegen des kalten Klimas weder Vegetation noch Verwitterung das steile Relief seither abmilderten. Unter solchen Bedingungen entstehen die größten bekannten Tsunamis – so zum Beispiel die mit 520 Metern höchste bisher dokumentierte Welle, die durch die Lituya Bay in Alaska pflügte.

Solche mächtigen Tsunami-Ereignisse unterscheiden sich grundsätzlich von den niedrigeren Tsunamis, die von Seebeben ausgelöst werden und beim Aufprall auf die Küste oft große Verwüstungen anrichten. Wellen nach Felsstürzen erreichen enorme Höhen, verlieren ihre Energie jedoch schon nach wenigen Kilometern, statt ganze Ozeane zu durchqueren.

Deswegen und weil die Polargebiete so dünn besiedelt sind, ist der Tsunami von Nuugaatsiaq mit vier Toten und einer verwüsteten Siedlung bisher ein Sonderfall unter den arktischen Erdrutsch-Tsunamis. Selbst hunderte Meter hohe Wellen zerstören meist kaum mehr als einen baumbestandenen Berghang – bisher jedenfalls.

Lockruf der Rohstoffe
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7 Kommentare zu "Naturkatastrophen: Klimawandel fördert arktische Mega-Tsunamis"

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  • Hallo Herr Fischer...in Ihren faszinierenden Ausführungen zur CO2 Klimakatastrophe hätten Sie vielleicht erwähnen sollen....

    Das es hierzulande keine schneereichen Winter mehr gibt (Mojib Latif 2000)
    Das die Arktis seit 2013 völlig eisfrei ist (Al Gore 2009)
    Das es mittlerweile zu spät ist die Welt zu retten (Hansen 2009, Umkehr bis 2013 notwendig)
    Das die Himalayagletscher 2030 abgeschmolzen sind (IPCC Report 2007)

    Das der "Klimawandel" für den Syrienkrieg verantwortlich ist (HB).
    Das es für die Engländer keine Fish & Chips mehr gibt.
    Das der "Klimawandel" die Prostitution befördert.

  • Herr Nampf...Korrektur meines letzten Kommentars...in den Carbonaten sind umgerechnet geschätzt 126 Billiarden to CO2 und nicht 160 Billiarden to CO2 gespeichert.

  • Hallo Herr Nampf...

    ich denke, dass Sie mit Ihrem Kommentar ein ökoreligiöses Unbehagen ausdrücken möchten weil Ihnen vermutlich die moderne Wohlstandsgesellschaft unheimlich ist.

    Sachlich gesehen sind die CO2 Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, 35 Mrd. to (2015), ca. 1 Bio to seit 1900 unbedeutend zum kurzfristigen umgerechnet ca. 160 Bio. to CO2 und erst recht zum langfristigen Kohlenstoffkreislauf der Erde umgerechnet ca. 160 Billiarden. to CO2.

    Ich habe, s. unten "Bürger für Technik", "Die Schwachstellen der Hypothese vom Klimawandel" eine Analyse zu der Thematik verfasst.


  • Ja, es hat schon immer Schwankungen gegeben. Aber:
    1. Nicht innerhalb so kurzer Zeit
    2. War der CO2 Gehalt der Atmosphäre in den letzten 400 000 Jahren noch nie so hoch. Und stieg noch nie so rasant, exponentiell an.

    Das bedeutet:

    1. Viele Tiere und Pflanzen können sich nicht so schnell anpassen.
    2 Aber schlimmer kommt es für den Menschen:

    - Ein großer Teil der Weltbevölkerung lebt in Küstennähe und in sehr tiefen Gegenden.
    Eine ganze Reihe von Inseln im Ozean wurden bereits aufgegeben, da bei Sturmfluten Meerwasser ins Grundwasser eingedrungen ist. und die Nahrungsgrundlage so zerstört hat.

    - Extremwetterlagen wie Dürre, Stürme und Überschwemmungen werden immer heftiger und zerstörerischer. Auch extreme Kälte ist eine Folge des Klimawandels, da sich mehr Energie in der Atmosphäre befindent, was zu schnelleren Luftmassenbewegungen führt, also auch mal schnell Luft vom Nortpol in den Süden bringt - während es dann am Nordpol Plusgrade gibt.

    Es wird auf jeden Fall viel teurer, nichts gegen den Klimawandeln und stattdessen gegen die Folgen anzukämpfen.

    Ein Temperaturanstieg über 2°, wovon 0,8° bereits erreicht sind, hätte katastrophale Folgen für die Menschheit. Insbesondere Verlust von fruchtbarem Boden und Ernteausfälle. Sowie eine große ans Meer verlorene Landfläche.

    Um unter den 2° zu bleiben, dürften nur noch 20% der bekannten fossilen Energiereserven verbrannt werden. Ich sehe ehrlich gesagt nicht, dass sich die Menschheit dazu durchringt.
    Auch müsste der Konsum von Fleisch, insbesondere Rindfleisch, stark eingeschränkt werden.

    Noch nehmen die schmelzenden Eismassen eine Menge Energie auf. Gletscher sind in vielen Gebieten auch unentbehrlich für die Wasserversorgung in der trockenen Jahreszeit.

    Es würde nichtmal ausreichen, die Emissionen nicht mehr zu steigern. Selbst bei einer Reduzierung auf 0 würde sich die Erde noch eine Weile weiter erwärmen. Derzeit ist aber eine weitere Steigerung der Emissionen zu verzeichnen.

  • @G. Nampf - 07.08.2017, 15:27 Uhr

    Sie sagen es. Bestenfalls ist es naiv aber eigentlich ist es skrupellose Heuchelei, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse in dem Augenblick geleugnet werden, wo eine angemessene Reaktion auf diese Erkenntnisse der gesamten Menschheit nützt, nur kurzfristig dem eigenen Geldbeutel nicht.

  • @Holger Narrog07.08.2017, 13:53 Uhr

    Davon auszugehen, daß die Menschheit alle fossilen Brennstoffe, die seit dem Karbon auf dieser Erde entstanden sind, einfach in die Luft pusten kann, ohne daß das gravierend nachteilige Auswirkungen hätte, ist bestensfalls unendlich naiv.



  • Das Klima ändert sich seit es die Erde gibt. Ein wärmeres Klima ist für das Leben auf der Erde in der Regel vorteilhaft. Aufgrund des Bolzmann Gesetzes und der Wasserbedeckung der Erde ist das Weltklima jedoch seit 600 Mio. Jahren so stabil dass höheres Leben in dieser Zeitspanne nicht ausgestorben ist. Eine Analyse meinerseits findet man unter "Bürger für Technik", "Die Schwachstellen der Hypothese vom Klimawandel"...einfach googlen.

    Seit dem Ende der Kleinen Eiszeit, ca. 1850, ist das Weltklima gem. diverser Studien um 0,5 - 0,8°C +-0,5° wärmer geworden. Das führt dann zu schrumpfenden Gletschern und Eisbergen und kann natürlich auch Tsunamis auslösen.

    Die Menschheit kann hier nur ähnlich verfahren wie im Pazifik und entsprechende Warneinrichtungen installieren.

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