Niedrigerer CO2-Ausstoß Teuer erkauft

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Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland bereits ein Gesetz verabschiedet, das Häuslebauern den Einsatz erneuerbarer Energie vorschreibt. Gabriel hält die Eingriffe für gerechtfertigt: "Wir wollen damit das hohe Potenzial zur Senkung des Energieverbrauchs besser ausschöpfen."

Helfen die teuer erkauften und zwangsverordneten Energieeinsparungen wenigsten dem Klima auf die Beine? Berechnungen der Deutschen Energie-Agentur (Dena) zufolge sinken die Emissionen eines durchschnittlichen Einfamilienhauses mit Ölheizung nach einer Modernisierung auf den gegenwärtigen Neubaustandard um mehr als die Hälfte von 14 auf 5,6 Tonnen, bei einem Umbau zum Niedrigenergiehaus auf 2,8 Tonnen. Eine Erdgasheizung belastet die Erdatmosphäre sogar noch weniger.

Die gute Bilanz trübt sich allerdings kräftig ein, wenn auch der Energieaufwand für die Herstellung, den Transport und die spätere Entsorgung der Energiespartechniken berücksichtigt werden. 95 Prozent der Dämmmaterialien zum Beispiel bestehen im Wesentlichen aus Erdöl und müssen am Ende ihrer Lebenszeit als Sondermüll beseitigt werden. Vor allem aber könnten die strikten Sanierungsvorgaben die Absichten der staatlichen Klimaretter in ihr Gegenteil verkehren. Davor warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Hauptgeschäftsführer Carsten Kreklau fürchtet "einen Investitionsstau, wenn den Immobilienbesitzern nicht mehr Spielraum gelassen wird, wie sie das Ziel erreichen". Die Folge: Die ohnehin niedrige Quote von 2,2 Prozent jährlich komplett energetisch sanierter Gebäude im Altbaubestand würde stagnieren oder sogar sinken - statt mehr würde weniger modernisiert.

Kritik am staatlich verordneten Dämmzwang üben auch Denkmalschützer und Architekten. Sie kritisieren, dass die Verpackung von Fassaden mit Hartschaum zu wenig Rücksicht auf Ästhetik und Bauphysik nimmt. Wände ragen anschließend gegen alle Gesetze von Logik und Statik über ihre Sockel hinaus, die Fenster versinken tief in den plumpen Fassaden. Selbst Eigentümer von altehrwürdigen Fachwerkhäusern lassen sich Verkleidungen aufschwätzen, hinter denen Kondenswasser Balken und Mauerwerk vermodern. "Alles, was großflächig auf der Fassade befestigt wird, schädigt die historische Substanz", warnt Albert Schett, Denkmalpfleger und Mitglied der Arbeitsgruppe Klimaschutz beim Hamburger Senat. Dickes Styropor, so seine Erfahrung, zieht zudem ungebetene Gäste an. "Eichhörnchen und Spechte bauen sich dann im vierten Stock ein Loft."

Schett wehrt sich nicht gegen das Energiesparen. Als verträgliche Alternative schlägt er Fußboden- und Wandheizungen vor, die Räume mit einem Bruchteil der Energie üblicher Heizkörper warm halten.

Am unproblematischsten - ökonomisch wie bautechnisch - sind zusätzliche Energiesparmaßnahmen in Neubauten. Ein paar Zentimeter mehr Dämmung verteuern den Bau nicht übermäßig. Und die Mehraufwendung ist nach der Erfahrung des Münchner Energieberaters Wolfgang Bauer in der Regel schon nach drei bis vier Jahren über niedrigere Heizkosten wieder hereingeholt. "Das ist sehr überschaubar."

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