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Phlegräische Felder Europas Supervulkan regt sich wieder

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Schaurig schöne Bilder von Rauchwolken und Lavaströmen
Im Vulkan-Observatorium des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie in Neapel werden die Vulkane Vesuv, Phlegräische Felder und Ischia überwacht. Quelle: dpa
Vulkanüberwachung am Monitor

Im Vulkan-Observatorium des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie in Neapel werden die Vulkane Vesuv, Phlegräische Felder und Ischia überwacht.

(Foto: dpa)

Wo alle Signale der einzelnen Messstationen zusammenlaufen, sieht es aus wie in einer Kommandozentrale: Alleine an einer Seite des Raumes sind 48 Bildschirme angebracht, die verschiedenste Graphen zeigen. Was für Laien unmöglich zu interpretieren ist, kann das Leben Hunderttausender Menschen retten.

Hier werden verschiedene Parameter visualisiert, die Aufschluss über die vulkanischen Systeme und ihre Veränderungen geben. Wie warm ist der Boden? Wie stark hebt und senkt sich die Erdoberfläche aufgrund der vulkanischen Aktivität? Aus welchen Gasen setzen sich die Rauchsäulen, sogenannte Fumarolen, wie in Pisciarelli zusammen?

Die Aktivität der Phlegräischen Felder ist zuletzt wieder gestiegen. Der Druck im Untergrund steigt, 2012 wurde die Alarmstufe auf Gelb angehoben: erhöhte Wachsamkeit. Denn nachdem es in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt ein starkes Auf und Ab begleitet von spürbaren Beben im Gebiet der Phlegräischen Feldern gab, steigt die Kurve seit einigen Jahren wieder nach oben. Die Erde wölbt sich auf.

Die unbekannte Seite der Berge
Alpamayo, Anden: Der schönste Gipfel der Erde
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Mit einer Höhe von 5947 Metern ist der Alpamayo in der peruanischen Cordillera Blanca nicht der höchste Berg Südamerikas oder gar der Welt – angesichts seines nahezu perfekten Trapezes aus Fels, Eis und Schnee aber sicherlich einer der schönsten Gipfel der Erde. Die Gletscher in diesem Teil der Anden sind allerdings gefährdet, denn steigende Temperaturen lassen sie hier wie in vielen Teilen der Erde schmelzen.

Für die Menschen an der trockenen peruanischen Küste hätte dies gravierende Folgen, denn das Eis bildet eines ihrer wichtigsten Trinkwasserreservoirs: Millionen Menschen hängen davon ab. Erstmals bezwungen wurde der Gipfel übrigens im Jahr 1957 durch eine deutsche Seilschaft. (Foto: dpa)

Mount Everest, Himalaja: Die höchste Müllkippe der Erde
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Natürlich ist der Mount Everest der höchste Berg der Erde – wenn man den Meeresspiegel als Basis nimmt: Mit 8848 Metern überragt er jeden anderen Gipfel. Alle Achttausender sind durch den Zusammenprall zwischen der Indischen und der Eurasischen Platte im Himalaja und dem angrenzenden Karakorum entstanden.

Heute ist der Mount Everest das Traumziel der meisten Bergsteigerinnen und Bergsteiger, was vor Ort mittlerweile eine ziemliche Umweltverschmutzung verursacht: Die Kletterer hinterlassen zu viele Abfälle und Exkremente. Kein Problem stellt diese Höhe übrigens für asiatische Streifengänse dar – sie wurden beim Überqueren des Himalajas schon in 9000 Meter Höhe gesichtet.

(Foto: dpa)
Chimborazo, Anden: Auch ein höchster Berg der Erde
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Der Chimborazo in Ecuador galt mit seinen 6310 Metern über dem Meeresspiegel bis Mitte des 19. Jahrhunderts tatsächlich als der höchste Punkt der Welt – bis die Messungen von George Everest im Himalaja den Nachweis erbrachten, dass es im heutigen "Dach der Welt" im Himalaja gleich mehrere Gipfel jenseits der achttausend Meter gibt. Selbst in der Neuen Welt lief ihm der Vulkan Aconcagua in Argentinien mit 6962 Metern den Rang ab.

Doch der Chimborazo trug seinen Ruf dennoch zu Recht: An keinem Punkt der Erde ist die Distanz zwischen dem absoluten Erdmittelpunkt und dem Gipfelkreuz größer als hier. Denn der Blaue Planet ist keine perfekte Kugel, sondern ein unregelmäßig geformtes Geoid – er ist deshalb an den Polen flacher als am Äquator und gleicht auch sonst eher einer zerknautschten Kartoffel. Mit 6384,6 Kilometer Entfernung überragt der Vulkan Chimborazo deshalb bei dieser Betrachtungsweise den Mount Everest (6382,4 Kilometer) um mehr als zwei Kilometer. (Foto: dpa)

Annapurna, Himalaja: Der gefährlichste Berg der Erde
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Jeder dritte Bergsteiger bezahlt den Versuch der Besteigung mit dem Tod: Die Annapurna gilt als der gefährlichste Achttausender der Erde – bis 2012 starben von 191 Kletterern 61 am Berg. Vor allem der Aufstieg über die Südflanke gilt als eine der schwierigsten Kletterrouten weltweit.

Im Oktober 2014 kosteten schwere Schneestürme mindestens 39 Menschen am Massiv das Leben; es war eines der verheerendsten Trekkingunglücke in Nepal. Mit 8091 Metern über dem Meer ist Annapurna I Main der zehnthöchste Gipfel der Erde. Die Region rund um das Massiv steht wegen ihres Artenreichtums unter Naturschutz und bildet das größte Reservat Nepals. (Foto: Wikipedia/Arite/CC BY-SA 3.0)

Sierra Nevada de Santa Marta, Kolumbien: Gebirge mit bewegter Geschichte
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In weniger als 50 Kilometern geht es in Kolumbien von der heißen Karibikküste hinauf ins ewige Eis des Pico Cristóbal Colón, des höchsten Bergs Kolumbiens. Er ragt in der Sierra Nevada de Santa Marta empor, die ihrerseits das höchste Küstengebirge der Welt ist. Doch der Berg lag nicht immer an der Nordseite Südamerikas – er hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Plattentektonik ließ dieses Gesteinspaket während der letzten 170 Millionen Jahre über 2200 Kilometer aus dem heutigen Peru in den Nordosten Kolumbiens driften.

Auf diesem Weg hat sich die Sierra Nevada de Santa Marta im Uhrzeigersinn gedreht, bevor sich ihr Plattenbruchstück in den südamerikanischen Kontinent eingefügt hat. Dadurch entstand gleichzeitig ein völlig neues Becken, welches das Gebirge heute von den Anden isoliert. Insgesamt ist das Gebirge sogar noch älter, denn einige der Gesteine weisen ein Alter von über einer Milliarde Jahren auf und wurden mehrfach gehoben. Wegen der abgeschiedenen Lage und der zahlreichen ökologischen Nischen gilt die Region auch als eines der artenreichsten Gebiete der Welt. (Foto: Wikipedia/Gemeinfrei)

Gamburtsew-Gebirge, Antarktis: Versteckt unter dem Eis
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Eine der größten Gebirgsketten der Erde ist an der Oberfläche nicht sichtbar – obwohl sie auf dem Festland emporragt. Doch die Gamburtsews verbergen sich unter dem kilometerdicken Eisschild der Antarktis. Bis zu 3400 Meter hoch sind manche der Berge, doch liegen darüber noch mehrere hundert oder tausend Meter dicke Gletscher, die den direkten Blick verhindern. Deshalb wurde es erst vor einem halben Jahrhundert überhaupt entdeckt.

Seit wenigen Jahren wird daran auch intensiver geforscht. Radaraufnahmen enthüllten beispielsweise das schroffe Relief des Gamburtsew-Gebirges, was Geologen völlig überraschte: Die Gletscher hätten die Grate und Täler glatt hobeln und abrunden müssen. Stattdessen hat das Eis steile Berge tatsächlich konserviert – ein fester Panzer aus Gefrorenem schirmt das Gestein vom restlichen, sich bewegenden Gletscher ab. (Foto: Columbia University/Lamont Doherty Earth Observatory)

Kilimandscharo, Tansania: Bald ohne Eis und Schnee?
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Schnee am Kilimandscharo – als Ernest Hemingway seine Kurzgeschichte 1936 erstmalig veröffentlichte, zierte tatsächlich noch ein großflächiger Gletscher den Gipfel des Vulkans. Doch seit der Erstbesteigung 1889 schrumpfte die eisbedeckte Fläche am Kibo, dem mit 5895 Metern höchsten Punkt des Kilimandscharos, von rund 20 auf weniger als zwei Quadratkilometer. Lange hatten Klimaforscher die Erderwärmung im Verdacht, diesen Schwund zu verursachen, doch mittlerweile scheint es so, als sei eher mangelnder Niederschlag die Ursache.

Der Berg erzeugt einen Teil seiner Regen und Schneefälle selbst, indem die dichten Bergwälder an seinen Hängen Luftfeuchtigkeit abgeben. Aus den entstehenden Wolken schneit es dann mitunter in den Gipfellagen. Die fortschreitende Abholzung stört diesen Wasserkreislauf jedoch und verhindert so Nachschub für das Eis. Prinzipiell nahmen die Niederschläge in der Region schon seit Ende des 19. Jahrhunderts großflächig ab, weshalb der Gletscherschwund bereits früh einsetzte: Die Sublimation – also der direkte Übergang von Eis zu Wasserdampf – übersteigt die Schneezufuhr nun bereits über Jahrzehnte.

„Der Trend ist klar erkennbar“, sagt Isaia. Vor vier Jahrzehnten stieg das Niveau des Bodens innerhalb von drei Jahren um 1,5 Meter an, Anfang der 80er Jahre gab es eine ähnliche Krise. Forscher sagen, eine derartige Situation ging dem Ausbruch im Jahr 1538 voraus.

„Das Problem ist, dass man die Eruption nicht vorhersagen kann“, sagt Thomas Walter vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam, der sich mit Erdbeben- und Vulkanphysik beschäftigt und den Vulkan selbst intensiv erforscht. Wo, wann und wie ein Ausbruch stattfinden würde – dahinter stehen dicke Fragezeichen.

Aussage gegen Aussage

Zwar habe man den Vulkan mittlerweile gut verstanden, sagt Walter. Warum es aber etwa die Schwankungen der intervallartigen Hebungen und Senkungen gebe, wisse man noch nicht richtig: „Die Anzeichen sind schon alarmierend. Aber es gab auch starke Hebungen ohne Ausbrüche. Wie zuletzt 1983, als sich der Boden gar um über zwei Meter aufwölbte – ganz ohne Ausbruch. Von derartigen Hebungsraten sind wir derzeit noch weit entfernt.“

Fotos von meterhohen Rauchwolken und Illustrationen, die sich ergießende Lava zeigen, zieren die Wände in Isaias Büro. Es sind schaurig schöne Bilder. Der Geologe ist seit 1999 am INGV in Neapel. Er beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte von Vulkanausbrüchen. „Mit Vulkanen ist es wie mit Menschen. Um eine Person zu begreifen, muss man ihre Geschichte kennen“, sagt er. „Jedes vulkanische System ist anders und zwischen dem Vesuv und den Phlegräischen Feldern liegen Welten.“

Das vulkanische Material der Campi Flegrei kann sich seinen Weg an verschiedenen Stellen bahnen. Einige sagten, am wahrscheinlichsten sei es am Rande der Caldera, dem riesigen Einbruchkessel, der entstand, nachdem das Deckgestein über der sich entleerenden Magmakammer eingebrochen ist, erklärt Isaia. Andere seien der Ansicht, das Magma könne sich am wahrscheinlichsten mitten in der Caldera freisetzen. Aussage gegen Aussage.

Unklarheit herrscht auch über den Grund der Bodenhebungen. „Eine Fraktion sagt: Grund dafür ist die Akkumulation neuen Magmas in der Tiefe“, sagt Walter. „Die andere sagt, es gebe keine Hinweise auf Magma, vielmehr seien hydrothermale Gase dafür verantwortlich, die vor der Magmakammer frei werden und sich in Untergrundreservoiren ansammeln.“

Wenn der Vulkan ausbricht, sollte man nicht da sein
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1 Kommentar zu "Phlegräische Felder: Europas Supervulkan regt sich wieder"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Meine Kenntnisse zum Vulkanismus und Geothermale Energie sind begrenzt.

    Was spräche denn dagegen die geothermale Energie dieses Supervulkans zu nutzen. Das mag vielleicht weniger wirtschaftlich sein als ein Kohlekraftwerk. Andererseits könnte man dem Supervulkan etwas Energie nehmen.

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