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Phlegräische Felder Europas Supervulkan regt sich wieder

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Wenn der Vulkan ausbricht, sollte man nicht da sein
Der Geologe Roberto Isaia wertet Satellitenbilder des Golfs von Neapel aus. Quelle: dpa
Satellitenbilder eines Supervulkans

Der Geologe Roberto Isaia wertet Satellitenbilder des Golfs von Neapel aus.

(Foto: dpa)

Von einem Tiefbohrprojekt, das Messinstrumente näher an das Geheimnis bis drei Kilometer unter die Oberfläche heranbringen würde, hält die Bevölkerung in dem Risikogebiet nichts. Zu groß ist die Angst, dass der Riese aufgeweckt wird.

Walter beruhigt. Keine Region der Welt sei so gut überwacht wie die um Neapel. „An den Vulkanen, die beobachtet werden, lassen sich Eruptionen gut vorhersagen.“ Verdichten sich Hinweise auf einen Ausbruch der Phlegräischen Felder, müssten gut 80.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. „Für die Bevölkerung in der roten Zone ist die einzige Schutzmaßnahme die vorsorgliche Evakuierung“, schreibt die Kommune Neapel.

Die rote Zone umfasst drei Gemeinden, Teile weiterer Orte – und wurde mittlerweile auf Neapel ausgeweitet. Die gelbe Zone erstreckt sich auf sechs Gemeinden und 24 Stadtteile der Großstadt – bis die nächste rote Zone kommt, die des Vesuvs, dessen Ausbruch rein statistisch gesehen wahrscheinlicher ist.

Höllenschlünde der Erde
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Krater von Derweze

Die Einwohner in seiner Umgebung nennen ihn das „Tor zur Hölle“. Knapp 300 Kilometer nördlich der turkmenischen Hauptstadt Aschgabat brennt seit 43 Jahren ein loderndes Feuer im Krater von Derweze. Als Wissenschaftler 1971 mitten in der Wüste Karakums Sondierungsbohrungen nach Gas machten, bohrten sie unbeabsichtigt einen unterirdischen Hohlraum an. Dieser brach zusammen, und ein etwa 70 Meter breiter Trichter bildete sich, aus dem seither Methangas austritt.

Um die umliegenden Dörfer zu schützen, entschlossen sich die Fachleute das Gas abzufackeln. Entgegen ihrer Erwartungen erlosch das Feuer jedoch nicht, sondern brennt auch heute noch – allen Löschversuchen zum Trotz.

Bild: Tormod Sandtorv/CC BY-SA 2.0

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Vulkan Nyiragongo 

Einer der seltsamsten Vulkane der Welt ist der Nyiragongo. Der 3470 Meter hohe Feuerberg gehört zu einer Gruppe von Stratovulkanen im Great Rift Valley im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Schwankend zwischen 450 – 600 Meter unter dem Kraterrand befindet sich der knapp einen Kilometer durchmessende Lavasee, der größte der Welt.

Wenn der Nyiragongo ausbricht, dann jedoch nicht explosionsartig. Stattdessen produziert er dünnflüssige Lavaströme, die wie Wasserfälle den Berg herabstürzen. 2002 verwüsteten seine Lavamassen die Stadt Goma. Noch heute bedeckt ein erstarrter, silbriger Steinpanzer die Straßen der Stadt.

Bild: Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

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Kristallhöhle 

Heiß und feucht ist es in der mexikanischen Kristallhöhle: Bis zu 50 Grad Celsius herrschen in der knapp 30 Meter großen Höhle, die Luftfeuchtigkeit liegt bei über 90 Prozent. Im April 2000 machten Bergarbeiter bei einer Bohrung für einen Luftschacht diese einmalige geologische Entdeckung in 290 Metern Tiefe: riesige Kristalle aus Marienglas, einer speziellen Gipsart.

Bis zu 14 Meter hoch und zwei Meter dick sind die einzigartigen Gebilde. Bis zur Bohrung war die Höhle mit 54 Grad Celsius warmen Wasser gefüllt. Vermutlich bereits seit Jahrmillionen. Denn nur unter absolut gleichbleibenden Bedingungen konnten sich die gewaltigen Kristalle aus dem niedrig konzentrierten Salzbad in den Minen von Naica, im Norden Mexikos, bilden.

Bild: Alexander Van Driessche/CC BY 3.0

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Jeita-Grotte  

Im Libanon, knapp 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt Beirut, findet sich die beeindruckende Tropfsteinhöhle Jeita Grotto. Knapp 9000 Meter lang und bis zu 108 Meter hoch, beherbergt sie unzählige Stalagmiten und Stalaktiten. Die erste neuzeitliche Entdeckung erfolgte 1836, doch schon früher scheinen Menschen den Zugang zu dem Höhlensystem gekannt zu haben, wie Funde belegen.

In den Jahren 1873/74 erforschte schließlich ein Expeditionsteam die Höhlen, die der FlußssNahr al-Kalb in den Kalkstein gegraben hatte, genauer. Als Beweis ihrer Erkundung platzierten sie eine fest verschlossene Flasche, die ein Stück Papier mit Namen und weiteren Auskünften enthielt, auf einem Stalagmiten. Der im Wasser enthaltene Kalk hat die Flasche im Laufe der Zeit auf dem Stein dauerhaft fixiert.

Bild: kcakduman / CC-by-2.0

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Solfatare

Es stinkt nach Schwefel, Rauchfahnen ziehen über den Boden, und hin und wieder schießt ein Geysir in die Höhe. So richtig gemütlich ist es auf dem Solfatare, dem eindrucksvollsten Vulkan der phlegräischen Felder am Golf von Neapel, nicht. Vielleicht war es ja dieser große Vulkankrater, der Dante zu seinem „Inferno“ inspirierte.

In seiner längsten Ausdehnung misst er knapp 770 Meter und wurde in der Antike als Kurort genutzt. Heute zieht es vor allem Touristen an den unwirtlichen Ort, der gerade wegen seiner besonderen klimatischen Bedingungen viele seltene Pflanzen beherbergt.

Bild: Wikimedia CC BY-SA 3.0

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Eishöhlen

Sie entstehen jedes Jahr aufs Neue, die beeindruckenden und bizarren Eishöhlen unter den mächtigen Gletschern Islands. Während sich der Gletscher kontinuierlich mit bis zu einem Meter pro Tag vorwärtsschiebt, wird das darunterliegende Eis vom Gewicht der darüber liegenden Schneeschichten über Jahrhunderte hinweg komprimiert. Bis letztlich die gesamte Luft aus dem Eis gedrückt und dieses dadurch glasklar wird.

Unter dem Gletscher schmelzen kleine Wasserläufe enge Hohlräume in das Eis. Die darin befindliche eiskalte Luft erzeugt einen umgekehrten Kamineffekt, durch den wärmere Luft von oben unter den Gletscher gezogen wird und so die Höhlen kontinuierlich erweitert. Die dabei entstehenden Eisbögen lassen vom einfallenden Licht nur den Blauanteil hindurch, so dass die Decke in den eindrucksvollsten Blautönen schimmert.

Bild: Wikimedia CC BY 2.0

„Aber wenn der Supervulkan ausbricht, dann solltest du nicht da sein“, bringt es Isaia auf den Punkt. Doch alleine die Festlegung der Zonen ist ein Politikum. Und: Wann ist eigentlich der Moment gekommen, die Menschen in Sicherheit zu bringen? In der Krise in den 80er Jahren wurden 20.000 Menschen umgesiedelt, weil es schien, dass ein Ausbruch kurz bevor stand. So kam es aber nicht.

Von der Evakuierung waren die meisten Menschen in Pozzuoli westlich von Neapel betroffen, eine malerische 80.000-Einwohner-Stadt. Die Gemeinde gilt als Zentrum der Phlegräischen Felder, in ihrem Gebiet liegt die Solfatara, einer der Vulkankrater.

Wie stark sich in dem Ort der Erdboden in den 80er Jahren anhob, erfährt man, wenn man mit den Leuten am Hafen spricht. Mario, um die Siebzig mit einem typischen Seefahrer-Tattoo auf dem Oberarm, roter Kappe und sonnengegerbter Haut, erinnert sich gut: Die Fischer blieben mit ihren Booten im Sand stecken, bevor sie die Anlegestelle erreichten, erzählt er mit rauchiger Stimme. Längst gibt es zwei Hafen-Niveaus.

Auch eine Ausgrabungsstätte im Zentrum hat der Vulkan gezeichnet. Die Säulen des antiken römischen Marktes standen längere Zeit unter Wasser, weil sich der Boden einst gesenkt hatte. Das Gestein ist durchzogen von feinen Löchern – Spuren von Meeresmuscheln. Heute liegt der Marktplatz wieder deutlich über dem Meeresspiegel.

Die Gefahr ist real
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1 Kommentar zu "Phlegräische Felder: Europas Supervulkan regt sich wieder"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Meine Kenntnisse zum Vulkanismus und Geothermale Energie sind begrenzt.

    Was spräche denn dagegen die geothermale Energie dieses Supervulkans zu nutzen. Das mag vielleicht weniger wirtschaftlich sein als ein Kohlekraftwerk. Andererseits könnte man dem Supervulkan etwas Energie nehmen.

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