Projekt „Smart Country“ Landwirte bringen die Energiewende

Die Energiewende bringt ein großes Problem: Der Ertrag von Windrädern und Solaranlagen schwankt abhängig vom Wetter stark. Ein Pilotprojekt zeigt, wie sich grüner Strom intelligent managen lässt.
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Die Kombination von Solar- und Biogasanlagen ist eine echte Chance für Landwirte. Quelle: LAIF

Die Kombination von Solar- und Biogasanlagen ist eine echte Chance für Landwirte.

(Foto: LAIF)

SpielmannsholzLandwirt Heinz Hoffmann hat seine eigene Leitwarte. In dem dunkelgrünen Bürocontainer neben seinem Kuhstall verfolgt der 53-Jährige, wie viel Strom die Solaranlage auf dem Dach seines Wohnhauses ins öffentliche Netz einspeist sowie wann und wie viel Strom er mit dem eigenen Biogas produziert.

Auf dem Bildschirm, vor dem er sitzt, läuft die Leistungskurve der Solaranlage gerade am oberen Rand. Die Sonne strahlt, die Stromproduktion ist nahe am Maximum. Mit einem Klick öffnet sich ein anderes Schaubild, und Hoffmann kontrolliert die Leistung seiner Biogasanlage. Der angeschlossene Generator ist aus, kein Gas wird verfeuert. Dafür füllt sich der kuppelförmige Speicher am Rande des Hofs – sechs Meter hoch, 26 Meter Durchmesser – mit Biogas.

Hoffmann ist zufrieden. Das System reagiert wie gewünscht. Wenn die Solaranlage auf Hochtouren läuft, ist die Stromproduktion aus Biogas gedrosselt. Heute Nacht, wenn die Solaranlage im Dämmerzustand ist, kehrt sich das um. Dann wird sich der Gasspeicher leeren und das Blockheizkraftwerk wird fleißig Strom produzieren.

„Energiehof Hoffmann“ prangt auf einem roten Schild am Stallgebäude, wo 50 Kühe täglich Milch produzieren. Auf der Anlage im kleinen Weiler Spielmannsholz in der Eifel wird die Energiewende schon seit Jahren gelebt. Hoffmann betreibt den Hof in der zweiten Generation. Mitte der 90er-Jahre schuf er sich mit der Stromproduktion ein zweites Standbein. Zuerst baute er mit befreundeten Landwirten drei Windanlagen, im Jahr 2000 investierte er in Biogas, und zuletzt installierte er die Photovoltaikanlage.

Energie bringt Umsatz

Und jetzt zeigt der „Energiehof Hoffmann“ wie eines der größten Probleme der Energiewende – zumindest teilweise – gelöst werden könnte: Die große Belastung des Stromnetzes durch die schwankende Einspeisung von grünem Strom, weil der Ertrag von Windrädern und Solaranlagen abhängig vom Wetter stark schwankt. Mit seiner Biogasanlage stellt er einen Puffer, der Strom bewusst dann einspeisen kann, wenn der Solarstrom spärlich anfällt.

Der Landwirt beteiligt sich am Pilotprojekt „Smart Country“, das der Energiekonzern RWE gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium im Eifelkreis Bitburg-Prüm drei Jahre lang durchführen will.

Der Standort ist bewusst gewählt. In ländlichen Regionen wird besonders viel Strom aus erneuerbaren Energien eingespeist. Hier in der Eifel drehen sich viele Windräder, hier sind auf fast jedem Stall große Solaranlagen installiert. Gleichzeitig ist das Netz wegen der geringen Bevölkerungsdichte schwach ausgebaut. „Es gibt zwei Alternativen: Entweder wir investieren viel Geld in neue Leitungen – oder wir investieren in intelligente Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik“, sagt Armin Gaul, der bei RWE Deutschland für den Test neuer Technologien verantwortlich ist.

Der Konzern hat hier in der Eifel Transformatoren mit modernen Spannungsreglern ausgestattet, um das Netz trotz der hohen Anforderungen zu stabilisieren. Das könnte ein neues 40 Kilometer langes Kabel, das eigentlich geplant war und sieben Millionen Euro gekostet hätte, überflüssig machen.

Und in Spielmannsholz wird eben zum ersten Mal die Biogasanlage eines Landwirts als Stromspeicher genützt. Hoffmann ist engagiert dabei. Ihm haben die erneuerbaren Energien schon eine neue Chance ermöglicht. Als er 2000 in die Biogasanlage investierte, hatte der Milchpreis mit 20 Cent je Liter einen Tiefpunkt erreicht. Mitte der 80er-Jahre als Hoffmann seine Meisterprüfung machte, waren es umgerechnet 45 Cent.

Dank der festen Einspeisevergütungen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz bot ihm die Investition in Wind, Biogas und Photovoltaik eine gut zu kalkulierende Alternative. Heute macht er 75 Prozent seines Umsatzes mit Energie. „Wenn man innovativ auf die Energiewende reagiert, profitiert man als Erster“, sagt Hoffmann. Aus dem Landwirt ist ein Energiewirt geworden.


  • juf
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5 Kommentare zu "Projekt „Smart Country“: Landwirte bringen die Energiewende"

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  • Betrieb einer Biogasanlage ist unmoralisch

    Betrieb einer Biogasanlage = Perversion. Lebensmittelvernichtung, Vermaisung der Landschaft, Überdüngung der Anbauflächen und damit mögliche Schädigung des Grundwassers, in den Anlagen verschmelzen Bakterien miteinander, es entstehen Mutierungen die es zuvor nicht gab und diese werden dann als Düngemittel auf die Äcker gebracht.

    Angedacht wurde Bioabfälle sinnvoll zu verwerten und plötzlich baut man Abfälle auf gutem Ackerboden an.

    Selbst wenn wir die gesamte deutsche Lebensmittelproduktion in die Biogasanlagen werfen, wird dadurch das Energieproblem hier nicht gelöst. Die Anzahl der Biogasanlagen steigt aber weiter und damit steigt auch der Flächenbedarf für den Anbau von Energiepflanzen sowie für die Verbringung der Gärreste.

    Im Landkreis Soltau-Fallingbostel (Niedersachsen) liegt der Flächenbedarf der Biogasanlagen bei ca. 28 %, Tendenz weiter steigend. Dadurch erhöht sich die Flächennachfrage, zwangsläufig verkleinert sich die Fläche für die Produktion von Lebensmitteln und das Angebot wird verringert. Im Landkreis Oberhavel (Brandenburg) gibt es mittlerweile 17 Biogasanlagen, zwei weitere sind genehmigt, drei weitere Anlagen in Planung.

    „Die Jägerschaft klagt in einigen Regionen Deutschlands über kaum noch zu bändigende Population an Wildschweinen, die durch den verstärkten Maisanbau immer bessere Futterquellen finden. Ebenso sind die Imker besorgt, da durch den Anbau von Energiepflanzen die Bienen immer weniger Nahrung finden und das Bienensterben neue erschreckende Ausmaße annimmt.“

    Jede dritte in Niedersachsen wachsende Maispflanze landet schon in einer Biogasanlage.

    Die benötigte Energiemenge wird durch diese Handhabung nicht beschafft und in der dritten Welt und hier steigen die Lebensmittelpreise. „Aus Lebensmitteln mit einem Wirkungsgrad von 20 Prozent Strom zu machen, ist verantwortungslos und unmoralisch.“

    http://www.juergenkeitel.homepage.t-online.de/xbiogas.htm

  • Betrieb einer Biogasanlage ist unmoralisch

    Betrieb einer Biogasanlage = Perversion. Lebensmittelvernichtung, Vermaisung der Landschaft, Überdüngung der Anbauflächen und damit mögliche Schädigung des Grundwassers, in den Anlagen verschmelzen Bakterien miteinander, es entstehen Mutierungen die es zuvor nicht gab und diese werden dann als Düngemittel auf die Äcker gebracht.

    Angedacht wurde Bioabfälle sinnvoll zu verwerten und plötzlich baut man Abfälle auf gutem Ackerboden an.

    Selbst wenn wir die gesamte deutsche Lebensmittelproduktion in die Biogasanlagen werfen, wird dadurch das Energieproblem hier nicht gelöst. Die Anzahl der Biogasanlagen steigt aber weiter und damit steigt auch der Flächenbedarf für den Anbau von Energiepflanzen sowie für die Verbringung der Gärreste.

    Im Landkreis Soltau-Fallingbostel (Niedersachsen) liegt der Flächenbedarf der Biogasanlagen bei ca. 28 %, Tendenz weiter steigend. Dadurch erhöht sich die Flächennachfrage, zwangsläufig verkleinert sich die Fläche für die Produktion von Lebensmitteln und das Angebot wird verringert. Im Landkreis Oberhavel (Brandenburg) gibt es mittlerweile 17 Biogasanlagen, zwei weitere sind genehmigt, drei weitere Anlagen in Planung.

    „Die Jägerschaft klagt in einigen Regionen Deutschlands über kaum noch zu bändigende Population an Wildschweinen, die durch den verstärkten Maisanbau immer bessere Futterquellen finden. Ebenso sind die Imker besorgt, da durch den Anbau von Energiepflanzen die Bienen immer weniger Nahrung finden und das Bienensterben neue erschreckende Ausmaße annimmt.“

    Jede dritte in Niedersachsen wachsende Maispflanze landet schon in einer Biogasanlage.

    Die benötigte Energiemenge wird durch diese Handhabung nicht beschafft und in der dritten Welt und hier steigen die Lebensmittelpreise. „Aus Lebensmitteln mit einem Wirkungsgrad von 20 Prozent Strom zu machen, ist verantwortungslos und unmoralisch.“

    http://www.juergenkeitel.homepage.t-online.de/xbiogas.htm

  • Um beim Artikel zu bleiben: Die Biogasanlage ist kein Energiespeicher, denn wenn man eng an der Definition bleibt, müsste elektrischer Strom, der schon erzeugt wurde, irgendwie gespeichert werden. Hier wird eine energetische Vorform - Biogas - kontrolliert und in Abstimmung des Bedarfes verbraucht.

    Generell: Biogaskraftwerke emittieren Methangas in die Atmosphäre, da eine 100%ige Dichtheit nicht gewährleistet werden kann. Metha ist 20x so klimaschädlich wie CO2. Korrekt ist jedoch, dass es besser ist, die Gülle teilweise klimafreundlicher zu verstromen, als diese einfach auf die Felder zu werfen.

    Informieren Sie sich mal bzgl. Pyrolyse und Bio-Rohöl.

  • Ganz abgesehen von dem fragwürdigen ökonomischen Nutzen handelt es sich dabei im wahrsten Sinne des Wortes um ein Schönwettersystem.
    Bei kurzfristigen Klimaveränderungen, wie sie durch Vulkanausbrüche in Europa ca. alle 150 Jahre einmal auftreten, kann man sowohl Solarkollektoren wie auch Biogasanlagen in die Tonne treten.

  • von einem Subventionstopf in den Anderen! Zuerst wurde die Landwirtschaft-indirekt der Lebensmittel-subvenioniert. Jetzt muß der Stromverbraucher die Zeche zahlen. Dazu kommt bei Biogasanlagen eine massive Geruchsbelästigung und eine hohe Verkehrsbelastung durch Beschickung und Gülleausbringung (Dieselverbrauch so hoch wie Stromerzeugung?) Keine der sog. erneuerbaren Energien kann zu Marktpeisen liefern. Die Planwirtschaft läßt grüßen.

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