Schlingpflanzen Lianen erdrosseln den Regenwald

Lianen bestimmen das klassische Bild von Tropenwäldern. Doch mittlerweile breitet sich Tarzans bevorzugtes Fortbewegungsmittel massenhaft aus. Die Schlinggewächse werden zu einer Gefahr für den Regenwald.
Schlingpflanzen hemmen das Wachstum der Bäume und gefährden die Rolle der Regenwälder als Kohlenstoffsenke. Quelle: dpa
Regenwald in Borneo

Schlingpflanzen hemmen das Wachstum der Bäume und gefährden die Rolle der Regenwälder als Kohlenstoffsenke.

(Foto: dpa)

HeidelbergSpätestens seit den Tarzan-Filmen gehören Lianen und andere Schlinggewächse zum klassischen Bild von Regenwäldern. Tatsächlich stellen sie etwa ein Viertel aller Arten des Ökosystems, und ihre Bedeutung nahm in den letzten Jahrzehnten deutlich zu: In vielen Regionen breiten sie sich aus, ihr Anteil an der vorhandenen Biomasse wächst.

Das könnte jedoch die Rolle der Regenwälder als Kohlenstoffsenke schmälern und dafür sorgen, dass sich noch mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre anreichert. Dies zeigt ein Experiment von Geertje van der Heijden von der University of Nottingham und ihren Kollegen auf der Insel Barro Colorado im Panamakanal, wo seit vielen Jahrzehnten Regenwälder erforscht werden.

Der Turmbau zu Amazonien
Klimamessturm Atto
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Der Eiffelturm ist 24 Meter kleiner, der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz ist mit 368 Metern nur 43 Meter höher: Am Wochenende ist im Amazonas-Regenwald 150 Kilometer nordöstlich von Manaus der welthöchste Klima-Messturm eröffnet worden.

Höher als der Eiffelturm
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325 Meter hoch reckt sich der rot-weiß-rote Stahlturm gen Himmel. Mit seiner Hilfe wollen Forscher ergründen, welche Bedeutung der Regenwald wirklich für das Weltklima hat.

Ein Messturm für den Klimawandel
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Der Amazonasregenwald gilt als einer der Kipppunkte des globalen Klimasystems. Und genau diese Punkte sollen mit Hilfe der Atto (Amazonian Tall Tower Observatory) genannten Anlage besser erforscht werden.

Daten sammeln im Sekundentakt
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Bestückt ist der Turm mit Sensoren, die im Sekundentakt Daten sammeln über Treibhausgase, Wolkeneigenschaften und den Transport von Luftmassen in dieser für das Weltklima so bedeutsamen Region.

Deutsch-brasilianisches Gemeinschaftsprojekt
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Mit deutscher Hilfe ist der Turm errichtet worden – je zur Hälfte bezahlen die brasilianische und die deutsche Seite 8,4 Millionen Euro für den Bau und die ersten fünf Betriebsjahre. Noch fehlt ein Teil der Technik, spätestens ab 2016 soll Atto aber voll funktionsfähig sein.

Max-Planck-Institute beteiligt
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Beteiligt an dem Projekt sind die Max-Planck-Institute für Chemie (Mainz) und für Biogeochemie (Jena), das brasilianische Bundesinstitut für Amazonasforschung (INPA) und die Universität des Staates Amazonas (UEA).

Hoch hinauf
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Der Turm soll rund 30 Jahre im Einsatz sein. Durch die Höhe – er ist besteigbar und wird atemberaubende Ausblicke über die „Grüne Hölle“ Amazoniens bieten – sollen fernab von menschlichen Einflüssen Messungen in höheren Luftschichten als üblich durchgeführt werden.

Bisherige Studien hatten angedeutet, dass Lianen die Baumsterblichkeit erhöhen und die Biomasseproduktion verringern, doch fanden diese Arbeiten nur in natürlich entstandenen Lichtungen statt, nicht unter streng festgelegten Versuchsbedingungen. Van der Heijden und ihr Team entfernten daher auf acht Flächen in einem sechzig Jahre alten nachgewachsenen Wald alle Schlingpflanzen und verglichen dies mit weiteren acht Arealen, die unbeeinflusst blieben.

Schon nach drei Jahren hatten die Lianen auf den behandelten Flächen den Biomassezuwachs um 76 Prozent reduziert, weil Bäume schlechter wuchsen und häufiger abstarben: Die Gewächse nutzen Bäume als Stütze und können daher mehr in Blätter statt ins tragende Holz investieren.

Das zeigt sich auch bei der Aufteilung der Biomasse: In lianenfreien Flächen war die Blattmenge um 14 Prozent kleiner, der Holzzuwachs dagegen um 65 Prozent größer. Wuchernde Schlingpflanzen verringern also nicht nur die Senkenwirkung der Wälder, sondern verschieben zusätzlich die Kohlenstoffbilanz von langfristiger Aufnahme im Holz zu kurzfristiger Einlagerung in den Blättern.

Auswirkungen auf den Klimawandel
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