Smart Grid Paulaner verdient Geld mit Stromlücken

Auch Unternehmen können zum Gelingen der Energiewende beitragen. Der Bierbrauer Paulaner schaltet seine Kälteanlagen ab, um das Stromnetz zu entlasten. Dabei profitiert das Unternehmen gleich doppelt.
  • Axel Höpner
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Die Stromkosten machen für den Bierbrauer Paulaner etwa fünf Prozent der Herstellungskosten aus. Quelle: dpa

Die Stromkosten machen für den Bierbrauer Paulaner etwa fünf Prozent der Herstellungskosten aus.

(Foto: dpa)
München

Die Bierbrauer sind ja nicht unbedingt als allzu offen für Innovationen bekannt. Schließlich brauen sie seit Jahrhunderten nach demselben Rezept. Doch bei der Münchener Traditionsbrauerei Paulaner hat bereits begonnen, worüber anderswo noch gesprochen wird: die Energiewende.

In einer Halle auf dem Firmengelände am berühmten Münchener Nockherberg stehen mehrere lärmende Kältekompressoren, sie spielen eine Schlüsselrolle im aktuellen Stromprojekt der Firma. Denn sie können - wenn sie gerade nicht auf Volllast laufen müssen - aus der Ferne kurzzeitig abgestellt werden, um die Stromnetze zu entlasten. Demand Response, automatische Laststeuerung, nennt man diese Technik, eine spezielle Anwendung vom sogenannten Smart Grid, dem intelligenten Stromnetz.

Dafür, dass diese Laststeuerung bei Paulaner funktioniert, sorgt das Münchener Unternehmen Entelios. Es nutzt die Schwächen der Energieversorger wie RWE oder Eon und die der Unternehmen wie Paulaner und verwandelt sie in Stärken.

Die Versorger haben nämlich das Problem, dass sie zeitweise zu wenig Strom liefern können, wenn beispielsweise während Windflauten kein Strom von Windkraftanlagen in die Netze eingespeist werden kann. Natürlich müssen die Versorger aber dennoch ihre Kunden konstant mit Strom beliefern. Um die Lücken zu schließen, müssten die Versorger teuer Strom zukaufen.

Auf der anderen Seite laufen bei vielen Stromkunden Geräte, die in dem Moment der Stromlücke möglicherweise gar nicht gebraucht werden. Beispiel Paulaner: Beim Brauen muss das Bier stets gut gekühlt werden. Dafür ist viel Strom notwendig - allerdings vor allem bei der Produktion von untergärigem Bier. Braut Paulaner gerade Weißbier, können die Kühlmaschinen dagegen auch schon einmal heruntergefahren werden.

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11 Kommentare zu "Smart Grid: Paulaner verdient Geld mit Stromlücken"

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  • Bier macht eben schlau

  • Bier macht eben schlau

  • Klingt reichlich blauäugig, dass ein Berater auch noch Geld BEZAHLT. Wovon lebt dieses Beratungsunternehmen dann ? Vermutlich vom Ausnutzen der unterschiedlichen Tarife zwischen Normal- und Schwachlast, die teilweise erheblich sein können. Aber das könnte eine gute Geschäftsführung auch alleine mit dem Stromlieferanten vereinbaren.

  • PAULANER
    Anpassung des Stromverbrauchs an das Angebot ?
    Es ist kaum zu glauben, dass man für solch eine Maßnahme einen Berater braucht, mit dem man sich dann die Ersparnis auch noch teilen muss. Auf diese Idee kann doch jeder kommen. Gibt es bei den Unternehmen keinen Anreiz für die Arbeitnehmer, Verbesserungsvorschläge einzureichen ?

    Übrigens: VOR der Erfindung von LINDE hatte jede Brauerei ihren Eiskeller, der sich tief in der Erde befand, wo das ganze Jahr über die Temperatur des umgebenden Erdreichs unter 10 Grad liegt. Warum nutzen die Brauerein bei den heutigen hohen Strompreisen dies nicht wieder ?


  • So ganz verstehen tu ich das Konzept nicht. Wenn die Kühlaggregate in bestimmten Zeit überflüssig sind, warum schaltet man sie dann nicht immer in dieser Zeit ab. Das Hilft zwar nicht der Glättung, aber es hilft den Energiekosten.
    Meiner Meinung nach, kann man nur da Geräte on demand abschalten, wo Puffer dafür Sorgen, dass man etwas auf Lager produzieren kann und bei Bedarf dann aus diesen lagern lebt.

  • Was hier als Innovation gepriesen wird, ist in Wahrheit nichts neues: Flexible Anlagen zu poolen und als virtuelle Kraftwerke (oder Verbraucher)zu vermarkten, ist längst Praxis. Sicherlich besteht ein gewisser Bedarf darin, diese Prozesse effizienter zu gestalten. Was mir jedoch nicht gefällt, ist, dass hier ganz offensichtlich zu viele mitverdienen: Der Dienstleister, der Versorger (oder umgekehrte Reihenfolge ?) und am Ende der Kunde (Paulaner, der diesen Deal überhaupt möglich macht). Der "Versorger" ist in diesem Spiel jedoch vollkommen überflüssig!

  • Ich glaube, Mollemop hat den Beitrag nicht gelesen. Paulaner zahlt kein Geld an Entelios, sondern spart gleich doppelt, wie es im Beitrag richtigerweise steht: Einerseits durch gesenkte Energiekosten, andererseits dadurch, dass Entelios Geld an Paulaner zahlt (nicht umgekehrt).
    Zum besseren Verständnis helfen vielleicht die Infos auf www.demand-response.de

  • Hallo "Mollemopp",

    wo steht, daß Paulaner dafür irgendetwas an Entelios zahlen muß? Im Gegenteil, sie bekommen Geld dafür!
    Wo steht, daß es irgendwelche Einschränkungen in der Produktion gibt? Wir haben keine Einschränkungen gesehen.
    Und wenn ein Unternehmen mit geringer Marge produziert (etwa 1-2%), dann sind Kosteneinsparungen für die Marge SEHR relevant, auch wenn sie insgesamt nicht sehr hoch sein mögen.
    Machen Sie sich eventuell über etwas lustig, wovon Sie nichts verstehen? Könnte ja sein :)!

  • Ich glaube "Mollemopp" sieht das Thema ein wenig zu oberflächlich. Nur wenige Dinge sind absolut sicher, aber das die Strompreise steigen werden, dagegen wird niemand mehr wetten wollen. D.h. man sollte dieses Thema nicht nur in der Gegenwart rechnen, sondern auch für die Zukunft. Ich erinnere mich hier an das Thema Compliance, vor 10 Jahren eher unbekannt. Heute hat fast jedes Unternehmen einen Compliance Beauftragten und dieses Thema wird gesetzlich wie auch von den Shareholdern regelmäßig abgefragt. Die Betrachtung singulärer Fälle mit einer "nur" 5% Einsparung ist sicher nicht relevant, aber viele 5% Einsparungen ergeben in Summe dann doch schon relevante Werte.

  • Jeder der etwas von Betriebswirtschaft versteht, lacht sich beim Lesen dieses Artikels schlapp. Der Strom-Anteil der Herstellungskosten beträgt bei Paulaner 5%. Und davon können 3% durch dieses Verfahren eingespart werden. Dafür muss aber wiederum Paulaner an Entelios für die intelligente Stromsteuerung Geld bezahlen. Also kaum Stromeinsparung und wahrscheinlich keine oder nur eine geringe finanzielle Einsparung. Dafür aber Einschränkungen in der Flexibilität der Produktion. Paulaner nutzt hier nur die Werbewirksamkeit, die Firmen zuteil wird, wenn sie mit Öko und sogenannten Erneuerbaren Energien Publicity betreiben. Die mit der grünen Brille vor den Augen, feiern das als Erfolg. Jeder mit Sachverstand schüttelt mit dem Kopf und fragt sich, wie weit dieser Schwachsinn noch gehen wird.

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