Smart Meter Beim Stromzähler stockt die Digitalisierung

Smarte Stromzähler müssen hohe Sicherheitsstandards erfüllen, auch gegen Angriffe von Kriminellen. Genau das verzögert die Einführung.
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Die Einführung smarter Stromzähler ist ins Stocken geraten. Quelle: dpa
Stromzähler

Die Einführung smarter Stromzähler ist ins Stocken geraten.

(Foto: dpa)

EssenWäsche waschen, wenn der Strom für die Waschmaschine besonders preiswert ist. Das Elektroauto mitten in der Nacht laden oder den Strom der Solaranlage auf dem eigenen Dach zu guten Preisen ins Netz abgeben – dafür sollen intelligente Stromzähler sorgen. Doch die Einführung der smarten Technik ist ins Stocken geraten.

Dabei sollten die ersten größeren Stromverbraucher schon seit dem vergangenen Jahr mit den Smart-Metern ausgerüstet werden. Aber die Zugänge (Gateways), die den Zähler mit den Netzbetreibern und den Stromlieferanten verbinden sollen, sind immer noch nicht zugelassen.

Für die meisten Privathaushalte sind solche intelligenten Stromzähler ohnehin noch Zukunftsmusik. Bei ihnen wird nur der vertraute schwarze Zähler mit Drehscheibe gegen einen digitalen Stromzähler ausgetauscht. Er kann „ein bisschen mehr als die alten Zähler“, sagt der Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Udo Sieverding.

So wehren Sie Angriffe auf Ihr vernetztes Heim ab
Kinderspiel
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Die vernetzte Videokamera im Kinderzimmer: für jedermann aus dem Internet erreichbar. Mehr als ein PC mit Internetzugang und ein wenig Wissen über spezialisierte Online-Suchmaschinen wie Shodan, Thingful oder Censys sind nicht nötig, schreibt die „Wirtschaftswoche“, und Heerscharen ungesicherter Webcams eröffnen genaue Einsichten in deutsche Kinderzimmer, Wohnstuben oder Gärten.

Wachstumsmarkt Heimvernetzung
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Bis 2020 sollen sich die Umsätze für Smart-Home-Technik laut einer Prognose von Statista in Deutschland auf rund acht Milliarden Euro summieren – bei Wachstumsraten von 40 Prozent pro Jahr. Möglichkeiten, sich ins  vernetzte Heim zu hacken, gibt es also mehr als genug. Das reicht von ungeschützten Smartphone-Apps über schlecht gesicherte Verbindungen zwischen Handy und Smart-Home-Zentrale bis zu Schwachstellen in den Onlineportalen der Anbieter.

Gefahr: Billigtechnik
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Eine Nebenwirkung des Trends zum Internet der Dinge: die unfreiwillige Offenheit vieler Bundesbürger, die ihr Zuhause zunehmend vernetzen und ihre Häuser und Wohnungen immer häufiger mit Billigtechnik hochrüsten. Ein Risiko, denn gerade diese ist erschreckend oft, das hat ein Test der „Wirtschaftswoche“ ergeben, schlecht gegen Späher oder Hacker aus dem Netz gesichert.

Kaum IT-Erfahrung
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So finden sich immer wieder Lücken bei der Verschlüsselung von Passwörtern, bei der Authentifizierung von Zugriffen über das Internet oder Manipulationsmöglichkeiten durch Angreifer von außen. Je billiger die Technik, desto mehr Menschen ohne große IT-Erfahrung schaffen sich so angreifbare Schwachstellen, weil sie kaum in der Lage sind, Webcams oder Temperatursensoren mit sicheren Passwörtern oder einer integrierten Firewall zu schützen.

Unter der Lupe
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Für den Test der „Wirtschaftswoche“ haben Experten des internationalen IT-Sicherheitsdienstleisters SEC Consult mit Sitz in Wien die Systeme der wichtigsten Anbieter im deutschen Markt unter die Lupe genommen. Im Check: die Angebote von Devolo, Digitalstrom, eQ-3, Gigaset, RWE und die von der Deutschen Telekom betriebene Qivicon-Plattform. Die Ergebnisse im Überblick.

Devolo Home Control
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Konzept: Cloud-gestützte Plattform, die rund zehn unterschiedliche Mess- und Steuermodule per Funk vernetzt.
Preis: ab 220 Euro.
Beanstandung: Passwort in App bei Gebrauch unverschlüsselt. Wer vermeiden will, dass Finder oder Diebe des Smartphones das vernetzte Heim ausforschen, muss sich bei Devolo nach Gebrauch der App wieder ausloggen und das Handy mit einem Passwortschutz sichern. Auf Anfrage erklärte das Unternehmen gegenüber der „Wirtschaftswoche“, man überprüfe das Sicherheitskonzept, halte den Schutz aber schon jetzt für ausreichend.
(Quelle: PR)

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(Quelle: PR)

An den digitalen Geräten kann der Kunde ablesen, wie viel Strom er beispielsweise am Vortag, in der vergangenen Woche oder im ganzen Monat verbraucht hat. Noch sei das Ablesen der Werte aber schwierig: Viele Geräte müssten dafür umständlich mit einer Taschenlampe angeblinkt werden, bemängelt Sieverding. Zum Ablesen für die Stromrechnung muss weiter ein Mitarbeiter des Stromlieferanten kommen oder der Kunde gibt die Daten selbst über das Internet ein.

Der Nutzen der modernen Zähler halte sich daher für den Stromkunden in Grenzen. „Wer seine Stromfresser sind, weiß er auch so“, sagt der Verbraucherschützer. Die höheren Kosten der neuen Zähler, für die im Jahr maximal 20 Euro berechnet werden dürfen – etwa 7 Euro mehr als bisher – ließen sich beim Stromverbrauch mit Hilfe der neuen Geräte vermutlich nicht einsparen. Und wenn der neue Zähler nicht in den Zählerkasten passe, könne es für den Haubesitzer richtig teuer werden.

Etwa 88 Prozent der Haushalte in Deutschland sollen diese digitalen Zähler erhalten. Der Austausch läuft bereits. Bis aber alle Haushalte neue Messgeräte erhalten haben, wird viel Zeit vergehen. Bis 2032 sollen alle Verbraucher laut Bundesnetzagentur mit modernen Messeinrichtungen ausgestattet sein. Ihr zufolge gab es 2016 rund 7 Millionen elektronische und gut 43 Millionen klassische Zähler.

Die Sicherheitsanforderungen sind hoch
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