Solarmodule als Straßenbelag Strom aus der Straße ist noch kein Erfolgsmodell

Straßen, die mit Solarmodulen ausgelegt sind, werden derzeit in Frankreich und den USA getestet. Die Ergebnisse sprechen bislang aber nicht für diese Form der Stromerzeugung.
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Die Bilanz der französischen Teststrecke ist wenig ermutigend. (Foto: Wattway)
Solarstrom aus der Straße

Die Bilanz der französischen Teststrecke ist wenig ermutigend. (Foto: Wattway)

BerlinFläche ist ja genug da, und die Idee von Frankreichs ehemaliger Energie- und Umweltministerin Ségolène Royal klang erst einmal auch nicht so schlecht: Frankreichs Straßen sollten zu Solarkraftwerken werden. Die Bilanz der ersten Solarstraße Frankreichs ist jedoch nicht sehr ermutigend, wie ein schottischer Wissenschaftler analysiert hat.

Anfang 2016 hatte Royal angekündigt, dass bis 2021 rund 1000 Kilometer Straße mit Solarzellen ausgelegt werden sollen. Noch im gleichen Jahr wurde nahe der Gemeinde Tourouvre-au-Perche in der Normandie die erste Solarstraße freigegeben.

Das Teilstück ist etwa einen Kilometer lang, die Paneele bedecken eine Fläche von rund 2800 Quadratmetern. Der Bau kostete fünf Millionen Euro, was knapp 12.000 Euro pro Kilowatt (kW) entspricht. Die Solarpaneele haben eine Leistung von 420 kW und sollen knapp 770 Kilowattstunden pro Tag (kWh/Tag) erzeugen.

Solarstrom für den Hausgebrauch
Consolar
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Heizen mit Eis
Die Hybridkollektoren des Lörracher Unternehmens Consolar am Bodensee zapfen nicht nur die Sonne als Wärmespender für Dusche und Heizung an. Sie entziehen auch der Luft Wärme und speichern diese in Verbindung mit einer Wärmepumpe in einem Speicher. Ein Teil der Energie wird zu Eis gefroren. Taut das Eis wieder zu Wasser auf, wird besonders viel Energie frei. Dank dieses Effekts fasst der Eis-Wasserspeicher acht Mal mehr Energie als konventionelle Wasserspeicher gleicher Größe.

Consolar Solaera

Referenz-Hell-Foto2
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Schaufelrad auf dem Dach

Über die Dächer unserer Städte und Dörfer streicht, außer bei Windstille, ein beständiger Luftstrom – besonders intensiv über die glatte Oberfläche von Solarmodulen. Die LWS Systems aus Mecklenburg-Vorpommern hat eine Strömungsturbine entwickelt, die ihn über Schaufeln auffängt und in elektrische Energie umwandelt. Die Hybridtechnik hebt die Energieausbeute auf dem Dach; sie ist genehmigungsfrei.

www.lws-systems.com/windmodule

TAGHeuer-MERIDIIST
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Solarhandy gegen Nomophobie
Es soll Menschen geben, die sich vor nichts mehr fürchten als auch nur eine Minute nicht erreichbar zu sein. Nomophobia (No-Mobile-Phone-Phobia) heißt das Phänomen in Fachkreisen. Den Geplagten kann geholfen werden, verspricht das Schweizer Unternehmen Tag Heuer - eigentlich bekannt für Luxusuhren. Es will im Juli ein Handy auf den Markt bringen, dessen im Display integrierte transparente Solarzelle genug Strom produzieren soll, um das Mobiltelefon allzeit auf Empfang zu halten. Das Laden funktioniert angeblich auch bei Kunstlicht.

TAG Heuer Meridiist

C-MAXSolarEnergi
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Doppel-Pack für den Hybrid
Weil gleich zwei Solarquellen die Batterie des C-Max Solar Energi von Ford mit Elektronen auffüllen, soll der Plug-in-Hybrid mit Verbrennungsmotor ganz ohne Kabel und Stecker auskommen. Er lädt sozusagen während der Fahrt – sofern die Sonne scheint. Das Konzeptfahrzeug hat zum einen klassische Siliziumzellen auf dem Dach. Zum anderen ist es mit sogenannten Konzentratorzellen bestückt, die das Sonnenlicht wie ein Brennglas bündeln. Das soll die Ladegeschwindigkeit verachtfachen.

C-MAX Hybrid Energi

Klepper
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Paddelboot für Faule
Lass mal die Sonne ran! Kann sich sagen, wer mit einem Elektro-Kajak von Klepper auf Flüssen und Seen unterwegs ist. Zwei Solarmodule mit zusammen 60 Watt Leistung treiben das Boot bei Sonnenschein mit Paddelgeschwindigkeit lautlos voran. Sobald der Fahrer selbst die Paddel ins Wasser sticht, laden die Zellen einen Akku. Dann hat er Strom für Handy, GPS und Zeltbeleuchtung zum Nulltarif.

Klepper Falt Solarantrieb für E-Kajaks

Sun-in-a-Jar-PR
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Sonne im Glas
Die Bürger von Schilda wollten das Sonnenlicht einst mit Eimern einfangen und damit ihr fensterloses Rathaus erleuchten – so eine der Sagen von Till Eulenspiegel. Mit diesem umdisponierten Einmachglas wird das Märchen endlich wahr: Einfach das Behältnis in die Sonne stellen und abends den Deckel verschließen – schon erstrahlt feines Solarlicht. Das Geheimnis: Das Glas enthält Solarzellen und einen Akku, dessen Strom eine Leuchtdiode fünf Stunden aufleuchten lässt.

Sun in a Jar

Die Realität sieht jedoch anders aus: Laut öffentlich zugänglichen Daten liegt der Ertrag lediglich bei 409 kWh/Tag. Der Auslastungsgrad beträgt fünf Prozent für die Solarstraße.

Dylan Ryan von der Universität Edinburgh nennt in seinem Beitrag im Online-Wissenschaftsmagazin „The Conversation“ mehrere Gründe für die schwache Ausbeute: Da die Paneele das Gewicht von Pkws und Lkws aushalten müssen, sind sie von einer dicken Glasschicht bedeckt, die einen Teil des Lichts absorbiert. Zudem liegen die Paneele flach auf dem Boden und haben deshalb keine gute Ausrichtung zur Sonne.

Auch können die Paneele im Schatten liegen oder mit Staub und Schutz bedeckt sein. Das senkt aber die Leistung: Lägen fünf Prozent der Zellen im Schatten, könnte der Ertrag um die Hälfte sinken. Schließlich kann die Luft um die im Boden eingelassenen Solarmodule nicht so gut zirkulieren wie um freistehende. Dadurch erwärmen sie sich, was wiederum die Effizienz verringert.

Bei einer Solarstraße in den USA sieht es ähnlich aus: Das Unternehmen Solar Roadways hat in Sandpoint im US-Bundesstaat Idaho knapp 14 Quadratmeter Gehweg mit Solarmodulen ausgelegt, die eine Leistung von 1,5 kW liefern.

Der Gehweg befindet sich mitten im Ort, das bedeutet, die Module liegen oft im Schatten und im Winter oft unter Schnee. Entsprechend sieht die Bilanz aus: Die Module lieferten 104,8 kWh in einem Jahr, was einem Nutzungsgrad von 0,782 Prozent entspricht – bei Baukosten von über 27.000 Euro pro kW.

Zum Vergleich führt Ryan das Solarkraftwerk Cestas bei Bordeaux an. Es hat bei einer Leistung von 300 Megawatt (MW) einen Nutzungsgrad von 14 Prozent. Dabei haben die Solarmodule im Bau 1200 Euro pro kW gekostet.

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