Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Stürmische Aussichten Mittelmeer könnte zur Hurrikan-Zone werden

Auch das Mittelmeer kennt schwere Tropenstürme – die Medicane. Ihre Stärke könnte zukünftig weiter zunehmen und die von echten Hurrikanen erreichen.
Kommentieren
Auch dem Mittelmeer drohen nach Einschätzung von Wissenschaftlern künftig Stürme von Hurrikan-Stärke. Quelle: dpa
Hurrikan Florence vor der US-Ostküste (Satellitenbild vom 11. September 2018)

Auch dem Mittelmeer drohen nach Einschätzung von Wissenschaftlern künftig Stürme von Hurrikan-Stärke.

(Foto: dpa)

Heidelberg Immer wieder im Herbst können sich im Mittelmeer schwere Stürme entwickeln: die so genannten Medicane – eine Art Tropensturm, der aber nur selten die Stärke eines schwachen Hurrikans erreicht. 2018 zog beispielsweise Medicane „Zorbas“ durch das Meer zwischen Italien und Griechenland und sorgte für reichlich Regen und Sturmfluten an der griechischen Küste.

Diese Stürme entwickeln sich, wenn kalte Luftmassen aus Norden über das noch aufgeheizte Mittelmeer ziehen, was üblicherweise im September und Oktober geschehen kann. Der auslösende Kaltlufttropfen weist in der Höhe sehr niedrige Temperaturen auf und sorgt dann über dem badewannenwarmen Mittelmeer für einen starken Temperaturkontrast zwischen der Wasseroberfläche und der höheren Atmosphäre.

Das führt zu einer rasanten Bildung eines Sturmtiefs, weil die feuchtwarmen Luftmassen innerhalb des betroffenen Gebiets rasch nach oben schießen und dabei durch Kondensation des Wasserdampfs dem Gebilde weiter Energie zuführen. Bisweilen bildet sich ein organisierter Wirbel, der sogar ein Auge wie ein richtiger Hurrikan aufweisen kann.

Wie der Klimawandel die Erde verändert
Zerstörerische Naturgewalten
1 von 15

Der Klimawandel ist längst da, auch hierzulande. Hochwasser (hier 2016 im niederbayerischen Simbach) und andere auf Wetterextreme zurückführbare Naturkatastrophen haben in den vergangenen Jahren Milliardenschäden angerichtet. Und wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Extreme häufiger und heftiger werden. Ein Überblick über das, was Forscher für die Zukunft erwarten.

(Foto: dpa)
Unwetterschäden in Süddeutschland
2 von 15

Ein vor wenigen Tagen vorgestelltes Handbuch mit Beiträgen von mehr als 100 Wissenschaftlern rechnet vor, dass klimabezogene Naturgefahren zwischen 1970 bis 2014 volkswirtschaftliche Schäden von über 90 Milliarden Euro verursacht haben. Tendenz steigend. Unter anderem rechnen Klimaforscher...

(Foto: dpa)
Mehr Stürme
3 von 15

...mit einer Zunahme von Stürmen über der Nordsee und Nordwestdeutschland.

(Foto: dpa)
Steigende Meeresspiegel
4 von 15

Weltweit sind Küstenregionen und Inselstaaten zudem durch den Anstieg der Meeresspiegel gefährdet.

(Foto: dpa)
Saure Meere
5 von 15

Das Treibhausgas Kohlendioxid lässt die Ozeane versauern. Das von den Meeren aufgenommene Gas gefährdet unter anderem weltweit Korallenriffe, die als Kinderstube von Fischen und anderen Meerestieren, aber auch als Touristenmagnet wichtige Wirtschaftsfaktoren sind.

(Foto: dpa)
Häufige Hitzewellen
6 von 15

Hitzewellen im Sommer haben sich in Westeuropa seit 1880 verdreifacht – und diese Entwicklung dürfte sich noch deutlich verschärfen. In Deutschland stiegen die Temperaturen von 1881 bis 2014 im Jahresdurchschnitt um 1,3 Grad. Vor allem für chronisch Kranke, Alte und Allergiker ist diese Entwicklung bedrohlich.

(Foto: dpa)
Warme Winter
7 von 15

Damit geht einher, dass frostige Winter mit viel Schnee in unseren Breiten immer seltener werden. Für Regionen, die vom Wintertourismus leben, könnte das herbe Einbußen bedeuten.

(Foto: dpa)

Doch im Gegensatz zu Hurrikanen oder Taifunen erreichen Medicane in der Regel nur einen Durchmesser von rund 200 Kilometern – im Gegensatz zu den mehr als 1000 Kilometern bei einem tropischen Wirbelsturm. Zudem sind sie meist kurzlebig und lösen sich nach wenigen Tagen wieder auf.

Medicane sind seltene, aber bekannte Wetterphänomene im Mittelmeerraum – und der Klimawandel wird auch sie zukünftig beeinflussen, wie Wissenschaftler um Juan González-Alemán von der Universität Castilla-La Mancha in den Geophysical Research Letters schreiben.

Die Wissenschaftler haben dabei gute und schlechte Nachrichten: Die Stürme entwickeln sich demnach seltener, weil Kaltlufteinbrüche zahlenmäßig abnehmen – der Temperaturgegensatz zwischen Nord und Süd nimmt schließlich ab. Dafür heizt sich das Mittelmeer weiter auf – wenn sich also doch ein Medicane bildet, dürfte er intensiver ausfallen.

Die Stürme beziehen ihre Energie aus dem warmen Wasser und werden zukünftig stärker und ausdauernder, wenn sie länger über das Meer ziehen können. Und sie dürften intensivere Niederschläge bringen, so die Wissenschaftler.

Bei einem mittleren Klimawandelszenario – einer Aufheizung um zwei bis vier Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts – könnten Medicane regelmäßig eine Stärke von 1 auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala erreichen. Stürme erreichen dann mittlere Windgeschwindigkeiten von 119 bis 150 Kilometer pro Stunde; in Böen liegen die Werte deutlich darüber.

„Der Mittelmeerraum ist dicht bevölkert, snoch stärkere Medicane könnten die Bevölkerung schwer treffen“, warnt González-Alemán. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie Menschen und ihre Infrastruktur treffen.“

Wie verheerend Medicane schon gegenwärtig ausfallen können, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 1969: Damals starben mehrere hundert Menschen in Nordafrika durch Hochwasser, das von einem Medicane ausgelöst wurde.

Startseite

0 Kommentare zu "Stürmische Aussichten: Mittelmeer könnte zur Hurrikan-Zone werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote