Tierschutz Der Tasmanische Teufel kämpft ums Überleben

Stirbt nach dem Tasmanischen Tiger auch der Tasmanische Teufel aus? Ohne menschliche Hilfe wahrscheinlich schon. Durch eine ansteckende Krebsart ist der Bestand der Beuteltiere bereits enorm dezimiert. Doch es gibt Hoffnung.
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Das weltweit größte noch lebende Raubbeuteltier ist durch eine Krebs-Erkrankung massiv bedroht. Jetzt gibt es neue Hoffnung. Quelle: dpa
Tasmanischer Teufel

Das weltweit größte noch lebende Raubbeuteltier ist durch eine Krebs-Erkrankung massiv bedroht. Jetzt gibt es neue Hoffnung.

(Foto: dpa)

Port ArthurMan muss sich nicht wundern, wie der Tasmanische Teufel zu seinem Namen kam. Regt er sich auf, werden die Ohren rot. Er fängt an zu stinken. Dazu kreischt er wild und reißt das Maul mit den gewaltigen Zähnen auf, so weit es nur geht. Kein Wunder also, dass der Vierbeiner mit dem wackligen Gang nicht unbedingt zu den großen Sympathieträgern gehört. Zumal das auch Beutelteufel (wissenschaftlich: Sarcophilus harrisii) genannte Tier zudem noch Aasfresser ist.

Doch in den letzten Jahren hat sich das Image des Beuteltieres, das seit mehr als vier Jahrhunderten nur noch auf Tasmanien - einer Insel im Süden Australiens - vorkommt, ziemlich gewandelt. Aus Abscheu ist bei vielen Mitleid geworden. Grund ist eine hochansteckende Krebserkrankung, die 1996 entdeckt wurde. Mehr als 80 Prozent der Teufel starben schon daran. Manche Experten schätzen sogar, dass es von ehemals 200 000 „Tassie-Devils“ Mitte der 90er Jahre heute nur noch 10 000 gibt.

Diese Arten sind besonders gefährdet
CITES meeting in Bangkok
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In Bangkok beraten Vertreter aus 178 Ländern seit Sonntag (3. März) über besseren Tier- und Pflanzenschutz. Die Unterzeichner des Washingtoner Artenschutzabkommens überprüfen bis zum 14. März die Listen, die den Handel mit wilden Arten entweder ganz verbieten oder streng regulieren. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte.

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Eisbären

Die USA beantragen, den internationalen Handel mit Eisbär-Produkten vollständig zu verbieten. Die Tiere seien bereits durch die Eisschmelze bedroht, heißt es im Antrag. In den USA steht der Bär schon unter strengem Schutz. Kanada und andere Länder dagegen exportieren Bärenfelle und Trophäen.

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Nashörner

Kenia beantragt für das Breitmaulnashorn eine Aussetzung der Trophäenjagd-Exporte aus Südafrika und Swasiland, um der zunehmenden Wilderei einen Riegel vorzuschieben. In allen anderen Ländern ist der Export der Hörner bereits verboten. Wurden 2007 in Südafrika noch 13 Nashörner gewildert, waren es 2012 schon 668.

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Haie

Mehrere Länder fordern, dass der Handel mit verschiedenen Haiarten beschränkt wird. Vor allem die Flossen, die in Asien als Delikatesse gelten, bedrohen etwa Hammerhaie. Den Tieren wird oft die Flosse abgeschnitten und sie werden sterbend ins Meer zurückgeworfen.

huGO-BildID: 30081779 In this photo taken on April 1, 2011, a Thai customs official displays seized elephant tusks smuggled into Thailand from Kenya
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Elefanten

Bis 2017 darf aus vier südafrikanischen Ländern kein Elfenbein exportiert werden. Burkina Faso und Kenia fordern, dass diese Regelung auf die Elefantenbestände aller Länder ausgeweitet wird. Es gab einige Ausnahmeregelungen für legale Elfenbeinverkäufe, die nach Ansicht von Tierschützern eine riesige Grauzone für den illegalen Handel geschaffen und die Wilderei damit angefacht haben.

Indonesia Bali Turtle
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Schildkröten

Dutzende Schildkrötenarten stehen auf der Konferenz-Agenda. Sie landen unter anderem in Kochtöpfen Südostasiens und als Heimtiere in USA und Europa. Durch ihre niedrige Vermehrungsrate können sie die Wildfänge nur schwer ausgleichen.

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Krokodile

Gastgeberland Thailand hat weitere Ausnahmen dafür beantragt, Krokodile aus Zuchtbeständen sowie deren Produkte exportieren zu dürfen. Von diesen Tieren gibt es in Thailand nur noch circa 200 freilebende pro Art. Mehrere hunderttausend Siamkrokodile leben nach Angaben der Organisation Pro Wildlife in Zuchtfarmen vor allem in Thailand und Vietnam.

Durch den Gesichtskrebs (DFTD, Devil Facial Tumour Disease) werden die bis zu 70 Zentimer langen und zwölf Kilogramm schweren Tiere grässlich entstellt. Viele verenden qualvoll, weil sie wegen der Geschwüre in Mund und Rachen nicht mehr fressen können. Wenn es nicht gelingt, die Krankheit in den Griff zu bekommen, könnte der Tasmanische Teufel in ein paar Jahren ausgerottet sein. So wie der verwandte Tasmanische Tiger, von dem das letzte Exemplar 1936 starb.

Übertragen wird DFTD durch Bisse, die in der Paarungszeit oder bei Kämpfen um Nahrung recht häufig vorkommen. Dabei gelangen einzelne Krebszellen auf den Partner oder Gegner und können sich ansiedeln. Solche durch direkten Kontakt von einem Tier auf ein anderes übertragbare Krebsarten gibt es weltweit extrem selten. Ursache der schnellen Ausbreitung bei den Beutelteufeln ist nach aktuellem Kenntnisstand die geringe genetische Vielfalt der Population. Damit fehlt es auch an Vielfalt bei den Immunreaktionen.

„Die meisten Teufel sind weitgehend immunologische Klone“, erklärt die Genforscherin Katherine Belov von der Universität Sydney. „Die Zellen der anderen sind den eigenen sehr ähnlich. Deshalb sind die Tiere sehr anfällig für DFTD.“ Abgesehen vom Krebs gibt es noch eine andere große Gefahr: Autos. Jedes Jahr werden dutzende Beutelteufel auf Tasmaniens Straßen überfahren. Zudem werden die Tiere normalerweise ohnehin nicht älter als fünf Jahre.

Mit dem Programm „Save the Tasmanian Devil“ („Rettet den Tasmanischen Teufel“) wird nun versucht, das Wappentier der Insel zu bewahren. Eine Halbinsel im Südosten, die nur über einen schmalen Übergang zu erreichen ist, wurde zum Schutzgebiet erklärt. Dort, auf dem Weg ins alte Gefängnis von Port Arthur, gibt es auch einen privaten „Un-Zoo“, in dem die Tiere praktisch frei kommen und gehen können. Verkehrsschilder mahnen Autofahrer überall zu Rücksicht.

Inzwischen gibt es tatsächlich einige Hoffnung, dass der Tassie-Teufel gerettet werden kann. In mehreren Anlagen - auf Tasmanien, aber auch auf dem australischen Festland - werden sicherheitshalber Ersatzpopulationen gezüchtet. Mittlerweile gibt es dort mehr als 500 gesunde Tiere. Zudem haben auf Tasmanien trotz der Krebsepidemie einige Populationen überlebt.

Experten erklären das damit, dass manche Teufel inzwischen Antikörper zur Abwehr des Krebses entwickelt haben. Zudem schreitet die Entwicklung eines Impfstoffs voran. Mehr als hundert gezüchtete und geimpfte Teufel, die in den vergangenen beiden Jahren ausgesetzt wurden, leben noch. Jetzt kommt es darauf an, dass sie sich mit den wilden Tieren kreuzen und für ordentlich Nachwuchs sorgen.

Forscher warnt vor der Massenausrottung der Tiere

Allerdings gibt es auch Rückschläge. Vor ein paar Monaten wurde eine neue Form des Krebses entdeckt. Die meisten Experten bleiben dennoch zuversichtlich, dass der Tassie-Teufel gerettet werden kann. John Hamilton, Gründer des „Un-Zoos“ und einer der Urheber der Rettungskampagne, hält den Kampf gar schon für gewonnen: „Wir haben hier auf unserer Halbinsel eine wilde Population gerettet. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass der Teufel überleben wird“.

Klar ist aber auch, dass die Rettung - wenn überhaupt - nur mit menschlicher Hilfe gelingen wird. Genforscherin Belov sagt: „Ohne die aktive Unterstützung von Forschern, Regierungsstellen, Parks, Zoos und vielen anderen würden die Tasmanischen Teufel in der Wildnis nicht überleben.“

  • dpa
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