Trotz ökologischer Bedenken Getränkedose setzt schleichendes Comeback fort

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland erstmals seit der Einführung der Pfandpflicht wieder mehr als zwei Milliarden Getränkedosen verkauft. Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht – trotz Bedenken von Umweltschützern.
Dreizehn Jahre nach der Einführung der Pfandpflicht wurden 2015 in Deutschland erstmals wieder mehr als zwei Milliarden Dosen verkauft. Quelle: dpa
Leere Getränkedosen

Dreizehn Jahre nach der Einführung der Pfandpflicht wurden 2015 in Deutschland erstmals wieder mehr als zwei Milliarden Dosen verkauft.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Bundesbürger greifen immer öfter zur Getränkedose, wenn sie der Durst nach Bier oder Limonade überkommt. Dreizehn Jahre nach der Einführung der Pfandpflicht wurden 2015 in Deutschland erstmals wieder mehr als zwei Milliarden Dosen verkauft, wie der europäische Verband der Getränkedosen-Hersteller BCME am Mittwoch mitteilte. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies eine Steigerung um zwölf Prozent.

Die ökologisch umstrittene Verpackungsart erlebt seit Jahren ein schleichendes Comeback. Nach der Einführung des Dosenpfandes Anfang 2003 war der Absatz zunächst drastisch eingebrochen, weil der Handel die Getränkedose fast vollständig aus dem Sortiment genommen hatte.

Doch mit der Einführung eines bundesweit einheitlichen Rücknahmesystems im Jahr 2006 tauchte die Dose wieder häufiger in den Regalen auf. Wurden 2007 gerade einmal 380 Millionen Stück verkauft, überschritt die Menge 2011 schon wieder die magische Grenze von einer Milliarde Dosen.

Plastikmüll verschmutzt die arktischen Gewässer
Nicht nur Eis schwimmt im arktischen Meer
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Selbst in den abgelegenen Meeresregionen der Arktis sind mittlerweile Plastikabfälle zu finden. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven haben treibenden Kunststoffmüll auf dem Meer zwischen Grönland und der östlich davon liegenden Inselgruppe Spitzbergen entdeckt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut/Sebastian Menze)

Forschungsschiff Polarstern
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Von Bord des Forschungseisbrechers Polarstern... (Foto: Alfred-Wegener-Institut/Sebastian Menze)

Polarstern-Bordhelikopter im Einsatz
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...und von einem Helikopter aus suchte das Team um die AWI-Biologin Melanie Bergmann in der sogenannten Framstraße nach Müllteilen. Auf einer Strecke von 5600 Kilometern wurden 31 Teile entdeckt. Diese Zahl mag im ersten Moment klein klingen, doch beunruhigt die Forscher, dass in der weit entfernten Arktis überhaupt Müll an der Wasseroberfläche zu finden ist. (Foto: Alfred-Wegener-Institut/Sebastian Menze)

Plastikmüll am Meeresboden der Framstraße
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Mit der Methode habe nur großes Treibgut erfasst werden können. „Unsere Zahlen sind deshalb aller Wahrscheinlichkeit nach eine Untertreibung des tatsächlichen Müllbestandes“, sagte Bergmann. In einer früheren Studie hatte die Forscherin bereits festgestellt, dass die Müllmenge am Meeresboden der Framstraße zunimmt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut/Melanie Bergmann/OFOS)

Plastikmüll im Meer
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Wie der Abfall so weit nach Norden gelangt, sei noch unklar. Er könnte Bergmann zufolge aus einem Müllstrudel stammen, der sich gerade in der Barentssee nördlich von Norwegen und Russland bilde. Dort sammle sich vermutlich Müll aus den Küstenregionen Nordeuropas. (Foto: Alfred-Wegener-Institut/Cecil Feierabend)

Müll- und Plastikreste am Strand von St. Peter-Ording (Nordsee)
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Müllstrudel entstehen, wenn treibende Plastikteile von großen kreisenden Meeresströmungen eingefangen werden und sich im Zentrum dieser Wirbel konzentrieren. Neben dem in der Barentssee sind nach AWI-Angaben bisher weltweit fünf solcher Müllwirbel bekannt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut/Thomas Ronge)

Basstölpel „nutzen“ Plastikmüll als Nistmaterial
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Eine andere Ursache für den Müll in der Arktis könnte der Rückgang des arktischen Meereises sein, wodurch mehr Fischtrawler nach Norden vorstoßen. Von den Schiffen könnte Müll in den Gewässern landen. Problematisch sei der treibende Müll insbesondere für Seevögel, die sich von Beute an der Wasseroberfläche ernähren, berichten die Forscher. Plastikreste wurden schon in den Mägen von Seevögeln und Grönlandhaien gefunden. (Foto: Alfred-Wegener-Institut/Thomas Ronge=

Seitdem hat sich die Zahl noch einmal verdoppelt. Von den Verkaufszahlen vor der Einführung des Dosenpfandes ist die Branche allerdings noch weit entfernt. Im Jahr 2002 waren noch rund 7,5 Milliarden Dosen abgesetzt worden.

Für die Renaissance der Getränkedose sieht der Handelsexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU gleich ein ganzes Bündel von Gründen. „Die Getränkedose ist schon von der Größe her ideal für die wachsende Zahl der Single-Haushalte in Deutschland“, betont er. Außerdem sei die Gewinnspanne für den Handel bei der Dose häufig höher als bei anderen Getränkeverpackungen - und auch die Handhabung sei für Supermärkte und Discounter einfacher.

Eine Rolle bei dem Comeback spiele sicherlich auch der Erfolg von Red Bull. „Das coole Image des Energydrinks strahlt auch auf andere Dosengetränke ab“, meint Fassnacht.

Umweltschützer sehen die aktuelle Entwicklung mit Sorge. Aluminium sei schon wegen des hohen Energieaufwands und der Umweltbelastungen bei der Herstellung das falsche Material, um für Verpackungen genutzt zu werden, kritisierte Benjamin Bongardt vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Dennoch rechnet der Verband der Getränkedosenhersteller für das laufende Jahr mit einer weiteren Steigerung der Absatzzahlen. Fassnacht sieht das ähnlich: „Das Comeback der Getränkedose wird weitergehen.“ Die Bedeutung, dies sie vor der Einführung der Pfandpflicht hatte, werde die Dose aber nicht wieder erreichen.

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  • dpa
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