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Übungen in Atomkraftwerken (K)ein ernst zu nehmender Störfall

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Für Essens Schichtleiter Taube und seine Gruppe sieht es in der Warte genauso aus wie am Standort Biblis in Hessen. Jeder Knopf sitzt an seiner Stelle, jede Kontroll-Lampe, jeder Datenschreiber und jeder Bildschirm. Im Hintergrund arbeiten leistungsstarke Server. Aufwendige Softwareprogramme bilden die Vorgänge im Kraftwerk detailgetreu als komplexe mathematische Modelle ab. Jede Eingabe – ob Anfahren oder Störfall – muss so wirken wie in der Realität. Und alles in Echtzeit: Pro Sekunde werden ein bis zwei Millionen Operationen berechnet. Bis zu 25 Millionen Euro kostet jeder Simulator, nur 15 Prozent entfallen auf die Warte, der Rest auf die Softwareentwicklung, an der rund 40 Mitarbeiter drei Jahre lang gearbeitet haben.

Den Aufwand betreiben die Konzerne nicht ganz freiwillig. Die Aufsichtsbehörden haben für das Fachpersonal Richtlinien erarbeitet, um „die Fachkunde zu erhalten“. 100 Stunden im Jahr muss jeder am Standort theoretisch geschult werden. Zudem muss jede Schicht zweimal im Jahr für fünf Tage in den Simulator. Etwa 15 Prozent der Arbeitszeit verbringt jeder Schichtleiter, Reaktor- oder Turbinenfahrer mit Übungen und Unterricht.

Der Ausbilder komponiert in wochenlanger Vorarbeit für jeden Kurs neue Störungsszenarien. Nach jedem Kurs werden die Teilnehmer bewertet. Das Feedback kommt in die Personalakte. Kritisch beobachtet werden neben den Arbeitsabläufen auch die Kommunikations- und Teamfähigkeit. Alle zwei bis drei Jahre durchlaufen die Schichten ein Spezialtraining mit Psychologen der Lufthansa.

Durchgespielt wird neben dem Standardbetrieb vor allem der Schadensfall. Einfache Leckagen werden ebenso nachgestellt wie unrealistische Vorfälle, bei der die unterschiedlichsten Störfälle parallel auftreten und die Mitarbeiter Prioritäten setzen müssen. „Der Fall Krümmel wird mit Sicherheit in allen kommenden Schulungen eine Rolle spielen“, sagt Hoffmann, „obwohl der Ausfall eines Transformators schon jetzt zur Routine gehört.“

Warum aber gibt es bei aller Vorsicht, bei allem Training dann trotzdem immer wieder Pannen? Weil es eben Menschen gibt, und die versagen nicht selten. 2006 zählte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) immerhin 130 Vorfälle – auch wenn es in keinem Fall wirklich gefährlich wurde. Jedes der Ereignisse konnte auf der siebenstufigen „International Nuclear Event Scale“ (Ines) in die Kategorie null eingeordnet werden. Etwa 30 Prozent der Fehler in Kernkraftwerken gehen dabei auf menschliche Unzulänglichkeiten zurück, schätzen Experten.

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