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Übungen in Atomkraftwerken (K)ein ernst zu nehmender Störfall

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In Krümmel hat nicht nur ein Transformator gebrannt. In Krümmel reagierte das Personal in einer Stresssituation, die doch eigentlich ständig geübt wird, falsch, wie Vattenfall einräumt. Der Reaktorfahrer verstand die Anweisungen seines Schichtleiters falsch und ließ den Druck aus dem Reaktor schneller ab als geplant. Er öffnete zwei Entlastungsventile komplett, statt sie immer wieder zu öffnen und zu schließen. Der rasche Druckabfall löste eine Schnellabschaltung aus. So etwas dürfe „natürlich nicht“ vorkommen, gibt Konzernchef Lars Göran Josefsson zu.

Aus der Defensive heraus versucht Vattenfall nun verzweifelt, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Künftig müssen die Mitarbeiter Anweisungen laut wiederholen, bevor sie sie ausführen, lautet eine neue Vorschrift. „Wir werden alles tun, um Fehler und Versäumnisse für die Zukunft auszuschließen“, verspricht das Unternehmen.

Ein Versprechen, das nach den Worten des Simulatorchefs Hoffmann so aber gar nicht einzuhalten ist: „Die Wortwahl ist unglücklich“, sagt der 58-Jährige: „Man kann menschliche Fehler nicht komplett ausschließen.“ Die Anlagen müssten aber so gebaut werden, dass jeder Einzelfehler des Menschen oder der Technik abgefangen werde. Auch in Krümmel habe die Technik ja „folgerichtig reagiert“, zu keinem Zeitpunkt habe eine wirkliche Gefahr bestanden: „Den perfekten Menschen brauchen Sie nur, wenn Sie keine weiteren Sicherheitssysteme haben.“

Im Biblis-Simulator erledigen die Mitarbeiter unter den strengen Augen des Ausbilders ihre Aufgabe bestens. Die Anweisungen von Schichtleiter Taube werden zügig ausgeführt, nach wenigen Minuten kann er Entwarnung geben. Der Reaktor wurde kontrolliert heruntergefahren, Temperatur und Druck sind stabil, der Schaden an einer großen Kontrolltafel ist schnell eingegrenzt. „Es hat alles gut geklappt“, sagt Taube. Wäre das heute keine Übung, müsste er den Fall jetzt umgehend an die Aufsichtsbehörde melden – Stufe drei auf der Ines-Skala, ein „ernster Störfall“. Dann bekäme die Diskussion über die Sicherheitskultur in deutschen Atomkraftwerken wieder neue Nahrung.

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