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Umstrittene Wasserstraße Nicaraguakanal – Jahrhundertwerk oder Desaster?

Eine Wasserstraße soll Karibik und Pazifik durch Nicaragua verbinden. Ein Jahrhundertbauwerk oder ein wirtschaftliches und ökologisches Desaster? Fragen an den Biologen Axel Meyer, der seit Jahrzehnten im Land forscht.
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Der Panamakanal - hier die Pedro Miguel-Schleusen in Panama-Stadt - ist bislang der einzige Kanal, der Pazifik und Atlantik verbindet. Doch chinesische Investoren wollen in Nicaragua einen zweiten Kanal durch Mittelamerika bauen. Quelle: dpa

Der Panamakanal - hier die Pedro Miguel-Schleusen in Panama-Stadt - ist bislang der einzige Kanal, der Pazifik und Atlantik verbindet. Doch chinesische Investoren wollen in Nicaragua einen zweiten Kanal durch Mittelamerika bauen.

(Foto: dpa)

Herr Professor Meyer, warum kommt man auf die Idee, einen Kanal durch Nicaragua zu bauen, wenn es nur wenig südlich bereits einen durch Panama gibt – der zudem ausgebaut wird?

Das ist eine berechtigte Frage, denn ökonomisch ist das nicht nachvollziehbar. Allein die Vorinvestitionen machen bereits 40 Milliarden Dollar für einen bis zu 300 Kilometer langen Kanal aus, den man drei bis vier Tage durchfahren muss. Der Panamakanal ist zwar weiter südlich, doch dafür ist die Fahrtzeit durch die nur knapp 80 Kilometer lange Wasserstraße wesentlich kürzer.

Dennoch bestehen ernsthafte Pläne?

Es liegt nahe, dass es sich auch um geopolitische Beweggründe handelt, weshalb die Chinesen diese Route öffnen wollen.

Hegen die Investoren Befürchtungen, dass die USA selbst heute noch zu viel Einfluss auf die Betreiber des Panamakanals nehmen könnten?

China gehört zu den größten Abnehmern venezolanischen Erdöls, und beide Staaten sind eng miteinander befreundet. Es erscheint also logisch, dass sich die Volksrepublik sichere Alternativen sucht, auch wenn der Panamakanal heute nicht mehr unter US-amerikanischer Aufsicht steht, sondern Panama gehört.

Erscheint ein Kanal durch Nicaragua angesichts der schwierigen geologischen und hydrologischen Bedingungen überhaupt möglich?

Die Dimensionen sind kaum vorstellbar: Der Panamakanal gilt als Jahrhundertwerk der Ingenieure. Seine bisherigen Schleusen benennen eine ganze Schiffsgrößenkategorie. Und alles, was nicht durchpasst, bezeichnet man als Post-PanMax-Klasse  – für die nun die Schleusen und die Wasserstraße ausgebaut werden, damit auch die größten Frachter und Tanker Zentralamerika passieren können.

Mit dem Nicaraguakanal verhielte es sich kaum anders. Die Wasserstraße soll beispielsweise an der Pazifikküste an der Mündung des Rio Brito beginnen – einem besseren Bach. Die Route führt auch durch den Nicaraguasee, der an vielen Stellen flacher als 15 Meter ist; er müsste also ausgebaggert werden, denn Post-PanMax Schiffen haben einen Tiefgang von mehr als 18 Metern. Dazu muss die Strecke hügeliges bis gebirgiges Gelände mit schwierigem Untergrund queren.

Zu der Vereinbarung zwischen dem Staat Nicaragua und der Hongkonger HKND-Gruppe (HK Nicaragua Canal Development Investment Company) gehören auch Abbaurechte für Rohstoffe, die unterwegs gefunden werden, sowie Pläne zur Errichtung von Industrieanlagen und Häfen. Könnte der Kanal nicht ein Vorwand für Schürflizenzen sein?

Die hätte es wahrscheinlich auch billiger gegeben. Politisch ist kaum durchschaubar, was hier alles dahintersteckt. Böse Zungen im Land sagen, dass sich China ein ganzes Land für 40 Milliarden Dollar kauft. Wichtigster Rohstoff sind eigentlich fruchtbare Böden, die beispielsweise für den Kaffeeanbau genutzt werden. Und in gewissem Umfang gibt es auch Golderze. Aber das ist wohl nicht entscheidend.

Worüber ich mir besonders Sorgen mache, ist die Tatsache, dass die HKND-Gruppe schon vorab von allen Folgekosten ökonomischer und ökologischer Schäden freigesprochen wird. Das ist wohl einmalig. Außerdem darf die Firma selbst die Umweltgutachten erstellen und einholen, nicht, wie sonst international üblich bei solchen Megaprojekten, unabhängige Fachleute.

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