Umweltproblem Plastik Forscher finden erstmals Mikroplastik in Menschen

Plastik belastet zunehmend unsere Gewässer und Böden. Forscher haben winzige Plastikpartikel nun erstmals in menschlichen Stuhlproben gefunden.
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Erstmals haben Forscher Mikroplastik in menschlichen Ausscheidungen nachgewiesen. Quelle: dpa
Umweltproblem Plastikmüll

Erstmals haben Forscher Mikroplastik in menschlichen Ausscheidungen nachgewiesen.

(Foto: dpa)

BerlinErstmals haben Forscher Mikroplastik in Ausscheidungen von Menschen gefunden. Die Kunststoffpartikel wurden in Stuhlproben von allen acht Teilnehmern einer Studie der Medizinischen Universität Wien nachgewiesen.

Die Probanden im Alter zwischen 33 und 65 Jahren, die auf verschiedenen Kontinenten leben und sich nicht kennen, führten eine Woche lang ein Ernährungstagebuch und gaben anschließend die Probe ab. Alle Teilnehmer nahmen in dieser Zeit in Plastik verpackte Lebensmittel oder Getränke aus PET-Flaschen zu sich. Die Mehrzahl von ihnen aß auch Fisch oder Meeresfrüchte, niemand ernährte sich ausschließlich vegetarisch.

„In unserem Labor konnten wir neun verschiedene Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometer nachweisen“, erklärte Bettina Liebmann, Expertin für Mikroplastik-Analysen im österreichischen Umweltbundesamt. Vor allem die Vielfalt der Kunststoffe habe sie überrascht.

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Für Meerestiere und Seevögel bedeutet Plastikmüll Lebensgefahr: Er vergiftet sie schleichend oder verstopft ihre Mägen, sodass sie verhungern. Geschätzt 100.000 Meerestiere verenden jährlich an Müllpartikeln. Auch in Speisefischen wie Kabeljau oder Thunfisch wurden bereits Plastikpartikel nachgewiesen.

Welche Gefahren drohen dem Menschen?
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Plastikabfälle enthalten unter anderem chlorierte Kohlenwasserstoffe, Verhärter oder Weichmacher, sagt Katja Ziebarth, Meeresschutzreferentin des BUND Bremen. Der Müll ist also auch für den Menschen nicht harmlos. Winzige Plastikpartikel werden von Würmern, Muscheln, Krebsen aus dem Wasser gefiltert, die dann als Nahrung der Fische dienen. „Es ist davon auszugehen, dass Mikroplastik über die Nahrungskette auch wieder auf unseren Tellern landet“, so Schöttner.

Wird der Plastikmüll in den Meeren abgebaut?
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Der Plastikmüll kann viele hundert wenn nicht tausend Jahre erhalten bleiben. Größere Plastikteile zersetzen sich zwar, bleiben aber in Form kleinster Teilchen, als sogenannter Mikroplastik, erhalten. Der größte Teil des Plastikmülls im Meer treibt als Mikroplastik unsichtbar im Wasser. Etwa 15 Prozent halten sich an der Oberfläche, nur 5 Prozent gelangen an die Strände. Selbst entlegene Meeresregionen sind von den Problem betroffen, wie dieses Bild belegt, das Meeresforscher des Alfred-Wegener-Instituts gemacht haben. Es zeigt Plastikmüll auf dem Meeresgrund in der Arktis.

Sind alle Länder gleichermaßen betroffen?
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Es ist in der Tat ein weltweites Problem. Jährlich würden auf der ganzen Welt rund 300 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert, sagt Jörg-Olaf Wolff vom Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) in Wilhelmshaven. Daher sei es wichtig, bei der Bekämpfung des Mülls den Blick in alle Regionen der Erde zu werfen.

Was tut Deutschland, um das Problem in Griff zu bekommen?
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Am häufigsten fanden sich Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) in den Proben. Ein Zusammenhang zwischen dem Ernährungsverhalten und einer Belastung mit Mikroplastik konnten die Wissenschaftler allerdings nicht herstellen, dafür war die Probandengruppe zu klein.

Die Forscher hatten sich bewusst für eine derart kleine Gruppe entschieden. Nach Liebmanns Angaben war vor der Studie noch nicht viel zum Thema Mikroplastik im Menschen bekannt gewesen. Daher habe man sich zunächst auf eine Untersuchung mit wenigen Probanden konzentriert. Die Ergebnisse wurden am Dienstag bei einem Kongress in Wien vorgestellt.

Laut Liebmann soll demnächst die wissenschaftliche Publikation der Studie folgen. Danach wollen sich die Forscher um eine größere Studie bemühen.

Mikroplastik gelangt auf vielen Wegen in die Umwelt, Abrieb von Autoreifen oder bestimmte Kosmetika sind typische Quellen. Meist landen die winzigen Plastikpartikel schließlich in Gewässern, wo sie von Fischen und anderen Tieren aufgenommen werden.

Eine frühere Studie hat ermittelt, dass rund 330.000 Tonnen dieses primären Mikroplastiks pro Jahr in Deutschland freigesetzt werden. Sekundäres Mikroplastik entsteht dagegen durch Verwitterung und Zerfall großer Plastikteile.

Das Wissen über Herkunft, Verbreitung und Folgen von Plastik in der Umwelt ist aber insgesamt noch sehr lückenhaft. Deshalb hat das deutsche Forschungsministerium ein großes Programm aufgelegt: 18 Projekte mit rund 100 Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden und Kommunen sollen ein Gesamtbild zeichnen, wie Kunststoffe produziert, eingesetzt, gehandelt und entsorgt werden.

  • tt
  • dpa
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