Verfrühte Eisschmelze Grönland taut zu früh auf

Auf der arktischen Eisinsel Grönland war es diese Woche wärmer als in Berlin. Auf einer gigantischen Fläche setzt jetzt Tauwetter ein – dabei sollte es dort um diese Jahreszeit noch so kalt sein wie in der Kühltruhe.
Noch nie haben Wissenschaftler einen so frühen Beginn der Eisschmelze auf der Insel erlebt. Quelle: AP
Eisberg vor Grönland

Noch nie haben Wissenschaftler einen so frühen Beginn der Eisschmelze auf der Insel erlebt.

(Foto: AP)

WashingtonWenn im Frühjahr warme Luft nach Norden strömt, beginnt auch in Grönland die Eisschmelze. Jedes Jahr. Doch noch nie haben Wissenschaftler einen so frühen Beginn des Phänomens beobachtet. Schon diese Woche fanden Forscher bei rund zwölf Prozent des Eispanzers der arktischen Insel Anzeichen, dass Tauwetter einsetzt – eine Fläche von 1,7 Millionen Quadratkilometern.

Normal sei eine solche Schmelze für Ende Mai, nicht Mitte April, sagt Peter Langen vom Dänischen Meteorologischen Institut. Der Rekord macht ihm Sorge: Der bisher früheste von Forschern beobachtete Zeitpunkt des Beginns lag mehr als drei Wochen später. Im Moment sollte in Grönland noch alles tiefgefroren sein.

Wo die Gletscher schmelzen
Gletscher in Argentinien
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Seit Anfang dieses Jahrhunderts schmelzen die Gletscher der Erde mit Rekordgeschwindigkeit. Damit droht der Verlust wichtiger Trinkwasserspeicher. Welche Regionen besonders betroffen sind.

Himalaya
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Im höchsten Gebirge der Welt, schmelzen jedes Jahr viele Tausend Tonnen Himalaya-Eis. Allein Nepal hat mehr als 3200 Gletscher. Von 1977 bis 2010 seien die vergletscherten Gebiete jedoch um fast ein Viertel geschrumpft, erklärt Samjwal Bajracharya vom International Center for Integrated Mountain Developement (Icimod) in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Jedes Jahr verliert Nepal etwa 38 Quadratkilometer Gletscherfläche.

Gletschersee Tsho Rolpa im Himalaya
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Das Schmelzwasser füllt Gletscherseen, deren natürliche Dämme aus Felsen und Geröll plötzlich brechen können, wenn der Druck zu groß wird. Dörfer flussabwärts sind vermehrt von katastrophalen Überschwemmungen bedroht. Andere Bewohner müssen wegziehen, da es in höheren Regionen zu wenig Wasser gibt. Auch die Stromversorgung durch Wasserkraft ist langfristig gefährdet.

(Foto: Wikipedia/Kapilkhatri19/CC BY-SA 3.0)

Anden
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Besonders drastisch zeigt sich die Gletscherschmelze in den Anden. Allein in Peru gibt es 2679 Gletscher, das sind 71 Prozent der weltweiten Tropengletscher. Mit 1300 Quadratkilometern ist die gesamte Eisfläche in den letzten 40 Jahren um 42,64 Prozent geschrumpft. Die Gletscherschmelze hat in Peru seit 1940 ein halbes Dutzend katastrophale Erdrutsche verursacht.

Flutwellen und Erdrutsche
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Über fünfzig der zahlreichen Berglagunen, die aus der Gletscherschmelze entstehen, stellen eine Gefahr für Ortschaften an den Berghängen dar. Ein plötzlicher Anstieg des Wasserspiegels kann zu hohen Flutwellen und Erdrutschen führen.

Alpen
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Deutschlands größter Gletscher, der Nördliche Schneeferner auf der Zugspitze, ist in der Rekordhitze des vergangenen Sommers im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich stärker geschwunden. Doch der Glaziologe Wilfried Hagg von der Ludwig-Maximilians-Universität München will die insgesamt drei Zugspitz-Gletscher noch nicht aufgeben. Bei der aktuellen Schmelzrate werde vermutlich auch noch zur Jahrhundertmitte Gletschereis auf Deutschlands höchstem Berg zu finden sein.

Ausflügler auf Schneeferner-Gletscher
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Neben drei Zugspitzgletschern gibt es in den deutschen Alpen noch den Watzmanngletscher und den Blaueis. Der Watzmanngletscher verlor von 2009 bis 2014 pro Jahr einen Meter Eis. Der Blaueis ist mittlerweile in zwei Teile zerbrochen.

Als Grund sehen die Wissenschaftler eine ungewöhnliche Wetterkonstellation, die warme Luft und viel Regen gebracht hat. In Grönlands Hauptstadt Nuuk wurden am Montag 16,6 Grad Celsius gemessen – das waren 6,5 Grad mehr als der bisherige Temperaturrekord für April. Im Inland lagen die Temperaturen in Kangerlussuaq sogar bei 17,8 Grad und damit höher als in Berlin.

Die jetzige Wetterlage sei natürlich, sagen Wissenschaftler – und doch sehen sie einen Einfluss des Klimawandels. „Die Dinge werden extremer und sie werden häufiger“, sagt der Nasa-Eiswissenschaftler Walt Meier. Und sein dänischer Kollege Langen meint: „Man kann sich nicht helfen zu sagen: Das könnte ein Zeichen der Dinge sein, die wir in Zukunft häufiger sehen.“

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