Vorratskammer Arktis Russland will Öl und Gas aus dem Ewigen Eis

Wissenschaftler machen die schmelzenden Eismassen in der Arktis große Sorgen, Russland erhofft sich dadurch aber auch einen leichteren Zugang zu den Rohstoffen. Bei einem Treffen in Moskau machte Russland klar, dass es die „Vorratskammer“ Arktis für sich öffnen möchte. Unabhängige Experten warnen aber vor schweren Folgen für die Umwelt.
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Inszenierter Anspruch: Vor etwas mehr als drei Jahren hießte Russland seine Flagge in 4000 Meter Meerestiefe. Quelle: dpa

Inszenierter Anspruch: Vor etwas mehr als drei Jahren hießte Russland seine Flagge in 4000 Meter Meerestiefe.

(Foto: dpa)

HB MOSKAU. Drei Jahre nach dem spektakulären Setzen einer russischen Flagge in 4000 Metern Tiefe des Eismeers am 2. August 2007 legt Moskau im Rennen um Rohstoffe mit einer großen Arktis-Konferenz nach. Zwar steht die internationale Tagung unter dem Motto „Territorium für Dialog“. In Wahrheit geht es aber vor allem um einen handfesten Territorialstreit mit den USA, Kanada sowie anderen Arktis-Anrainern um gigantische Öl- und Gasvorräte - und damit um Milliardensummen.

In den hellen Marmorsälen des Lehrgebäudes 1 der Lomonossow- Universität ist vor allem die russische Führung stark vertreten - samt einem Heer staatstreuer Wissenschaftler, die vor allem eine Aufgabe haben: Sie sollen möglichst bald handfeste Belege an die Vereinten Nationen liefern - darüber, dass der russische Festlandsockel so weit in die Arktis reicht, dass das Riesenreich auch noch den Nordpol beanspruchen kann.

Die an Bodenschätzen reiche Arktis ist eine meist eisbedeckte Land- und Meeresfläche rund um den geografischen Nordpol. Zu dort vorhandenen Rohstoffen zählen Erdöl, Erdgas, Kohle, Eisen, Silber, Gold und Zink. Die genaue Aufteilung des Meeresbodens, der wegen der schmelzenden Eismassen zunehmend leichter zugänglich wird, ist bis heute nicht hinreichend geklärt. Russland fordert einen 1,2 Millionen Quadratkilometer großen Teil der Arktis einschließlich des Nordpols.

Zwar behandelt die Konferenz auch die Probleme des Klimawandels in der Arktis und die Gefahren etwa einer Ölförderung für die Umwelt. Naturschützer dürfen hier davor warnen, das Gebiet auszubeuten. Eine Jurte aus Tierfellen im Foyer sowie großflächige Fotos vom Leben der Arktis-Völker und der Tierwelt zeigen die Schönheiten des Kältepunkts der Erde. Doch wie ernst es Russland mit der geplanten Ausbeutung der Bodenschätze in der Region ist, zeigt auch der mit großem Aufwand inszenierte Auftritt von Regierungschef Wladimir Putin auf dem zweitägigen Forum am Donnerstag.

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