Wasser aus der Antarktis Eisberge sollen Kapstadt vor Dürre retten

Eisberge abschleppen, um Dürregebiete mit Wasser zu versorgen – das ist keine neue Idee. Aber diesmal klappt es vielleicht. Zumindest die nötige Technik existiert inzwischen.
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Sind die Eisgiganten der Schlüssel zur Lösung der Wasserprobleme Südafrikas? Quelle: imago/blickwinkel
Treibender Eisberg

Sind die Eisgiganten der Schlüssel zur Lösung der Wasserprobleme Südafrikas?

(Foto: imago/blickwinkel)

HeidelbergMit einer alten Idee eine Großstadt vor dem Verdursten retten: Eisberge aus der Antarktis sollen Kapstadt mit Wasser versorgen, bevor die Reservoirs endgültig leer sind. Seit drei Jahren herrscht in der Region Dürre, und nur drastische Sparmaßnahmen haben verhindert, dass schon 2018 die Wasserversorgung zusammenbricht. Nun soll die Antarktis einspringen, falls die Winterregen wieder ausbleiben.

Schiffe sollen im Südpolarmeer Eisberge einfangen und an die Südspitze Afrikas schleppen. Initiator der Idee ist der Bergungstechniker Nick Sloane, der 2013 in Italien die havarierte „Costa Concordia“ hob. Sein Team sucht derzeit Geldgeber für das Eisbergprojekt.

„Wenn sich die Wasserkrise nicht lösen lässt, wollen wir zeigen, dass wir eine Idee haben, auf die noch niemand gekommen ist“, sagte Sloane der Nachrichtenagentur Reuters. Tatsächlich ist der Plan allerdings gar nicht so neu: Zuletzt hatte ihn 2017 ein Unternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten für die dortige Wasserversorgung diskutiert.

Antarktischer Eiskoloss hängt fest
Eisberg A68
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Der vor einem Monat in der Westantarktis abgebrochene Eisberg A68 hat sich bisher kaum von der Stelle bewegt.

Keine Angriffsfläche
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„Im Moment scheint er nicht richtig weg zu kommen“, so Daniela Jansen, Glaziologin am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (Awi). Die Strömung habe noch keine Angriffsfläche an dem Giganten gefunden, um ihn mit sich fortzutreiben.

Fast sieben Mal so groß wie Berlin
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A68 ist einer der größten Eisberge, die je beobachtet wurden, er wiegt mehr als eine Gigatonne. Die Grafik des AWI verdeutlicht die Dimensionen des Kolosses: Die Gesamtfläche Eisberges beträgt fast 6000 Quadratkilometer, damit ist er etwa 6,7-mal so groß wie das Stadtgebiet Berlins. (Grafik: Alfred-Wegener-Institut/Martin Künsting CC-BY 4.0)

Eisberg A68
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Der Eisberg wackle in der Bucht im Larsen-C-Schelfeis hin und her, die durch seine Ablösung in der Zeit vom 10. bis 12. Juli entstanden war, sagte Jansen. Dabei habe sich der Koloss... (Foto: Nasa)

Eisberg A68
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...bereits ein bisschen gedreht, so dass sich der Spalt zur Schelfeiskante in Richtung Süden schon verbreitert habe.

Larsen-C-Schelfeis
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Schelfeis schwimmt auf dem Meer, wird von Gletschern gespeist und wächst immer weiter ins Meer, bis Teile abbrechen.

Erst im antarktischen Sommer dürfte der Gigant freikommen
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Die Wissenschaftlerin rechnet damit, dass sich an der Position des Eisbergs erst im antarktischen Sommer etwas ändern werde. Jetzt im Winter drücke zu viel Meereis gegen den Giganten. Im Sommer dagegen verschwindet sich das zu Eis gefrorene Meerwasser vor der Küste weitgehend. Dadurch könnte der Koloss letztlich freikommen.

Ursprünglich geht die Idee, Eisberge aus den Polarregionen in Regionen mit Wassermangel zu schleppen, auf den französischen Ingenieur Georges Mougin zurück. Ende der 1970er-Jahre fand sogar eine Konferenz über solche Pläne in den USA statt. Bisherige Versuche scheiterten allerdings an den technischen Herausforderungen und den erheblichen Kosten.

Immerhin ist die aktuelle Initiative nicht ganz so abwegig wie die bisherigen derartigen Pläne. Zum einen ist Südafrika vergleichsweise nah an der Quelle der Eisberge, und das Südpolarmeer ist dank mehrerer Jahrzehnte Antarktisforschung und verbesserter Technik weit besser zugänglich als früher. Beim Transport könnte man den antarktischen Zirkumpolarstrom die Hauptarbeit machen lassen und den treibenden Eisberg einfach nach Norden ablenken, bis er vom Benguelastrom eingefangen und direkt vor Kapstadt abgeliefert wird.

Zum anderen existiert die Technik, mit der sich Eisberge einfangen ließen, bereits: Spezialschiffe schützen so Bohrplattformen im Nordatlantik vor Treibeis.

Bleibt nur die Frage, ob der Trick auch im Süden und unter ungleich härteren Bedingungen funktioniert: Das Südpolarmeer ist berüchtigt für seine Stürme. Und selbst wenn es klappt, wird die Umsetzung sehr teuer. Womöglich profitieren dann nur jene vom antarktischen Nass, die sich das weit gereiste Wasser auch leisten können.

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3 Kommentare zu "Wasser aus der Antarktis: Eisberge sollen Kapstadt vor Dürre retten"

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  • Sachlich wäre Südafrika am ehesten für ein solches Unterfangen prädestiniert. Allerdings ist Südafrika gerade dabei sich zu ruinieren. Damit fehlen dann möglicherweise die Strukturen für ein solches Projekt.

    Südafrika wurde vor einigen 100 Jahren von den Buren und etwa gleichzeitig von schwarzen Stämmen aus dem Norden besiedelt. In Südafrika wurden europaähnliche Strukturen geschaffen.
    Aktuell versinkt das mittlerweile schwarz regierte Südafrika in Korruption und Rassismus. Die aktuelle Regierung will die verbleibenden Weissen enteignen, lässt Kriminalität und Überfälle auf die Farmer zu. Letztere erhalten nirgends Hilfe, auch kein Asyl (sind wohl keine Goldstücke). Dadurch wird die wirtschaftliche Grundlage des Landes angegriffen. Die Wirtschaft scheint zu stagnieren. Ich hoffe nicht, dass es eine Entwicklung ala Rhodesien/Zimbabwe geben wird.

  • Nun ja, zumindest die Dürre in der Kehle kann man mit Polareis schon heute beheben.
    Ich habe einmal eine Dokumentation gesehen, da lässt sich eine Braumeisterin einen Eisblock aus Polareis schneiden, um mit dem ultrareinen Wasser daraus ein vorzügliches Bierchen zu brauen.

  • Toller Vorspann: Ein Verb fehlt. Peinlich,

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